In den Fängen von Drogendealern: Kantonsgericht weist Berufung ab

Eine 33-jährige Frau transportierte Kokain und Drogengeld von St.Gallen nach Basel. Die Folgen wiegen schwer: Nebst 28 Monaten Freiheitsstrafe erhielt sie einen Landesverweis.

Claudia Schmid
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Insgesamt 2,5 Kilogramm Kokain soll die Eritreerin transportiert haben.

Insgesamt 2,5 Kilogramm Kokain soll die Eritreerin transportiert haben.

Manuela Jans

Eine 33-jährige Eritreerin hat sich am St.Galler Kantonsgericht für eine mildere Strafe und vor allem für den Verzicht auf eine Landesverweisung eingesetzt. Das Kantonsgericht ging auf ihre Anträge nicht ein, wies die Berufungsklage ab und schützte damit den Entscheid des Kreisgerichts St.Gallen vom Mai 2019.

Die Vorinstanz hatte die beschuldigte Frau wegen qualifizierter Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz und Geldwäscherei verurteilt. Wie von der Anklage gefordert, verhängte es eine teilbedingte Freiheitsstrafe von 28 Monaten, wobei ein halbes Jahr zu vollziehen ist. Die Busse setzte es bei 100 Franken fest. Die Landesverweisung erhöhte es auf sieben Jahre und ordnete die Ausschreibung im Schengener Informationssystem SIS an. Der Staatsanwalt hatte fünf Jahre beantragt.

Die Beschuldigte habe mit ihren zahlreichen Kurierfahrten erhebliche kriminelle Energie aufgewendet, hatte der vorsitzende Richter am Kreisgericht diese Erhöhung begründet. Das Gericht sei zum Schluss gekommen, dass es sich um keinen Härtefall handle und deshalb aufgrund der Katalogtat aus gesetzlichen Gründen gegen die Frau eine Landesverweisung ausgesprochen werden müsse.

Gefahr von Repressionen

Ob die Frau tatsächlich ausgeschafft oder aus völkerrechtlichen Überlegungen darauf verzichtet werde, liege nicht im Entscheid des Kreisgerichtes, da es eine sogenannte Erkenntnis- und keine Vollzugsbehörde sei. Die Abwägungen zum Vollzug liege in der Kompetenz des Migrationsamtes.

Die Verteidigerin verlangte in der Berufungsverhandlung die Reduktion der Strafe auf 18 Monate bedingt mit einer Probezeit von drei Jahren und den Verzicht auf eine Landesverweisung. Die Gefahr sei gross, dass ihre Mandantin bei einer allfälligen Rückkehr nach Eritrea schweren Repressionen ausgesetzt sei.

Zudem sei im Heimatland die Behandlung ihrer HIV-Infizierung nicht sicher gewährleistet. Es sei für die Frau trotz recht guter Deutschkenntnisse praktisch unmöglich gewesen, in der Schweiz eine legale Arbeit zu finden. Die Drogenbande, in deren Fänge sie geraten sei, habe ihre schwierige Situation ausgenutzt. Sie habe jeweils nicht gewusst wie viel Bargeld oder Drogen sie transportiere und habe lediglich 300 bis 500 Franken für einen Auftrag erhalten.

Mit Lohn Eltern und Bruder unterstützt

Die Beschuldigte war eine von rund einem Dutzend Personen, die für eine Drogenbande ­Kurierdienste übernahm. Die Staatsanwaltschaft attestierte der Frau, dass sie nach ihrer Verhaftung sofort geständig war und sich sehr kooperativ zeigte. Sie gab zu, fünfzehnmal Geld aus dem Drogenhandel von St.Gallen nach Basel und zehnmal Kokain – insgesamt rund 2,5 Kilogramm – nach Bad Ragaz, Chur und Zürich transportiert zu haben. Zudem verkaufte sie selber rund 30 Gramm Kokain und konsumierte gelegentlich Marihuana.

Das Geld habe sie ihren Eltern und dem schwer lungenkranken Bruder in die Heimat geschickt, erklärte die Beschuldigte. In der Befragung des vorsitzenden Richters erzählte sie auch, sie habe sehr früh geheiratet, um nicht ins Militär eingezogen zu werden. 2010 sei sie ihrem Mann in die Schweiz gefolgt, wobei die Ehe bald zerbrochen sei.

Da das Kantonsgericht die Berufungsklage vollumfänglich abwies, muss die Beschuldigte die Kosten der Verhandlung übernehmen. Sie betragen über 7000 Franken.