Interview
«Das Leben ist dasselbe wie als junger Mensch, nur dass die Gelenke etwas mehr schmerzen»: Kreuzlinger veranstaltet Modeschauen in Altersheimen

Andreas Modrow besitzt das Modegeschäft Mode Service in Kreuzlingen. Er veranstaltet ausserdem regelmässig Modeschauen für ältere Menschen in Altersheimen. Für sie sei das eine willkommene Abwechslung.

Alain Rutishauser
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Andreas Modrow in seinem Modegeschäft in Kreuzlingen.

Andreas Modrow in seinem Modegeschäft in Kreuzlingen.

Bild: Andrea Stalder

Sie veranstalten Modeschauen in Alterszentren. Wie kommen diese bei den Bewohnern an?

Die älteren Menschen haben eine ungemeine Freude daran. Besonders jetzt während Corona gibt es sonst kaum Veranstaltungen. Da sorgt die Modeschau für Abwechslung und ein kleines Highlight. Ich bekomme viel positives Feedback.

Was schätzen die Bewohner am meisten an der Modeschau?

Der grosse Vorteil ist, sie müssen nicht mehr einkaufen gehen, müssen nicht mühsam mit Bus oder Auto herumreisen. Ich komme mit den Kleidern zu ihnen und sie können im Alterszentrum neue Kleider kaufen. Letztens hat mich eine Bewohnerin angerufen und für ihre Kollegin eine Jacke gekauft. Sie hat diese Jacke als Model an der Modeschau getragen und der Kollegin hat sie so sehr gefallen, dass sie die Jacke auch haben musste.

Wie läuft eine solche Modeschau ab?

Meine Mitarbeiterin und ich sind jeweils eine Stunde vor Beginn der Modeschau da und bauen unsere Dekoration und Kleiderstände auf. Dann kleiden wir die Teilnehmer ein. Das sind meistens Bewohnerinnen der Alterszentren, wir hatten aber auch schon Mitarbeiterinnen, die mitgemacht haben. In der Regel sind es etwa fünf Models, die jeweils zwei Mal über den Laufsteg gehen. Ich lasse dann Schlagermusik laufen und moderiere das Ganze mit dem Mikrofon.

Zwei Bewohnerinnen präsentieren ihre Mode vor den Bewohnern eines Alterszentrums.

Zwei Bewohnerinnen präsentieren ihre Mode vor den Bewohnern eines Alterszentrums.

Bild: PD

Wie lange veranstalten Sie denn schon Modeschauen?

Seit elf Jahren mache ich Modeschauen in Alterszentren in der gesamten deutschsprachigen Schweiz. Ich habe einen Stamm von etwa 30 Alterszentren. Teilweise habe ich in einem Alterszentrum schon 20 Modeschauen organisiert. Man kennt und freut sich, wenn man einander wiedersieht.

Und die Gespräche werden auch vertrauter, da werden schon mal Ängste und Sorgen angesprochen.

Während Corona wurden die meisten Veranstaltungen aber leider abgesagt. Nun sind sie nach und nach wieder möglich.

Sind die Models aufgeregt vor ihren Auftritten?

Klar. Sie laufen teilweise vor knapp 50 Zuschauern, die sie auch alle kennen. Da wollen sie es natürlich gut machen.

Manche gehen im Voraus zum Friseur und machen sich schick.

Viele aus dem Publikum sehen dann, wie viel Spass das macht, und wollen beim nächsten Mal auch mitmachen als Model.

Machen bei der Modeschau auch männliche Bewohner mit?

Etwa 80 Prozent der Models sind weiblich. Der Frauenanteil in den Alterszentren ist einfach höher. Und Männer sind generell etwas weniger interessiert an Mode. Viele werden «überschnorret» und machen dann etwas widerwillig mit. Aber natürlich gefällt auch ihnen, wenn die Menge klatscht und sie ein Lob bekommen. Ausserdem ist ein männliches Model der Hahn im Korb. Ich habe schon lustige Sachen miterlebt. Da gibt es durchaus immer noch Kämpfe um einen Mann. Auch wenn man das oft nicht denkt:

Das Leben ist grundsätzlich dasselbe wie als junger Mensch, nur dass die Gelenke etwas mehr schmerzen und das Gehen etwas schwerer fällt.