Indizien sprechen gegen Angeklagten

Das Kreisgericht St. Gallen hat die Verhandlung gegen einen Mann weitergeführt, der mehrere brutale Raubüberfälle begangen haben soll.

Claudia Schmid
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Die Anklage beantragte im Prozess eine lange Liste an Schuldsprüchen. Dazu gehörten versuchte vorsätzliche Tötung, Raub, fahrlässige schwere Körperverletzung, Gefährdung des Lebens, Freiheitsberaubung und viele mehr. Die Staatsanwältin sah es als erwiesen an, dass er auch all jene Straftaten begangen hat, die er am Tag zuvor vor dem Kreisgericht St. Gallen bestritten hatte (Ausgabe von gestern).

Aufgrund seiner Tätigkeit als Türsteher habe er die Örtlichkeiten im Hotel Uzwil gekannt, erklärte die Staatsanwältin zum Raubüberfall vom Juni 2013. Videoaufnahmen zeigten zwei Täter. Der eine trage gleiche Schuhe, wie auch der Beschuldigte besitze. Zu den Überfällen auf die Tankstellenshops verwies sie auf die Postur, die mit derjenigen des Beschuldigten übereinstimme. Auch habe er sich vor der Tat im Internet für eine Waffe interessiert, wie sie beim Überfall verwendet worden sei.

Der Angeklagte hat kein Alibi

Laut der Staatsanwältin hat man die Waffe, aus der beim Raubüberfall auf die McDonald's-Filiale in Abtwil geschossen worden ist, später im Wagen gefunden, der dem Beschuldigten von seiner Grossmutter zur Verfügung gestellt worden ist. Bei diesem Überfall wurde der Schichtleiter angeschossen. Für alle Tatzeiten habe der Beschuldigte kein Alibi. Als auffällig bezeichnete die Staatsanwältin auch, dass jeweils während der Tatzeiten sein Handy ausgeschaltet gewesen ist und vor und nach den Überfällen alle SMS gelöscht worden sind.

Für eine Verurteilung reiche es nicht aus, von einer Wahrscheinlichkeit auszugehen, erklärte der Verteidiger. Die Schuld müsse bewiesen sein. Sei dies nicht der Fall, müsse im Zweifel für den Angeklagten entschieden werden. Sein Mandant habe zwar den Überfall auf den Erotiksalon in St. Gallen zugegeben, doch müsse in diesem Fall der Vorwurf der Körperverletzung hinterfragt werden. Der Beschuldigte habe nicht mitbekommen, dass eine der Frauen aus Panik aus dem Fenster gesprungen und sich dabei schwer verletzt habe. Beim Fluchtversuch mit dem Auto gebe es keine Beweise, dass er tatsächlich dem Polizisten über den Fuss gefahren sei. Eine unmittelbare Gefährdung des Lebens habe nicht bestanden.

Zu den Raubüberfällen betonte der Verteidiger, die Anklage gehe davon aus, dass alle Straftaten vom gleichen Täter begangen worden seien. Weder dies sei bewiesen, noch dass sie überhaupt seinem Mandanten angelastet werden könnten. Ausserdem habe die Staatsanwältin neue Beweismittel wie 3D-Vergleiche eingesetzt. Bei diesen brauche es besondere Kenntnisse, weshalb ein sachverständiges Gutachten nötig gewesen wäre. Der Verteidiger beantragte mehrere Freisprüche.