In Dimensionen denken

ST.GALLEN. Braucht St.Gallen einen Metropolitanraum? Und warum will sich der Thurgau lieber Zürich zuwenden? Diesen Fragen widmete sich der Verein Wirtschaft Region St.Gallen.

Claudia Schmid
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Die Region St. Gallen ist dafür, der Thurgau dagegen: Metropolitanräume sind heute wirtschaftliche Motoren. (Bild: Urs Jaudas)

Die Region St. Gallen ist dafür, der Thurgau dagegen: Metropolitanräume sind heute wirtschaftliche Motoren. (Bild: Urs Jaudas)

Metropolitanräume sind Zusammenschlüsse von Agglomerationen. Sie werden als Motoren der sozialen, gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Entwicklung eines Landes angesehen. «Zurzeit sind in der Schweiz Zürich, Genf-Lausanne und Bern unbestrittene Metropolitanräume. Weiter haben sich die Hauptstadtregion Bern und das Tessin diesen Status erkämpft», erklärte Rolf Geiger, Geschäftsführer der Region Appenzell AR/St. Gallen-Bodensee. Er hielt vor der Wirtschaft Region St. Gallen WISG ein einführendes Referat zum Thema.

Zur Planungsgrösse geworden

Metropolitanräume seien zur zentralen Planungsgrösse für den Staat geworden, wie beispielsweise für den nächsten Schritt der Bahninfrastruktur. Auch die Wirtschaft richte ihre Investitionen oft auf sie aus. Dagegen werde die Eigenständigkeit und Potenz der Ostschweiz oft verkannt.

Der Thurgauer Regierungsrat Kaspar Schläpfer erklärte, weshalb sein Kanton zurzeit nicht gewillt ist, bei der Erkämpfung eines Metropolitanraumes St. Gallen mitzuwirken. Die Zusammenarbeit zwischen St. Gallen und Thurgau funktioniere auf den verschiedensten Ebenen sehr gut. Seines Erachtens sei es jedoch eine Tatsache, dass die Region St. Gallen aus Sicht der statistischen Definition keinen Metropolitanraum darstelle. «Zürich ist unbestritten einer, der nächste im Osten aber ist dann wohl erst München.» Das Nein des Thurgaus beinhalte auch die Befürchtung vor einer Spaltung des Kantons. Der Einfluss von Zürich auf einen grossen Teil des Kantonsgebiets sei Realität.

Von Investitionen profitieren

Eine Podiumsdiskussion unter der Leitung von WISG-Präsident David Ganz vertiefte das Thema. Neben Kaspar Schläpfer diskutierten die drei Nationalratskandidaten Isabel Schorer (FDP, St. Gallen), Walter Locher (FDP, St. Gallen) und Nicolo Paganini (CVP, St. Gallen).

Der Thurgauer Regierungsrat stellte die Schlagkraft einer neuen Organisation in Frage. «Machen wir uns keine Illusion. Nur mit einer neuen Geschäftsstelle samt Sekretariat ist nichts gewonnen. Inhalte sind gefragt.» Vielmehr gelte es, die bereits bestehende Zusammenarbeit zu intensivieren.

Die drei Kandidierenden für den Nationalrat sprachen sich deutlich für die Idee eines Metropolitanraumes St. Gallen aus. Es sei zwingend notwendig, sich für die Region Bodensee einzusetzen, betonte Walter Locher. Die Ostschweizer Kantone seien viel zu obrigkeitsgläubig. Isabel Schorer beklagte, dass viel zu oft das Wenn und Aber diskutiert werde statt endlich zu handeln. Sie äusserte die Befürchtung, dass so der «Kelch» der Investitionen an der Ostschweiz vorbeigehe.

Es gebe genügend Inhalte, um in Bern vorstellig zu werden und einen Metropolitanraum St. Gallen zu fordern, zeigte sich Nicolo Paganini überzeugt. Wichtig sei es, mit vereinten Kräften den Handlungsbedarf zu definieren und aufzulisten.