Kirchberg/Bazenheid

Im Kanton St.Gallen wurde gepikst: Als Erster wurde ein 88-Jähriger aus dem Toggenburg geimpft

Am Mittwochnachmittag ist im Kanton St.Gallen die Impfaktion gegen das Coronavirus gestartet. In zwei Betagten- und Pflegeheimen in Kirchberg und Bazenheid wurden die ersten Impfungen durchgeführt. Vor Ort beantworten Regierungspräsident Bruno Damann und die Leiterin des Heims Sonnegrund in Kirchberg die wichtigsten Fragen.

Miguel Lo Bartolo, Alain Rutishauser
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Als erster St.Galler wurde der 88-jährige Kurt Eppisser geimpft.

Als erster St.Galler wurde der 88-jährige Kurt Eppisser geimpft.

Bild: PD

Es ist so weit: Im Kanton St.Gallen wird ab Mittwoch geimpft. Erste Station ist das Altersheim Sonnegrund in Kirchberg im Toggenburg. Im Vergleich zu anderen Kantonen ist St.Gallen aber spät dran, viele begannen schon am Montag. Reigerungspräsident Bruno Damann:

«Wir wären auch am Montag schon bereit gewesen zu impfen. Aber wir wollten nichts überstürzen oder die Heime überfordern in der Vorbereitung über die Festtage.»

Deshalb habe der Kanton entschieden, dass es keinen grossen Unterschied macht, wenn zwei Tage später mit dem Impfen begonnen würde. Dass das Toggenburg als erste Impfregion ausgewählt wurde, ist Zufall. «Das Altersheim Kirchberg war als Erstes bereit, daher bekam es den Zuschlag», sagt Damann.

Vor dem Sonnegrund hat sich um 13 Uhr eine ganze Schar Journalisten eingefunden, um den Impfstart mitzuverfolgen. Im Mittelpunkt der Impfaktion steht Kurt Eppisser, der als erster St.Galler am Mittwoch geimpft worden ist. Zu Gesicht bekommen die Medien den 88-Jährigen allerdings nicht, denn vor dem Eingang des Heims ist Endstation. Aus Sicherheits- und Hygienegründen darf niemand das Heim betreten.

Einige Minuten nach 13 Uhr kommen zwei Mitarbeiterinnen aus dem Sonnegrund und verschwinden um die Ecke. Kurz darauf kehren sie mit einer grossen, blauen Kühltruhe zurück, in der das begehrte Vakzin gelagert wird. Es geht los.

Zwei Pflegerinnen vom Sonnegrund tragen die Kühltruhe mit dem Impfstoff ins Altersheim.

Zwei Pflegerinnen vom Sonnegrund tragen die Kühltruhe mit dem Impfstoff ins Altersheim.

Bild: Tobias Garcia

Zufrieden mit Impfbereitschaft

Die Vorbereitung sei intensiv gewesen. «Mit den Festtagen dazwischen ist es eine Herausforderung gewesen, die Angehörigen und Bewohner über die Impfung zu informieren», sagt Martha Storchenegger, Heimleiterin des Sonnegrund. Vor dem Impftermin seien viele Gespräche mit den Bewohnern geführt worden. Die Stimmung bei den Bewohnern zum Thema Impfen sei unterschiedlich. Storchenegger:

«Die einen haben sich gegen eine Impfung entschieden, weil sie das Leben so nehmen möchten, wie es kommt.»

Rund 60 Prozent der Bewohner haben jedoch entschieden, sich impfen zu lassen. Von den 61 Heimbewohnern sind das 38. Zusätzlich sind auch die Bewohner vom Bärewiesli, den Alterssiedlungen gleich nebenan, und das Pflegepersonal vom Sonnegrund geimpft worden.

Insgesamt sind am Mittwoch im Sonnegrund 110 Personen auf Covid-19 geimpft worden. Einige weitere bereits Infizierte seien durch Antikörper geschützt. Diese würden sich eine Impfung zu einem späteren Zeitpunkt überlegen. Storchenegger: «Der grosse Wunsch ist, dass bald wieder ein normales Leben mit sozialen Kontakten möglich ist.» Am 27. Januar ist im Sonnegrund in Kirchberg ein zweiter Impftermin geplant.

Im Altersheim Sonnegrund in Kirchberg ist am Mittwoch die erste Person im Kanton St.Gallen geimpft worden.
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Vor Ort waren auch zahlreiche Medien. Diesen war der Zugang zum Heim aus Sicherheits- und hygienischen Gründen aber verwehrt.
Im Anschluss war im Nebengebäude Zeit für jegliche Fragen, wie hier mit Regierungspräsident Bruno Damann.
Neben Damann sind Heimleiterin Martha Storchenegger und Karin Faisst, Leiterin Amt für Gesundheitsvorsorge vor Ort.
Auch das St.Galler Tagblatt hat bei Regierungspräsident Bruno Damann nachgefragt.
Die Heimleiterin Martha Storchenegger hat ausserdem von der Vorbereitungsphase im Heim erzählt.

Im Altersheim Sonnegrund in Kirchberg ist am Mittwoch die erste Person im Kanton St.Gallen geimpft worden.

