Ingenieurskunst in Schwarzweiss

ST.GALLEN. Der Ingenieur Jürg Conzett hat an der Biennale 2010 in Venedig mit Bildern und Modellen von Schweizer Kunstbauten Aufsehen erregt. Nun ist die Ausstellung, auf die Ostschweiz zugeschnitten, im Kraftwerk Kubel im Sittertobel zu sehen.

Adrian Vögele
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Ein Bogen zwischen Technik und Kunst: Ingenieur Jürg Conzett in seiner Kunstbauten-Ausstellung mit Fotos von Martin Linsi. (Bild: Urs Jaudas)

Ein Bogen zwischen Technik und Kunst: Ingenieur Jürg Conzett in seiner Kunstbauten-Ausstellung mit Fotos von Martin Linsi. (Bild: Urs Jaudas)

Brücken sind sein Thema. Das merkt sofort, wer Jürg Conzetts Ausstellung im St. Galler Kraftwerk Kubel betritt. Auf 400 Quadratmetern sind unzählige Schwarzweissfotos im Grossformat zu sehen, die Bauwerke verschiedener Art zeigen, vor allem aber: Bahnviadukte, Strassenbrücken, Flussübergänge. «Kunstbauten – Eisenbeton – Landschaften: Ein persönliches Inventar von Jürg Conzett, fotografiert von Martin Linsi», so lautet der Titel des Projekts.

Mit der Sammlung schlägt Conzett einen Bogen zwischen Technik und Kunst. Er ist Ingenieur und ein Mann aus der Praxis, was die 20 Brückenmodelle aus seinem Churer Ingenieurbüro beweisen, die ebenfalls in der Ausstellung zu sehen sind. Doch Conzett ist besonders fasziniert von Bauten, die nicht nur eine Funktion erfüllen, sondern in einem besonderen Bezug zur Landschaft stehen und oft eine kulturhistorische Bedeutung haben.

Sitterbrücken fotografiert

Für jemanden mit solchen Interessen ist das wilde Sittertobel mit seinen gewaltigen, ehrwürdigen Viadukten als Studienobjekt prädestiniert. Es verwundert deshalb nicht, dass Jürg Conzetts Projekt für eine Kunstbauten-Ausstellung, die er für die Biennale 2010 in Venedig konzipierte, hier seinen Anfang nahm.

Dass die Ausstellung jetzt, zwei Jahre später, quasi an ihren Ursprungsort zurückkehrt – ergänzt um weitere Bilder mit Bauten aus der Ostschweiz –, ist dem St. Galler Stadtplanungsamt zu verdanken. «Wir waren begeistert von Jürg Conzetts Projekt an der Biennale und wollten dieses unbedingt nach St. Gallen holen», sagt Amtsleiterin Helen Bisang.

«Ein Glücksfall»

Pionierbauten wie die Sitterbrücken wirkten identitätsstiftend für den Raum St. Gallen und die ganze Ostschweiz, sagt Bisang. Das Vorhaben wird denn auch politisch unterstützt; der Kanton St. Gallen etwa hilft über den Lotteriefonds bei der Finanzierung. «Wir wollen mit der Ausstellung nicht nur Fachpublikum, sondern die breite Öffentlichkeit ansprechen», sagt Bisang.

Dass es – mit einigem Aufwand – gelungen ist, das Projekt im historischen Bau des Kraftwerks Kubel zu realisieren, bezeichnen die Verantwortlichen als Glücksfall. «Der Ort ist für die Ausstellung genau der richtige», freut sich Jürg Conzett. Eines der Sujets, die bereits an der Biennale zu sehen waren, das SOB-Sitterviadukt, erstreckt sich direkt über das Kraftwerk.

Planung und Zufall

Selbst wer die Ostschweiz gut kennt, erlebt beim Rundgang durch die Ausstellung Überraschendes: Nebst den grossen, unübersehbaren Kunstbauten zeigt sie auch wenig bekannte Objekte aus der Region. «Das Inventar ist entstanden aus einer Mischung von geplanten Aufnahmen, Entdeckungsreisen und Zufällen», sagt Conzett.

Die Ausstellung öffnet ihre Tore am kommenden Samstag um 16 Uhr und ist bis 20. Oktober zu sehen. Begleitet wird sie von diversen Veranstaltungen, etwa einer Filmreihe im Kinok in St. Gallen zum Thema Brücken.

Öffnungszeiten ab nächster Woche: Do, Fr, Sa 12-17 Uhr, So 10-17 Uhr. Weitere Informationen unter www.kubel.ch