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In der Ostschweiz beissen Zecken immer öfter zu

Die Zeckensaison ist in vollem Gange: Die Temperaturen steigen und die Menschen verbringen mehr Zeit im Freien. Das sind ideale Bedingungen für die Zecken.
Nancy Neuhauser
Ein Gemeiner Holzbock. (AP Photo/Baxter)

Ein Gemeiner Holzbock. (AP Photo/Baxter)

377 Personen infizierten sich 2018 mit Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME). Das sind so viele wie nie zuvor. Auch die Borrelioseinfektionen erreichten Rekordhöhe, rund 4500 Personen erkrankten allein im Monat Juni daran. Beide Krankheiten werden von Zecken übertragen. Daraufhin hat das Bundesamt für Gesundheit (BAG) das Risikogebiet für Zecken auf die ganze Schweiz ausgedehnt, mit Ausnahme der Kantone Tessin und Genf. Die höhere Zahl von Infekten ist auf mehr Zeckenbisse zurückzuführen. «Dafür ist nicht zwingend eine grössere Zeckenpopulation verantwortlich», erklärt Werner Tischhauser, Zeckenforscher an der Zürcher Hochschule für Angewandte Wissenschaften (ZHAW).

Mancherorts bis zur Waldgrenze

Die durchschnittlichen Temperaturen seien angestiegen, somit erstrecke sich die Aktivität von Zecken über einen längeren Zeitraum, sagt Tischhauser. Witterungsbedingt hielten sich die Menschen mehr im Freien auf und Outdoor-Aktivitäten seien wieder im Trend. Ausserdem führe der Temperaturanstieg dazu, dass sich die Blutsauger nun auch in höheren Lagen aufhalten. Früher lag der Höhengrenzwert des Zeckenvorkommens offiziell bei 1500 Metern. «Wenn heute die Temperatur und die Witterung stimmen und es genügend Tiere gibt, kommen Zecken bis zur Waldgrenze vor», sagt der Zeckenforscher. Dabei gebe es aber massive Unterschiede, da die Bedingungen je nach Gebiet verschieden seien.

Wanderer lesen die Zecken vor allem bei Aktivitäten im Wald auf. Ein guter Schutz sind lange Hosen und geschlossene Schuhe. Am besten ist laut Tischauser geschützt, wer die Socken noch über die Hosen zieht. Die Zecke finde dann keinen Eingang und lasse sich abschütteln. «Weil es aber seltsam aussieht, macht es fast niemand», sagt er weiter. Ohnehin lege die Zecke keinen Spurt hin, um auf den Wanderer aufzuspringen. «Man muss schon zur Zecke hingehen», sagt er weiter. Das geschieht zum Beispiel bei Berührungen mit der Vegetation am Wegrand, denn Zecken halten sich bevorzugt auf Gräsern auf.

Es ist immer derselbe Übeltäter

Experten schätzen, dass 17 verschiedene Zeckenarten in der Schweiz leben. Der «Gemeine Holzbock» allerdings ist für die meisten Zeckenbisse beim Mensch verantwortlich. Daran hat sich auch mit der steigenden Anzahl Bisse nichts geändert. «Das liegt daran, dass andere Arten auch andere Vorlieben haben und sich deshalb mehr auf die Tiere konzentrieren», sagt Tischhauser. «Bewusst habe ich im Gelände bis jetzt keine andere Zeckenart wahrgenommen. Das ist aber auch schwierig zu erkennen, denn die Unterschiede zwischen den Arten sind klein», sagt der Zeckenforscher von der ZHAW.

Die Zecken-App

Werner Tischhauser hat an der ZHAW mit einem Forschungsteam eine Zecken-App entwickelt. Diese besteht aus einer Warn- und Informationsfunktion. Die Warnfunktion zeigt das aktuelle Zecken-Gefahrenpotenzial im Gelände anhand einer fünfstufigen Gefahrenskala an. Der Informationsteil zeigt, wie man sich draussen vor Zecken schützen kann. Wenn man trotzdem gebissen wurde, erklärt die App das richtige Verhalten. Der User kann den Zeckenstich ins Zeckentagebuch eintragen. Die App erinnert ihn dann automatisch nach fünf, zehn und 28 Tagen an den Zeckenstich und zeigt Beschriebe möglicher Borreliose-Symptome an. Allenfalls wird dem User ein Arztbesuch empfohlen. Mehr
Informationen sind unter www.zhaw.ch zu finden. (neu)

Die Krankheitsbilder nach dem Zeckenstich

Eine FSME-Infektion zeichnet sich meist durch einen zweiphasigen Krankheitsverlauf aus. Die ersten Anzeichen zeigen sich vier Tage bis vier Wochen nach der Infektion. Der Betroffene verspürt dabei grippeartige Beschwerden wie Fieber und allgemeine Abgeschlagenheit. Bei etwa zehn Prozent der infizierten Personen kommt es zu einer zweiten Krankheitsphase. Ein Teil der Patienten bekommt eine Hirnhautentzündung, eine Infektion des Gehirns oder selten eine Entzündung des Hirn- und Rückenmarkgewebes. Gegen FSME kann mit einer Impfung vorgebeugt werden, was das BAG empfiehlt. Borreliose wird durch ein Bakterium (Borrelia) ausgelöst. Damit sind an manchen Orten in der Schweiz bis zu 50 Prozent der Zecken infiziert. Die Symptome bei Menschen reichen von grippeartigen Erkrankungen über Herzbeschwerden bis zu Sehstörungen. Viele Patienten mit Borrelioseerkrankung erinnern sich weder an einen Zeckenstich, noch trat bei ihnen eine Rötung rund um die Einstichstelle auf. Wird Borreliose früh erkannt, kann sie in den meisten Fällen mit Antibiotika behandelt werden. Gegen Borreliose kann nicht geimpft werden. (neu)

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