«Es wird enorm Druck auf uns ausgeübt»: Das sagen die Kämpfer für das Spital Wattwil – springt der interessierte Investor ab, wenn die Kritiker nicht klein beigeben?

Ein prominent besetztes Komitee kämpft gegen die Schliessung des Spitals Wattwil. Die Initianten stehen unter Druck, die Zeit drängt und das Toggenburg ist gespalten. Ob sie ihr Anliegen überhaupt lancieren, ist derzeit völlig offen.

Regula Weik
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Kritiker der Spitalschliessung in Wattwil demonstrieren während der Septembersession des Kantonsparlaments für ihr Anliegen.

Kritiker der Spitalschliessung in Wattwil demonstrieren während der Septembersession des Kantonsparlaments für ihr Anliegen.

Bild: Ruben Schönenberger

«Wenn ihr nicht wisst, was ihr wollt, dann habt ihr am Ende nichts.» Uwe Hauswirth, Präsident des Toggenburger Ärztevereins und Sprecher des Komitees, kennt diese Aussage. Er hört sie immer wieder. Von Politikern. Von Behördenmitgliedern. Von Bürgern. Erst recht, seit sich das private Pflegeunternehmen Solviva auch für Flawil interessiert. Und dort auf offene Türen stösst. Anders als im Toggenburg, wo eine Gruppe besorgter Bürgerinnen und Bürger für den Erhalt des Spitals kämpft, «weil sonst ein medizinischer Versorgungsnotstand im Tal droht».

Uwe Hauswirth, Präsident des Toggenburger Ärztevereins und Sprecher des Initiativkomitees.

Uwe Hauswirth, Präsident des Toggenburger Ärztevereins und Sprecher des Initiativkomitees.

Bild: PD

Erhöht die Situation in Flawil den Druck auf die Kritiker in Wattwil? «Der Ton hat sich verschärft», sagt Hauswirth. Die Regierung und die Verantwortlichen der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg übten «enormen Druck» auf die niedergelassenen Ärzte aus. «Sie haben Angst, der Investor könnte ihnen abspringen.»

Darauf angesprochen antwortet René Fiechter, CEO der Spitalregion Fürstenland-Toggenburg:

«Die Engagements der Solviva AG in Flawil und Wattwil sind unseres Wissens unabhängig voneinander.»

Flawil zeige aber, dass das Modell eines Gesundheits- und Notfallzentrums in Verbindung mit einer Partnerschaft mit Solviva dort als Chance wahrgenommen werde. «Das wäre es definitiv auch für Wattwil.»

Ihre Vorhaben in Flawil und Wattwil würden sich ergänzen, nicht konkurrenzieren, hatte Willy Gyger, der kürzlich verstorbene Gründer und Verwaltungsratspräsident des Familienunternehmens, im Sommer gegenüber dieser Zeitung festgehalten. Die Solviva AG interessiert sich schon länger für Wattwil. Sie will dort ein Kompetenzzentrum für hochspezialisierte Pflege schaffen. Die Rede ist von Langzeitpflege für Tetraplegiker. Die Regierung unterstützt die Pläne des Unternehmens.

Investor will Unterstützung der Bevölkerung

René Fiechter, CEO Spitalregion Fürstenland-Toggenburg.

René Fiechter, CEO Spitalregion Fürstenland-Toggenburg.


Bild: Benjamin Manser

Wie hoch schätzt Fiechter das Risiko ein, dass Solviva in Wattwil abspringt? «Solviva hat sich in den vielen bisher geführten Gesprächen als sehr ernsthafter und verlässlicher Partner erwiesen.» Gleichzeitig hätten die Verantwortlichen aber auch klar zum Ausdruck gebracht, dass für sie «die Akzeptanz, die Unterstützung der Bevölkerung und der politischen Gremien eine zentrale Voraussetzung für ein Engagement ist».

Solviva hat nie ein Geheimnis daraus gemacht, dass das Unternehmen an einem ganzen oder teilweisen Kauf der Spitalgebäude interessiert ist. Dieser Verkauf soll bis Ende Jahr über die Bühne gehen, sagt Hauswirth. Eine Nachfrage beim Gesundheitsdepartement zeichnet ein anderes Bild: «Ein Verkauf kann erst nach der Volksabstimmung erfolgen, also sicher erst 2021, eventuell sogar erst 2022.» Ziel der Regierung ist, die Gesundheitsversorgung in Wattwil Ende 2023 neu aufgestellt zu haben.

Das Tal ist gespalten

Wann die Initiative «Medizinische Grundversorgung auch für die Landbevölkerung» lanciert wird, ist derzeit völlig offen. Hauswirth sagt:

«Es ist schwierig, wenn selbst
das Tal gespalten ist.»

Dies hatte auch die Debatte im Kantonsparlament gezeigt. Längst nicht alle Kantonsräte aus dem Toggenburg hatten sich hinter ihr Landspital gestellt. Zudem soll Wil vertieft geprüft werden und Walenstadt verfolgt die Idee einer Kooperation mit Graubünden und Glarus. Beide Entscheide haben der Initiative Wind aus den Segeln genommen. Gut möglich, dass sie stirbt – wie das Spital Wattwil.

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