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Interview

«In diesem Alter kommt alles auf den Tisch»: Expertin über Depression im Jugendalter

Notfälle im Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienst St.Gallen haben in den vergangenen Jahren stark zugenommen. Suzanne Erb, Direktorin des Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienstes St.Gallen über die Alarmzeichen suizidaler Krisen.
Nina Rudnicki
Suzanne Erb, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. (Bild:PD)

Suzanne Erb, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie. (Bild:PD)

Von wie vielen Suizidfällen bei Kindern und Jugendlichen gehen Sie schweizweit aus?

Suzanne Erb: Zuerst möchte ich betonen, dass die Datenlage bei Minderjährigen unvollständig ist. Auch muss unterschieden werden zwischen Kindern und Jugendlichen unter und über 14 Jahren sowie zwischen Mädchen und Buben. Bei den jüngeren Kindern begehen jährlich bis sieben Kinder pro eine Million Einwohner Suizid. Bei den Älteren sind es 20 bis 50 Jugendliche pro eine Million Einwohner. Es gibt allerdings eine grosse Dunkelziffer, wie viele Kinder und Jugendliche einen Suizidversuch begehen. Man darf nie vergessen: Jeder Suizid ist einer zu viel.

Wie sieht die Situation in St.Gallen aus?

Wir stellen in St.Gallen zwei Entwicklungen fest. Einerseits sind vollendete Suizide in der Gesamtbevölkerung ganz leicht rückläufig. Andererseits haben die Notfälle bei Kindern und Jugendlichen bei uns im Kinder und Jugendpsychiatrischen Dienst in den vergangenen 10 bis 15 Jahren massiv zugenommen. Pro Jahr zählen wir aktuell rund 500 Notfälle und Krisen. Ein Notfall ist beispielsweise, wenn ein Kind oder Jugendlicher Suizidgedanken geäussert oder suizidal gehandelt hat.

Weshalb sind Kinder und Jugendliche besonders gefährdet?

Sie befinden sich in einer Lebensphase, in der sie enormen Belastungen ausgesetzt sind. In diesem Alter kommen alle Aspekte der Identität auf den Tisch: Die Jugendlichen sind in Schule und Beruf gefordert, ihr Körper verändert sich, sie müssen sich bei Gleichaltrigen positionieren und zugleich einen Platz in der Gesellschaft finden. Kommt zusätzlich die Trennung der Eltern, ein Verlust oder ein grosser Misserfolg hinzu, kann das Auslöser einer Krise sein.

Sie erwähnten, dass diesbezüglich zwischen Mädchen und Buben unterschieden werden muss.

Genau. Tendenziell ist es so, dass Buben nach aussen agieren und etwa aggressiv werden. Mädchen verschliessen sich hingegen eher. Sie berichten auch öfters über suizidale Gedanken. Zudem gibt es bei den Mädchen mehr Suizidversuche als bei den Buben. Allerdings sterben mehr Buben durch Suizid als Mädchen. Eine Vermutung ist, dass Buben entschlossener vorgehen.

Wie können Eltern und Lehrpersonen helfen?

Es gibt Alarmzeichen. Eine Jugendliche oder ein Jugendlicher zieht sich etwa immer stärker zurück, ist dauerhaft gereizt, verletzt sich selbst, verhält sich etwa beim Autofahren oder Sport riskant oder die schulische Leistung lässt nach. Eltern und Lehrpersonen können die Jugendlichen in solchen Situationen ansprechen. Vor allem müssen sie sie ernst nehmen. Ein solches Verhalten kann Ausdruck einer inneren Not sein. Wird zudem ein Sterbewunsch angedeutet, muss sofort eine Fachperson beigezogen werden.

Hinweis
«Wie geht’s dir? – Schwierige Lebenssituationen meistern», heute, 17 Uhr, Kanti am Burggraben, St.Gallen.

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