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INTERVIEW: «Die VRSG hat vieles verschlafen»

Die VRSG sei bisher wenig innovativ gewesen, sagt HSG-Professor Kuno Schedler. Doch der staatliche Informatikriese, ­ der aus der Fusion mit Abraxas entsehen soll, müsse nicht träge sein - wenn er die richtige Struktur wählt.
Kaspar Enz
Mitarbeitende der Abraxas am St. Galler Hauptsitz: Das IT-Unternehmen will mit der VRSG fusionieren. (Bild: Urs Bucher)

Mitarbeitende der Abraxas am St. Galler Hauptsitz: Das IT-Unternehmen will mit der VRSG fusionieren. (Bild: Urs Bucher)

Kaspar Enz

kaspar.enz@ostschweiz-am-sonntag.ch

Aus der Fusion der Verwaltungsrechnungszentrum St. Gallen AG und der Abraxas AG soll ein Informatikunternehmen mit über 800 Mitarbeitern entstehen – im Besitz von Kantonen und Gemeinden. Was ein so grosser Staatsbetrieb zu beachten hat, weiss Kuno Schedler, Professor für Public Magement an der HSG.

Kuno Schedler, mit dieser Fusion entsteht ein Informatikriese in staatlichem Besitz. Ist das mit dem freien Markt vereinbar?

Die Entwicklung ist aus der Geschichte der beiden Unternehmen erklärbar. Sie erbringen vor allem Leistungen für ihre Eigentümer: Bei der VRSG sind es die Gemeinden. Abraxas arbeitet für die Kantone Zürich und St. Gallen. Es ist eigentlich ein ausgelagertes Amt für Informatik. So gesehen ist das in Ordnung.

Beide Unternehmen werden kritisiert, sie stünden dem Wettbewerb im Weg.

In Zürich wurde gefordert, der Kanton müsse die Aufträge, die er an Abraxas vergibt, ausschreiben. Im Kanton St. Gallen streiten Abacus und VRSG um eine Software, die die VRSG im Ausland beschafft hat. Ich denke, sie hätte den Auftrag für die Software ausschreiben müssen. Dass jetzt jede Gemeinde einzeln ausschreiben muss, ist ineffizient. Da hat die VRSG Kunden und Eigentümern einen Bärendienst erwiesen.

Unternehmen in Staatsbesitz, wie Spitäler und Bahnen, erfüllen meist Aufgaben des öffentlichen Dienstes. Ist Software ein öffentliches Gut?

Nein, das nicht. Würden Abraxas oder VRSG ihre Dienstleistungen im freien Markt anbieten, wäre es tatsächlich problematisch. Aber beide arbeiten vor allem für die Eigentümer. Es gibt auch Argumente dafür, dass solche Unternehmen staatlich bleiben sollten.

Welche wären das?

Oft geht es um heikle Daten, die sicher bleiben sollten. Das war auch ein Punkt in der Diskussion um Abraxas im Kanton Zürich: Darf die Polizei ihre Informatik an einen privaten Anbieter auslagern? Da galt Abraxas als Staatsbetrieb ver­trauenswürdiger.

Warum lässt man die Unternehmen nicht beim Staat?

Schlussendlich ist es eine politische Frage, ob eine Abraxas ein ausgegliedertes Unternehmen oder ein Amt für Informatik sein soll. Ich halte die jetzige Form für effizienter. So entsteht eher ein unternehmerischer Geist.

Wenn ein Staatsbetrieb auf dem Markt tätig wird, was gilt es zu beachten?

Wichtig ist, dass keine Quersubventionierungen möglich sind. Da gibt es auch einen ganz neuen Bundesgerichtsentscheid dazu. Aber die Abraxas ist grossmehrheitlich für die öffentliche Hand unterwegs.

Eine Aktiengesellschaft kann aber sehr selbstständig handeln. Ist die demokratische Kontrolle gewährleistet?

Es gibt eine Eigentümerstrategie für die Abraxas, abgesegnet von beiden Kantonen. Die sind auch im Verwaltungsrat vertreten. Da gibt es Kontrolle. Bei der VRSG sitzen Gemeindepräsidenten im Verwaltungsrat. Ob das die richtige Struktur ist, ist fraglich.

Warum?

Die VRSG ist meiner Meinung nach kein optimales Konstrukt. Die Rollen von Kunden und Eigentümern werden vermischt, was die Gemeinden zu sehr an die VRSG anbindet. Es war lange kein Hort der Innovation. Seit Peter Baumberger CEO ist, hat sich das verbessert, aber die VRSG hat viele Entwicklungen verschlafen.

Typisch Staatsbetrieb?

Tatsächlich sieht es so aus. Aber die Abraxas ist da deutlich dynamischer unterwegs.

Wie kann man sicherstellen, dass das so bleibt?

Die Zusammensetzung des Verwaltungsrats ist wichtig. Bei der VRSG waren es Politiker, bei Abraxas stand eher Fachwissen im Vordergrund. Das sollte auch bei der neuen Gesellschaft so sein.

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