Im Zweifelsfall zur Polizei

Eine Urnäscher 24-Stunden-Hotline für Sanitärdienste ist ins Zwielicht geraten. Ostschweizer Gewerbevertreter sind verärgert – und sagen, wie man bei einem Notfall richtig reagiert.

Daniel Walt
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Gute Handwerker sind Gold wert – und ärgern sich über Kollegen, die ihre Branche in Verruf bringen. (Bild: Fotolia)

Gute Handwerker sind Gold wert – und ärgern sich über Kollegen, die ihre Branche in Verruf bringen. (Bild: Fotolia)

Remo Spescha redet Klartext: «Bei zweifelhaften Angeboten gilt: Finger weg!», sagt der Präsident der St. Galler Sektion des Gebäudetechnikverbandes Suissetec. Er ist besorgt über Anbieter, welche im Internet 24-Stunden-Dienstleistungen im Bereich der Gebäudetechnik anbieten und dann schlechten Service bieten beziehungsweise überhöhte Rechnungen stellen. In die Schlagzeilen geraten war zuletzt die in Urnäsch ansässige 0–24 Handwerkernotdienst GmbH, die auf www.sani24.ch für ihre Dienste wirbt. Von ihr aufgebotene Monteure sollen von einer Frau im Kanton Schaffhausen 500 Franken rein für die Begutachtung einer defekten Spülmaschine verlangt haben (Ausgabe von gestern).

«Ich kann mir nicht vorstellen, dass die Frau das einfach erfunden hat», sagt Spescha zur Aussage des Unternehmens, die Monteure hätten von der Kundin gar kein Geld verlangt. Fest steht für den obersten St. Galler Gebäudetechniker: Negativmeldungen über Notfall-Dienste wie sani24.ch oder not24.ch schaden seriösen Branchenvertretern – «das ist eine Katastrophe». So würden Bemühungen zunichte gemacht, den Gebäudetechnik-Berufen in der Bevölkerung Anerkennung zu verschaffen.

Jene kontaktieren, die man kennt

Suissetec und die rund 180 Firmen, die der St. Galler Sektion des Gebäudetechnikverbandes angeschlossen seien, bürgten für Transparenz und einen Top-Service, sagt Spescha weiter. Er rät dazu, bei technischen Problemen jene Firma zu kontaktieren, welche die entsprechende Anlage erstellt hat. Oder ansonsten bei Suissetec nachzufragen, welches Unternehmen aus der Nähe für Abhilfe sorgen kann, wenn man selbst kein seriöses Geschäft kennt. «Einfach nur googeln ist wie der Griff in eine Blackbox», sagt Spescha.

Mattias Cathomen präsidiert die Thurgauer Sektion des Gebäudetechnikverbandes Suissetec. «Google führt oft zu den falschen Anbietern. Im Internet gibt es überall Dinge, die wir nicht brauchen und nicht wollen», sagt er. Cathomen betont, die Arbeit eines Sanitärs sei anspruchsvoll. «Aus unserer Sicht wäre es wichtig, die Ausbildungsstandards hoch anzusetzen.» Vom Bund erhält der Gebäudetechnikverband nach eigenem Bekunden diesbezüglich aber nur wenig Unterstützung – die Konzessionierung sei im Zuge der Marktöffnung aufgeweicht worden. Cathomens Tip bei Notfällen: Lokale Sanitärunternehmen engagieren, die man kennt – «auch unter ihnen gibt es Firmen, die einen 24-Stunden-Dienst betreiben», erklärt Cathomen.

Nicht nur unter Sanitär-, sondern auch unter Schlüsseldiensten tummeln sich zweifelhafte Anbieter. Heidi Vogl, Geschäftsführerin des St. Galler Unternehmens Schlüssel Müller: «Solche Dienste merken, dass man mit immer derselben Masche viel Geld verdienen kann – meist ohne rechtliche Folgen.» Werde ein Kunde übers Ohr gehauen, müsse er einen Anwalt nehmen – «viele verzichten darauf».

Schmuddel-Image wird noch verstärkt

Unseriöse Anbieter verstärkten das Schmuddel-Image, das Handwerker oder Angestellte von Schlüsseldiensten bei vielen ohnehin hätten, bedauert sie. Aber was tun, wenn man sich aus der Wohnung ausgeschlossen hat? Heidi Vogl rät, kühlen Kopf zu bewahren – und zu einem Anruf bei der Polizei: «Sie kann einen seriösen Schlüsseldienst aus der Region vermitteln.»