In Alexandras Stube leuchtet’s dank OhO hell: Wie eine Speziallampe das Leben einer Sechsjährigen veränderte

Die sechsjährige Alexandra sieht schlecht. Die Spendenaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern hat ihr eine spezielle Lampe ermöglicht.

Katharina Brenner
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Alexandra wächst bei ihrer Grossmutter Rita Aemisegger im Osten der Stadt St.Gallen auf. Die beiden freuen sich über die neue Lampe in ihrer Stube.

Alexandra wächst bei ihrer Grossmutter Rita Aemisegger im Osten der Stadt St.Gallen auf. Die beiden freuen sich über die neue Lampe in ihrer Stube.

Bild: Benjamin Manser

Alexandra mochte keine Kinderbücher. Sobald sich ihre Grossmutter mit ihr hinsetzte, um ihr ein Buch über Tierkinder zu zeigen, wurde Alexandra unruhig. Wollte sich das Mädchen etwas genauer ansehen, zog es den Gegenstand ganz nah an sein Gesicht heran. Alexandra war damals ein Jahr alt und konnte noch nicht sagen, was ihr fehlte. Also ging die Grossmutter mit ihr zum Augenarzt. Der kam zum Ergebnis: 10 Dioptrien. Alexandra sieht die Welt durch Augen wie zerkratztes Milchglas. Rita Aemisegger erinnert sich daran, wie Alexandra weinte, als sie zum ersten Mal eine Brille aufsetzte. «Ich glaube, weil sie das erste Mal überhaupt etwas gesehen hat.»

Rita Aemisegger empfängt uns in ihrer Wohnung im Osten der Stadt St.Gallen, wo sie gemeinsam mit ­Alexandra wohnt. Die 6-Jährige rennt der Journalistin im Treppenhaus ­entgegen und nimmt ihr die Tasche ab. Aemisegger sagt:

«Alexandra ist unser Sonnenschein.»

Oben in der Wohnung setzt sich das Mädchen zu ihrer ­Grossmutter an den Stubentisch und blättert in einem Prospekt mit Spiel­sachen. Es zeigt auf sämtliche Pro­dukte mit einem Bild von Eisprinzessin Elsa und sagt jedes Mal: «Das wünsche ich mir.»

Das Licht war zu schwach für ihre Augen

Dank ihrer Brille und einer Operation am rechten Auge sieht sie heute gut. Im Lauf des nächsten Jahres soll auch ihr linkes Auge operiert werden. Eine weitere Sehhilfe ist die Deckenlampe in der Stube. Sie ist rund und flach und glitzert. «Es ist ein wenig wie unter einem Sternenhimmel», sagt Rita Aemisegger. Als Alexandras Beistand sie im vergangenen Jahr einmal besuchte, fiel ihm auf, dass das Licht in der Stube zu schwach ist für Alexandras Augen. Er empfahl deshalb eine Speziallampe, bei der man das Licht auch dimmen kann. Eine solche Lampe konnte sich Rita Aemisegger nicht leisten. Die 62-Jährige arbeitet jeden Vormittag, immer dann, wenn Alexandra in der Schule ist. Sie wäscht und bügelt für zwei Restaurants.

Der Beistand stellte ein Gesuch bei der Weihnachtsaktion Ostschweizer helfen Ostschweizern, kurz OhO (siehe Interview unten). Diese unterstützte die Familie mit 800 Franken. «Wir sind so dankbar dafür», sagt Aemis­egger sichtlich gerührt. Mit dem Geld kaufte sie die Lampe sowie neue Kleider für ihre Enkelin.

Von Anfang an bei der Grossmutter aufgewachsen

Alexandra war drei Monate alt, als sie zu ihrer Grossmutter kam. «Sie musste so lange im Spital bleiben wegen Komplikationen bei der Geburt», sagt Aemisegger. Die Situation von Alexandras Eltern sei schwierig gewesen. Mehr möchte Rita Aemisegger – ihr Sohn ist Alexandras Vater – nicht dazu sagen. Es fällt ihr schwer, darüber zu sprechen. «Es war von Anfang an klar, dass das Kind bei mir aufwächst. Ich habe keine Sekunde gezögert», sagt sie mit fester Stimme. Es sei etwas anderes, mit 56 ein Kind zu haben als mit Anfang 20. Ihren ersten Sohn hatte Aemisegger mit 24, den zweiten mit 26. Aber selbst als Alexandra noch klein war, habe sie es nicht anstrengend gefunden, sondern sich von Anfang an mit Liebe um sie gekümmert.

Rita Aemisegger betont das gute Netzwerk aus Freunden und Familie, das sie unterstützt, vor allem ihre Schwester und ihr Ex-Mann, die beide nur ein paar Strassen weiter wohnen.

«Für Alexandra ist es das Grösste, wenn sie mit ihrem Grossvater Postauto ­fahren darf.»

Alexandra besucht die Heilpädagogische Schule in St.Gallen. Sie lerne manches etwas langsamer als andere Kinder, sagt ihre Grossmutter. Alexandra sei an der Schule sehr gut aufgehoben. Dort lernt sie gerade ­Lesen und Schreiben. Und kann ­daheim im hellen Licht der Deckenlampe üben.

Spenden können Sie unter: www.tagblatt.ch/ohospenden

St.Galler Kantonalbank IBAN: CH16 0078 1600 1582 4200 0

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