Kommentar
In der Krise ist die Thurgauer Regierung gewachsen

Die Kantonsregierung hat ihre Regierungsrichtlinien für die nächsten vier Jahre präsentiert. Die eigentlichen politischen Herausforderungen aber kommen unangekündigt. Siehe Corona.

Christian Kamm
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Christian Kamm.

Christian Kamm.

Urs Jaudas

Erstens kommt es anders. Und zweitens als man denkt. Am 6. Juli 2016 ist das Regierungsprogramm 2016–2020 präsentiert worden: Wer konnte damals ahnen, dass in dieser Legislatur die grösste Krise seit Ende des 2. Weltkriegs übers Land fegen wird? Von Corona in der Planung kein Wort. Wie denn auch.

Das spricht nicht gegen die Ausarbeitung von Regierungsrichtlinien. Jede Exekutive ist gut beraten, periodisch Rechenschaft darüber abzulegen, was sie erreichen will. Regierungsprogramme aber sind für den Regierungsalltag. Sie regeln den exekutiven Normalfall. Gegenüber dem völlig Unerwarteten ist auch die beste Vorausschau machtlos.

Der Thurgau befindet sich in der glücklichen Lage, dass er eine Regierung hat, die die Pflicht beherrscht und, wie sich in den vergangenen Monaten herausstellte, auch die Krise. Biederes Handwerk – oft das höchste der Gefühle, das man Thurgauer Regierungskunst entgegenbringt. Gerade jetzt hat die Kantonsregierung aber bewiesen, dass sie an existenziellen Herausforderungen wie Corona wachsen kann. Neues Regierungsprogramm − ja, gern. Viel wichtiger aber ist die Erkenntnis, dass da eine Regierung am Werk ist, die auch dann ihre Frau und ihren Mann steht, wenn es drunter und drüber geht.