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INTEGRATION: Heimisch, aber unwillkommen

Mergim Ahmeti möchte Schweizer werden. Der Montlinger Einbürgerungsrat ist dagegen. Er sei im Dorf zu wenig integriert, lautet die Begründung.

Der 22-jährige Mergim Ahmeti, den die Kollegen Gimi nennen, kam in Altstätten zur Welt und ist in Montlingen aufgewachsen. Seine Eltern sind seit drei Jahrzehnten in der Schweiz, haben hier immer bescheiden gelebt und gearbeitet. Alle Kinder – beide Töchter und der Sohn – haben die kaufmännische Lehre gemacht. Mergim Ahmeti ist Spezialist Einkauf und besucht nebenbei die Fachhochschule, um diplomierter Betriebswirtschafter zu werden.

Der Entscheid des Montlinger Einbürgerungsrates lese sich wie der Bericht über einen Musterschüler, schreibt der «Beobachter». Über Mergim Ahmeti ist nirgendwo etwas Negatives vermerkt. Nicht einmal eine Verkehrsbusse könnte dem jungen Mann zur Last gelegt werden. Der vom Oberrieter Gemeindepräsidenten Rolf Huber präsidierte Einbürgerungsrat, der den 22-Jährigen aufgrund eines Gesprächs kennen gelernt hat, hält im abschlägigen Einbürgerungsentscheid fest: «Die Integration im Dorf ist schwach vorhanden.» Mergim Ahmeti bemühe sich zu wenig, sich voll und ganz im Dorf zu integrieren. «Beispielsweise», heisst es weiter, «kennt er die Restaurants in Montlingen nicht, obwohl er dort aufgewachsen ist. Diverse Restaurants liegen im Zentrum und befinden sich auf dem Schulweg.» Tatsächlich sei ihm beim Gespräch mit dem Einbürgerungsrat nur der «Hirschen» eingefallen, sagt der 22-Jährige, der sich gepflegt auszudrücken versteht. Er sei zwar in allen Restaurants schon gewesen, sogar schon im «Schwamm», sei aber jemand, der grundsätzlich kaum einkehre.

Befremdende Fragen im Gespräch

Mergim Ahmeti ist zielstrebig. Er weiss, was er will. Gute Ausbildung, guten Job, Kaderposition. Neben Arbeit, Sport und Lernen bleibt kaum Zeit für anderes, auch weil der Arbeitsort im Kanton Thurgau liegt. Irgendwo müsse er Abstriche machen, sagt der 22-Jährige, was Gemeindepräsident Rolf Huber mit einer Aussage quittiert haben soll, die Mergim Ahmeti befremdet. Nur zu arbeiten und nie in den Ausgang zu können – was denn das für eine Lebensqualität sei, soll Huber gefragt haben. Huber, damit konfrontiert, sieht gleich im Protokoll nach und verneint schliesslich, dass bei der Befragung eine solche Bemerkung gefallen sei. Während Lehrer Peter Vetsch sich schwer vorstellen kann, was der Einbürgerungsrat Bedeutsames zu beanstanden haben könnte, erwähnt Mergim Ahmeti, er habe bei der Befragung das Gefühl gehabt, der Einbürgerungsrat habe regelrecht nach Argumenten gegen ihn gesucht.

Was in Gesprächen mit Montlingern zweimal geäussert wird, ist die Möglichkeit der Doppelbürgerschaft. Würde Mergim Ahmeti eingebürgert, könnte er jene des Kosovos trotzdem behalten. Das stört manche, aber eine rechtliche Gegebenheit sei nicht dem Gesuchsteller anzulasten, bemerkt jemand. Mergim Ahmeti äussert sich im gleichen Sinn und sagt: «Müsste ich mich für eine der beiden Staatsbürgerschaften entscheiden, wäre es die Schweizer Bürgerschaft.» Für ihn ist dieses Land, in dem er aufgewachsen ist, die Heimat.

Gert Bruderer

ostschweiz@tagblatt.ch

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