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INNERRHODEN: Gehörlose im Ring

An der Landsgemeinde vom Sonntag gibt es eine Premiere: Die Diskussionen und Abstimmungen werden von Dolmetschern in Gebärdensprache übersetzt.
An der Landsgemeinde sollen Hörende und Gehörlose die gleichen Voraussetzungen vorfinden. (Bild: Thomas Delley/KEY (Appenzell, 30. April 2017))

An der Landsgemeinde sollen Hörende und Gehörlose die gleichen Voraussetzungen vorfinden. (Bild: Thomas Delley/KEY (Appenzell, 30. April 2017))

An der Innerrhoder Landsgemeinde in Appenzell werden erstmals die Diskussionen und Abstimmungen durch Dolmetscher live in Gebärdensprache übersetzt. Rund ein Dutzend Teilnehmende profitieren davon.

Der kommende Sonntag werde ein «historischer Tag für die gehörlosen Bürgerinnen und Bürger des Kantons Appenzell Innerrhoden», zeigte sich der Schweizerische Gehörlosenbund gestern in einer Mitteilung erfreut. Die Organisation setze sich seit Jahren für einen besseren Zugang der Gehörlosen zu politischen Informationen ein.

Auf Anfrage eines gehörlosen Paares willigte die Innerrhoder Regierung ein, für die Landsgemeinde vom 29. April versuchsweise eine Gebärdensprachen-Dolmetscherin und einen Dolmetscher zu engagieren. Rund ein Dutzend hörbehinderte Teilnehmerinnen und Teilnehmer können so die Landsgemeinde besser verstehen.

Direktere Teilnahme ermöglichen

Die hörbehinderten Teilnehmer werden im Ring zentral bei einem der kleinen «Stühle» platziert. Dort stehen auch die Dolmetscherin und der Dolmetscher, um die Debatten und Abstimmungen zu übersetzen. Laut Ratsschreiber Markus Dörig ist der Aufwand dafür «absolut tragbar», vor allem, wenn dadurch Gehörlose ihr Recht auf Teilnahme an der Landsgemeinde besser wahrnehmen könnten. Eine Übersetzung in Gebärdensprache auch für das Publikum wurde laut Dörig erwogen. Dazu bräuchte es aber grössere Installationen mit Video und Bildschirmen, was zu aufwendig wäre. Falls sich der Pilot mit den beiden Dolmetschern bewährt, dürften auch künftige Landsgemeinden in Appenzell für Gehörlose übersetzt werden.

Gehörlose von Debatten im Parlament ausgeschlossen

Beim Gehörlosenverband hofft man, dass weitere Kantone und Gemeinden dem Beispiel Innerrhodens folgen, um die demokratischen Abläufe für gehörlose Bürgerinnen und Bürger zugänglich zu machen. So seien Hörbehinderte heute etwa von öffentlichen Debatten im Parlament ausgeschlossen, weil diese weder in Gebärdensprache übersetzt noch untertitelt würden, schreibt der Gehörlosenverband.

Im Gegensatz zu Innerrhoden wird die Landsgemeinde in Glarus vom 6. Mai nicht in Gebärdensprache übersetzt. Die beiden Kantone sind die einzigen, die noch kantonale Landsgemeinden kennen. Obwalden, Nidwalden und Appenzell Ausserrhoden haben ihre Landsgemeinden Ende der 1990-er Jahre abgeschafft. (sda)

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