Insasse der Strafanstalt Saxerriet wirft Wärter neben Alkohol- auch Drogenschmuggel vor – Direktor wehrt sich: «Die Anschuldigungen sind völlig haltlos»

Ein als Aufseher und Koch angestellter Wärter der Strafanstalt Saxerriet soll während mehrerer Monate Alkohol für Insassen geschmuggelt haben. Auch illegale Rauschmittel und Mobiltelefone soll er angeblich an den Mann gebracht haben. Der Gefängnisdirektor Martin Vinzens dementiert die Vorfälle.

Miguel Lo Bartolo
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Ein Insasse im offenen Strafvollzug Saxerriet wirft einem ehemaligen Gefängniswärter vor, Sträflinge mit illegalen Rauschmitteln und Mobiltelefonen versorgt zu haben.

Ein Insasse im offenen Strafvollzug Saxerriet wirft einem ehemaligen Gefängniswärter vor, Sträflinge mit illegalen Rauschmitteln und Mobiltelefonen versorgt zu haben.

Bild: Urs Bucher

Die Vorgeschichte ist alt. Neu sind nur die Anschuldigungen eines anonymen Insassen aus der Strafanstalt Saxerriet. Er äusserte sich gegenüber «20 Minuten» zu den Machenschaften eines ehemaligen Gefängniswärters. David E. – so das Pseudonym, das die Pendlerzeitung für den einstigen Aufseher und Koch verwendet – soll demnach nebst Alkohol auch härtere Rauschmittel und Mobiltelefone an Insassen vertrieben haben. Die Rede ist unter anderem von Cannabis, Kokain und Heroin.

Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, dementiert auf Anfrage die Gerüchte:

«Diese Anschuldigungen gehören ins ‹Märchenland›. Sie sind völlig haltlos.»

Dass es in seiner Strafanstalt immer wieder gelinge, Rauschmittel in Umlauf zu bringen, räumt Vinzens ein. Das sei allerdings gerade im offenen Strafvollzug nicht lückenlos zu verhindern, ohne dass dessen Existenz grundsätzlich hinterfragt werden müsste (siehe Kasten).

Offener Vollzug

(mlb) Im offenen Vollzug setzt man auf die Selbstdisziplin der Insassen. Das Ziel des Gesetzgebers ist deren Resozialisierung. Der Gegensatz zum geschlossenen Vollzug besteht in erster Linie im geringeren Sicherheitsgrad. Den Sträflingen wird also bewusst die Möglichkeit gegeben, einen realitätsnahen Bezug zur Aussenwelt aufrechtzuerhalten. Das zeigt sich unter anderem durch das Fehlen der für den geschlossenen Strafvollzug typischen Mauern oder detektierten Sicherheitszäune.

Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, betont, dass auch im offenen Vollzug durchaus regelmässige Sicherheitskontrollen durchgeführt werden. Um den Schmuggel gänzlich zu verhindern, müssten die Massnahmen indes derart verschärft werden, dass es keinen Sinn mehr machen würde, zwischen offenem und geschlossenem Strafvollzug zu unterscheiden.

Direktor ist über das Vorgehen des einstigen Aufsehers erzürnt

In Vinzens' 22 Jahren als Direktor der Strafanstalt Saxerriet sei David E. der erste Mitarbeiter gewesen, den er wegen Derartigem habe sanktionieren müssen. Dass sich ein solcher Fall in der Vergangenheit ohne seine Kenntnis zugetragen haben könnte, bezweifelt er:

Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, Sennwald.

Martin Vinzens, Direktor der Strafanstalt Saxerriet, Sennwald.

Bild: PD
«Hier sprechen sich die Dinge schnell herum. Das hätte ich schon mitgekriegt.»

Der Direktor nimmt David E. zwar insofern in Schutz, als er ihm nicht mehr als den «blossen» Alkoholschmuggel unterstellt. Das Vorgehen des einstigen Aufsehers erzürnt ihn dennoch. «Mit einem professionellen Beziehungsaufbau zu den Insassen hat das nichts zu tun», sagt Vinzens. Es sei ärgerlich und bedauerlich, dass der Tunichtgut aus den eigenen Reihen komme.

Zu den personalrechtlichen Konsequenzen für David E. kann Vinzens aufgrund des Persönlichkeitsschutzes keine detaillierten Angaben machen. Er könne nur so viel sagen:

«Der Mann arbeitet aktuell nicht mehr in der Strafanstalt Saxerriet.»

Über das Motiv des Insassen lässt sich nur mutmassen

Warum aber geht der anonyme Insasse mit den Vorwürfen gegen David E. noch weiter? Inwiefern profitiert er von seinen mutmasslichen Falschaussagen?

Vinzens stellt diesbezüglich verschiedene Vermutungen an. Einerseits könnten die Anschuldigungen etwa durch persönlichen Frust begründet werden. «Ich weiss zwar nicht, wer diese Aussagen gegenüber ‹20 Minuten› gemacht hat», so Vinzens. Aber möglicherweise habe man ihm in der Vergangenheit einen Wunsch verwehrt. «Vielleicht haben wir eines seiner Gesuche abgelehnt.» Der Insasse würde sich in diesem Fall durch seine Denunziation wohl so etwas wie Genugtuung erhoffen. Andererseits gebe es laut Vinzens auch Sträflinge, welche die Institution ohne erkennbares Motiv «in die Pfanne hauen» wollten.