Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Im Thurgau werden elf Polizeiposten geschlossen – Polizisten sollen mehr auf die Strasse

Elf Dienststellen der Kantonspolizei Thurgau werden geschlossen. Damit sollen 240'000 Franken gespart werden. Bereits melden sich kritische Stimmen. Regierungsrätin Cornelia Komposch sagt, der Kanton spare nur bei den Mieten, nicht bei der Sicherheit.
Dinah Hauser
Mit der Schliessung der 11 Polizeiposten verbleiben noch 16 Posten im Thurgau. Auch der Polizeiposten in Gachnang wird geschlossen. (Bild: Kapo TG)

Mit der Schliessung der 11 Polizeiposten verbleiben noch 16 Posten im Thurgau. Auch der Polizeiposten in Gachnang wird geschlossen. (Bild: Kapo TG)

Der Zeitpunkt der Ankündigung kommt überraschend: Im ganzen Kanton werden bis Ende 2019 elf kleinere Polizeiposten geschlossen. Bereits ab Mitte November werden die vier Posten in Eschenz, Märstetten, Neukirch-Egnach und Wängi nicht mehr besetzt sein. Entlassungen sind nicht geplant. Im Gegenteil: die gesamthaft 33 frei werdenden Polizistinnen und Polizisten sollen in die verbleibenden 16 Posten eingegliedert werden.

«Die Polizeiposten, die geschlossen werden, haben in der Regel drei Polizistinnen und Polizisten. Bei den grösseren sind es im Durchschnitt 10 bis 12», sagt Andy Theler, Informationschef der Kantonspolizei Thurgau. Bei den kleinen Posten seien die Öffnungszeiten nicht gewährleistet gewesen, weil die Mitarbeitenden im Tourendienst oder im Einsatz waren und somit nicht auf dem Posten. Theler sagt:

«Ein Polizist arbeitet nicht auf, sondern von einem Posten aus. Polizisten sollen draussen möglichst präsent, also für die Bevölkerung sichtbar und ansprechbar sein.»

Die Präsenz, kurze Reaktionszeiten und erfolgreiche Ereignisbewältigung würden Sicherheit vermitteln, «nicht ein oft leer stehendes Gebäude mit der Aufschrift Polizeiposten».

Kein Posten heisst nicht keine Sicherheit

Die Befürchtung, dass ein wegfallender Polizeiposten die Sicherheit im Dorf mindert ist laut Theler unbegründet: «Bisher hatten 53 Gemeinden keinen eigenen Polizeiposten, und dort fühlt man sich ebenso sicher wie in den Gemeinden mit Polizeiposten.»

Der Thurgau weist die tiefste Polizeidichte der ganzen Schweiz auf. Auf 710 Einwohner kommt ein Polizist. Der Schweizer Schnitt beläuft sich gemäss der Statistik der Konferenz der kantonalen Polizeikommandanten auf 453 Einwohner pro Polizist.

Theler sagt: «Wir müssen mit den knappen Ressourcen effizient umgehen und sie sinnvoll dort einsetzen, wo sie benötigt werden. Gerade weil die Polizeiarbeit im Kanton Thurgau noch andere Aufgaben beinhaltet als in vergleichbaren Kantonen, wie zum Beispiel die Seepolizei, die Grenzkriminalität und das Bundesasylzentrum.» Die anderen 16 Posten verblieben dort, wo die Leute seien: in den Städten und wachsenden Agglomerationen.

Ankündigung kommt nicht überraschend

Für Matthias Müller, Gemeindepräsident von Gachnang, kommt der Schliessungsentscheid nicht unerwartet. Bereits 2005 wurde über den lokalen Polizeiposten in Gachnang diskutiert. «Wichtiger als ein Posten ist für mich die Präsenz von Polizisten im Dorf. Das wurde uns versprochen», sagt Müller.

CVP-Kantonsrat Josef Gemperle lobt die Arbeit der Thurgauer Polizei: «Tiefste Kriminalrate in der Schweiz bei tiefster Polizeidichte. Was wollen wir denn noch mehr?» Er stellt sich aber gegen die angekündigten Schliessungen: «Es ist für mich rätselhaft, warum der Kanton Thurgau die Polizeiarbeit mit der guten regionalen Verankerung in der Bevölkerung nicht weiterführen will.»

Für ihn erhöhen mobile Patrouillen nur subjektiv die Polizeipräsenz, «objektiv gesehen ist das jedoch aus meiner Sicht Augenwischerei». Bereits vor einem Jahr wurden mögliche Schliessungen als Sparmassnahmen angekündigt, wie diese Zeitung berichtete. Mittlerweile wurde auch eine Motion eingereicht, die Antwortfrist endet in Kürze. «Es ist unverantwortlich, wenige Wochen vor dieser Ratsdebatte noch Tatsachen zu schaffen. Das belastet die Zusammenarbeit zwischen Parlament und Regierung unnötigerweise», sagt Gemperle.

Für ihn ist des weiteren unerklärlich, «warum man nicht die wirklich dringendsten Aufgaben zur gezielten Verstärkung einzelner Bereiche angegangen hat, wie die Digitalisierung der Kriminalität oder der Umgang mit Gefährdern und Extremisten».

Grosser Rat legt Grösse des Polizeikorps fest

Cornelia Komposch, Chefin des Departements für Justiz und Sicherheit, sagt, der Kanton spare nicht an der Sicherheit sondern an Mieten: «Die 33 Polizistinnen und Polizisten sind nach wie vor im Einsatz.» Die Frist der Motion hat Komposch nicht abgewartet, um die wichtige Reorganisation nicht zu gefährden. «Ansonsten wäre das Projekt für mindesten ein Jahr auf Eis gelegt gewesen.» Zudem seien die Resultate der Evaluation sehr klar gewesen.

Komposch gibt zu, dass die Kantonspolizei Thurgau möglicherweise an ihre Grenzen stösst; Hundetrainings fänden beispielsweise in der Freizeit statt. «Der Grosse Rat hatte die Grösse des Korps auf 384 Personen bestimmt. Diese Zahl zu erreichen hat rund 10 Jahre gedauert», sagt Komposch. Deswegen habe die Möglichkeit einer Aufstockung nicht bestanden. Mittelfristig werde dies aber sicher ein Thema sein. Dafür müsse erst der Polizeibericht nächstes Jahr abgewartet werden.

Diese Thurgauer Polizeiposten werden geschlossen

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.