In freier Wildbahn ausgestorben: Walter-Zoo freut sich über zweifachen Löwen-Nachwuchs

Seit knapp zwei Jahren leben im Walter-Zoo drei seltene Berberlöwen. Löwin Lin hat nun zwei gesunde Jungtiere zur Welt gebracht. Die Geburt war bereits am 29. April.

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(pd/chs) Der erste Wurf bei einem Tier ist immer mit einem gewissen Risiko behaftet. «Die ersten Stunden nach der Geburt sind die kritischsten», sagt Karin Federer, Direktorin des Walter-Zoo. «Man weiss nicht, ob die Mutter die Jungen akzeptiert.» Auch die ersten 10 bis 14 Lebenstage eines Jungtieres sind noch heikel: Bekommt das Tierbaby genug Milch? Fängt es sich einen Infekt ein? Wird es akzeptiert vom Rudel? «Wir sind umso dankbarer, dass bis jetzt bei den Löwenbabys alles gut gegangen ist», sagt die Tierärztin – abgesehen von einem Vorfall mit dem Löwenvater, der aber glimpflich ausgegangen ist.

Zwei Weibchen und ein Männchen

Seit August 2018 sind im Walter-Zoo wieder Löwen anzutreffen: die beiden Löwinnen Lin und Jumina sowie das Männchen Atlas. Wie der Walter-Zoo in einer Mitteilung schreibt, haben sich die drei nach anfänglichen, löwenüblichen Streitereien aneinander gewöhnt. So gut sogar, dass schon nach kurzer Zeit erste Paarungsversuche beobachtet werden konnten. Wenig später hat der wachsende Bauch der Löwin Lin für Spekulationen gesorgt.

Dass die Paarungsversuche erfolgreich gewesen waren, konnten Mitarbeitende des Walter-Zoos am 29. April über die Überwachungskameras live miterleben. «Da es bereits am Eindunkeln war, konnte die Geburt zwar nur schattenhaft miterlebt werden. Aber am nächsten Morgen waren dann zwei Jungtiere in einer der bereitgestellten Wurfboxen zu bewundern», lässt der Walter-Zoo freudig verkünden. Karin Federer sagt:

«Wir haben gewusst, dass alles gut gegangen ist, als wir sahen, wie die Löwenmutter die Babys abschleckte nach der Geburt.»

Vater verletzt Junges mit Eckzähnen

Die beiden Jungtiere befinden sich mit ihrer Mutter in der Löweninnenanlage. Die Schwester von Lin, Jumina, durfte bereits nach wenigen Stunden zu den Neuankömmlingen. «Jumina ist die Rangniedere der beiden. Sie hat einen spielerischen Umgang mit den Löwenbabys», so Federer. Auch der Vater Atlas konnte seinen Nachwuchs begutachten. «Beim ersten Aufeinandertreffen wirkte er noch etwas unsicher, worauf die Pfleger die Tiere wieder trennten.» Einige Tage später habe ein zweiter Versuch stattgefunden. Dabei habe Atlas jedoch eines der beiden Jungtiere mit seinen grossen Eckzähnen verletzt – wohl aber eher unabsichtlich.

«Er hat eines der Tiere in den Mund genommen, das war schon etwas ein brenzliger Moment.»

Daraufhin sei er wieder von der Gruppe separiert und das Löwenbaby untersucht und die Wunden versorgt worden. «Die Zusammenführung des Rudels birgt ein gewisses Restrisiko, das ist in der Natur auch so», sagt Karin Federer.

Verletztes Löwenbaby wieder wohlauf

Das verletzte Baby sei inzwischen aber wieder wohlauf und erkunde zusammen mit seinem Geschwisterchen die Innenanlage. Atlas werde derzeit noch immer getrennt gehalten und dürfe sich täglich für ein paar Stunden mit Lin und Jumina in der Aussenanlage treffen. «Sobald die kleinen Löwen etwas älter sind, bekommt er eine dritte Chance, seinen Nachwuchs von nahem zu begutachten.»

Geschlecht noch unklar

Man wisse bis jetzt noch nicht, welches Geschlecht die beiden Jungtiere haben. «Zwei Tierärzte haben die Jungen untersucht, aber wir haben es nicht feststellen können», so Federer. Auch bei den jungen Tigern habe man erst im Alter von acht Wochen das Geschlecht erkennen können.

Weltweit werden in etwa 30 Zoos Berberlöwen gehalten und es sei ein Zuchtbuch im Aufbau. «Die Auswilderung des in der freien Wildbahn ausgestorbenen Tieres ist aber noch weit weg. Zuerst muss der Lebensraum des Berberlöwen gesichert werden», so Federer.

Berberlöwen: In freier Wildbahn ausgestorben

Jumina und Lin sind Geschwister im Alter von drei Jahren und kamen aus dem Zoo Neuwied (DE). Atlas ist fünf Jahre alt und kam aus dem Zoo in Paris. An den Walter-Zoo vermittelt wurden sie durch das zuständige Zuchtbuch, eine Stelle welche die Zucht der Berberlöwen international koordiniert. Durch die Zucht soll die Population dieser sehr seltenen Löwen wieder gestärkt werden. Diese Art ist in freier Wildbahn nämlich ausgestorben. In weltweit 30 Zoos leben heute Berberlöwen. Die Tragezeit von Löwen beträgt rund 110 Tage. (pd)

Die Löwen können aufgrund der Coronavirusmassnahmen nicht besucht werden, da der Walter-Zoo noch bis am 8. Juni geschlossen ist. Dafür können die Tiere auf der Webseite der St.Galler Kantonalbank auf www.sgkb.ch/löwen live miterlebt werden.