In der Kutsche Fondue rühren

Vier Projekte, davon jenes der Fondue-Kutschenfahrten von Ida und Sandro Scherrer aus Dietfurt, sind für den Agropreis 2015 nominiert. Bis 10. Oktober kann dafür gestimmt werden.

Beatrice Bollhalder
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Bei klassischem Fonduewetter unterwegs im Toggenburg.

Bei klassischem Fonduewetter unterwegs im Toggenburg.

DIETFURT. Der Agropreis ist der grösste Innovationswettbewerb der Schweizer Landwirtschaft. Er wird dieses Jahr zum 23. Mal vergeben. Die Jury hat vier Projekte für die Endrunde nominiert, darunter auch die Fondue-Kutschenfahrten von Ida und Sandro Scherrer aus Dietfurt. Ab sofort und noch bis 10. Oktober kann für das Projekt gestimmt werden. Der Agropreis wird am Donnerstag, 5. November, im Berner Kursaal überreicht. Sollten Ida und Sandro Scherrer gewinnen, wollen sie das Preisgeld in den Umbau ihres Wohnhauses investieren.

Potenzial aufgespürt

Begonnen hat das Hobby Pferde im Jahr 1996. Damals kaufte sich der gelernte Forstwart eine Freiberger Stute mit Fohlen. Sandro Scherrer suchte einen Nebenerwerb zu seinem Milchwirtschaftsbetrieb mit 20 Kühen. Seine Idee: Kutschenfahrten durch eine Landschaft mit gepflegten Wiesen und sanften Hügeln. «Ich habe mir gedacht, dass die Leute hier ihre Freizeit verbringen könnten», sagt Scherrer.

Im Winter musste er die Tiere in Touristenorten plazieren, weil daheim die Arbeit fehlte. Da diese Nachfrage immer geringer wurde, sah er sich nach einem neuen Angebot um. «In einem Zeitungsartikel las ich von Kutschenfahrten mit Fondueplausch», erinnert sich der Toggenburger. Da die passende Kutsche dazu fehlte, liess er sich kurzerhand eine nach seinen Plänen bauen. Den Innenausbau machte er selber. Hier galt es, einige Tücken zu meistern. Da die Fahrten im Winter durchgeführt werden sollten, musste nebst einer Überdachung auch eine Heizmöglichkeit eingebaut werden. Gas war zu gefährlich, also wurde ein Ofen mit dem geruchsneutralen Petrol als Brennstoff installiert. Die Bänke hat er mit Fellen überzogen. Und da es unterwegs auch einmal rütteln kann, wurden für Gläser, Flaschen und Caquelons Vertiefungen in die Tischplatte eingelassen. In Seitentaschen sind Zucker, Teebeutel und andere Utensilien verstaut.

Ganze Familie im Einsatz

Bezüglich Strecke galt es ebenfalls einiges zu beachten. Sie soll möglichst wenig entlang der Hauptstrasse führen und nicht zu viel Gefälle aufweisen, weil sonst das Fondue im Caquelon schräg blubbert. Im Herbst 2010 präsentierten Scherrers das erste Mal die neue Kutsche. «Wir hätten nicht gedacht, dass unsere Idee so einschlagen würde», erinnert sich Scherrer.

Das Angebot wurde ohne grosse Werbemassnahmen bekannt. «Für die Aufrechterhaltung unseres Betriebs ist aber die Mithilfe der ganzen Familie unabdingbar», betont Sandro Scherrer. Seine Frau Ida und die vier Kinder sind fester Bestandteil des Unternehmens, zu dem nebst den drei Fonduekutschen weitere sieben Kutschen für Spezialfahrten jeglicher Art gehören. Die Rundfahrten starten jeweils am Bahnhof Bütschwil. Sandro Scherrer nimmt seine Gäste in Empfang. Seine Frau Ida liefert derweil die heisse Käsemasse in speziell angefertigten Boxen zur Kutsche. Die Fahrt, die knapp zwei Stunden dauert, führt an Bauernhäusern, Ställen und Obstanlagen vorbei sowie der romantischen Thur entlang. «Mit unserem Angebot wecken wir das Interesse der Leute an der Landwirtschaft und der Region. Wir sind also auch Botschafter», so Scherrer. Er ist glücklich, dass sich die Betriebszweige Kutschenfahrten und Milchproduktion gut kombinieren lassen und dass so Hobby und Beruf verbunden werden konnten.

www.schweizerbauer.ch/vermischtes/agropreise/agropreis-2015-waehlen-sie-ihren-favoriten-24493.html