Bilder: Tobias Garcia

Kampagne für Pflegepersonal und Impfzentren geplant

«Von den Pflegenden lassen sich knapp 40 Prozent impfen, das ist eine gute Zahl», sagt Storchenegger. Auch Damann ist zufrieden mit der Zustimmung beim Pflegepersonal. Erste Schätzungen Anfang Woche gingen von gerade mal 10 Prozent aus. «Wir sind überzeugt, dass die meisten Heime ebenfalls rund 40 Prozent Impfbereitschaft erreichen werden», sagt Damann. Die Pflegenden hätten gesehen, wie schlimm die Krankheit sein könne, daher sei auch bei ihnen die Motivation da, sich zu impfen. Damann:

«Wir werden noch Aufklärungskampagnen für das Pflegepersonal machen.»

Ziel sei es, im Pflegepersonal die Impfbereitschaft nochmals zu steigern und einen Wert über 40 Prozent zu erzielen.

Geplant ist, im Kanton St.Gallen bis spätestens Ende Februar in allen Heimen und Spitälern möglichst viele Risikopersonen geimpft zu haben. Danach komme «Phase 2». Damann: «In der zweiten Phase werden Hausärzte und Apotheker impfen. Wir sind ausserdem dran, Impfzentren aufzubauen.»

Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Impfstart

Wer wird zuerst geimpft?

Der Impfstoff gegen das Coronavirus steht aktuell nur in begrenzter Menge zur Verfügung, und die Handhabung ist logistisch sehr aufwendig. Aus diesem Grund erfolgt die Impfung vorerst gestaffelt. Die Reihenfolge der Impfungen ergibt sich aus der Impfstrategie des Bundes, den Empfehlungen der Eidgenössischen Impfkommission und Anforderungen des Impfstoffs an Transport und Lagerung. Zunächst werden besonders gefährdete Personen in Betagten- und Pflegeheimen geimpft.

Diese Menschen profitieren speziell von den Impfungen, da bei älteren und chronisch kranken Menschen eine Covid-19-Infektion häufig schwerer verläuft. Es ist geplant, dass sich auch das Gesundheitspersonal mit Patientenkontakt und das Betreuungspersonal von besonders gefährdeten Personen bereits im Januar impfen lassen kann. Ziel ist, dass in allen 120 Betagten- und Pflegeheimen im Kanton St.Gallen bis Ende Februar die erste Impfung durchgeführt worden ist.

Wo können sich Risikopatientinnen und -patienten impfen lassen?

Auch besonders gefährdete über 80-jährige Personen, die nicht in Betagten- und Pflegeheimen wohnen, sollen sich im Verlauf der nächsten Wochen in ausgewählten Impfpraxen und somit wohnortnah impfen lassen können. Die Anmeldung wird voraussichtlich online möglich sein. In den Impfpraxen kann vorerst nur in beschränktem Umfang geimpft werden, weil erst wenig Impfstoff verfügbar ist. Aus diesem Grund werden vorerst auch keine Impfzentren aufgebaut. Sobald deutlich grössere Mengen Impfstoff verfügbar sind, kann sich auch die breite Bevölkerung impfen lassen. Das dürfte nach heutigem Kenntnisstand ab Mai 2021 sein. Die Impfung ist freiwillig und kostenlos.

Wann kommt mehr Impfstoff?

Bis jetzt hat der Kanton St.Gallen 5'800 Dosen erhalten. Damit können knapp 3'000 Personen geimpft werden, da es für den Impfschutz zwei Dosen braucht. Am Montag hat die Armee 126'000 neue Impfdosen erhalten. Davon hat der Kanton St.Gallen das Maximum von 6'800 Dosen abgerufen. Wann die Dosen geliefert werden, ist noch offen.

Wo wird geimpft?

Zunächst kann sich die Bevölkerung über bestehende medizinische Strukturen (Pflegeheime, Spitäler, ausgewählte Arztpraxen) impfen lassen. Grössere Impfzentren in Messe oder Turnhallen könnten kurzfristig zum Einsatz kommen, falls die regulären Strukturen nicht ausreichen.

Es werden ab Januar Impfungen an verschiedenen Standorten durchgeführt:

  • Bewohnende und Mitarbeitende von Betagten- und Pflegeheimen werden vor Ort mit Unterstützung von mobilen Impfteams und lokalen Ärztinnen und Ärzten geimpft.
  • Kurz danach werden Gesundheitsfachpersonen mit Patientenkontakt in Spitälern geimpft. Auch Patientinnen und Patienten, die in den Spitälern ambulant mit Hausarztfunktion betreut werden, sollen die Möglichkeit einer Impfung erhalten.
  • Zudem werden erste Impfungen für Hochrisikopatientinnen und -patienten im Verlauf der nächsten Wochen in ausgewählten Impfpraxen im Kanton möglich sein.

Die Anmeldung wird voraussichtlich online erfolgen.

Wie kann sich die Bevölkerung vorbereiten?

Alle Personen sollen sich unabhängig eine Meinung zur Corona-Impfung bilden können. Auf der Website www.sg-impft.ch wird alles Wissenswerte rund um die Corona-Impfung in kurzen Videoclips einfach erklärt. Die Informationen werden laufend dem aktuellen Wissensstand angepasst. Vorgängig zur Impfung kann auch ein elektronischer Impfpass erstellt werden. Dieser vereinfacht den Impfprozess, ist aber nicht Voraussetzung für eine Impfung.