Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

Im Stollen wie vor 100 Jahren

Der Sarganser Hausberg Gonzen birgt das grösste Erzlager der Schweiz. Grubenfahrten, Rundgänge, Musik und Lichtspektakel erinnern am Wochenende an den Beginn des industriellen Erzabbaus.
Reinhold Meier
Arbeiter unter Tag an der Arbeit. (Bilder: Gonzenbergwerk)

Arbeiter unter Tag an der Arbeit. (Bilder: Gonzenbergwerk)

Der Gonzen gilt als identitäts­stiftend für die ganze Region. Das hängt nicht nur mit der bald zweitausendjährigen Industriegeschichte rund ums hier gewonnene Erz zusammen, sondern auch damit, dass der Abbau noch bis vor wenigen Jahrzehnten für Hunderte Menschen Arbeit und Brot brachte. Im Zweiten Weltkrieg brauchte die Schweiz das wertvolle Metall dringend. 380 Männer haben hier in den Hochzeiten geschuftet, rund 116 000 Tonnen Hämatit, Magnetit und Hausmannit wurden jährlich zu Tage gefördert. Dies unter der Führung der Eisenbergwerk Gonzen AG (Egag) die just vor 100 Jahren gegründet wurde, als Tochter der Industriefirmen Sulzer und Georg Fischer, im Mai 1919. Nach dem Krieg purzelten die Preise, die Erze vom Gonzen hielten dem internationalen Wettbewerb nicht mehr stand. 1966 wurde das Bergwerk stillgelegt.

«Das Bergwerk gilt als nationales Kulturerbe», betont denn auch der heutige Geschäftsführer Alfred Rutz. «Wir dürfen stolz sein auf 100 Jahre Firmengeschichte und wollen sie bekannter machen», erklärt der traditionsbewusste Firmenchef und verweist auf ein angemessenes Programm (siehe Zweittext).

Erst die Hälfte abgebaut

Die Egag hat den Erzabbau zwar 1966 eingestellt, gilt aber immer noch als wichtiger Player in der Region. «Nach der Ortsgemeinde sind wir der grösste Grundbesitzer in Sargans», sagt Rutz. Er denkt namentlich an die weiträumigen Industrie- und Freiflächen zwischen Kantonsstrasse und Bahnlinie, die noch grosses Entwicklungspotenzial für die Gemeinde bergen. Dazu kommen Rebberge und die Schürfrechte.

Im Prinzip könnte man wieder mit dem Erzabbau beginnen, erklärt Rutz. Das sei zwar aus heutiger Sicht kaum wirtschaftlich. Aber wenn man dringend Eisen brauchte und vom Ausland abgeschnitten wäre, so könnte man es hier holen. Nach seriösen Schätzungen handelt es sich um stolze 5,5 Millionen Tonnen, die im Berg lagen. Bisher wurden erst 2,7 Millionen Tonnen gefördert.

Ein Erz-Sandwich verdrückt

Wie kam es zu diesem wertvollen Eisenlager in der sonst so rohstoffarmen Schweiz? Es war ein glücklicher vulkanischer Zufall vor 150 Millionen Jahren. Dort, wo sich heute der 1829 Meter hohe Gonzen gegen den Himmel reckt, lag das Sarganserland einst tief unter dem Wasserspiegel des Malmmeeres. Aus dem platten Meeresboden stiegen kleine Schlote auf, die sogenannten Schwarzen Raucher. Sie lösten Minerale aus dem warmen Meeresgrund, die bei der Berührung mit dem kühleren Meerwasser als eisen- und manganhaltige Partikel ausgefällt wurden.

Mit zwei Gesenkbahnen (hier kunstvoll beleuchtet) wurde das Erz nach Naus hochgezogen.

Mit zwei Gesenkbahnen (hier kunstvoll beleuchtet) wurde das Erz nach Naus hochgezogen.

Dieser Niederschlag bildete mit der Zeit einen metallhaltigen Teppich, letztlich eine zwei Meter dicke und eineinhalb Quadratkilometer weite Erzfläche, grad dort wo heute der Gonzen steht. Darüber haben sich in späteren Jahrmillionen Sedimente abgelagert und den Erzteppich hübsch eingepackt. Als dann vor 20 Millionen Jahren der Startschuss für die regionale Alpenbildung fiel, war es vorbei mit Meer und Flachland. Afrika und Europa strebten derart rasant aufeinander zu, dass das Kalkpaket samt dem darin liegenden Erzhorizont angehoben, geknickt, gebrochen und verfaltet wurde. Als der Gonzen fertig war, schaute an seinem Rande das Erz wie ein roter Streifen heraus und lockte wohl schon die Kelten zum Abbau, sicher aber die Römer, wie Schlacke­reste von der Verhüttung aus dem zweiten Jahrhundert vor Christus belegen.

Abbau im Geist der Zeit

Der hoch verschuldete Werdenberger Graf Johann hat das Sarganser Markenzeichen dann 1396 an die Österreicher verpfändet. Eine Urkunde belegt den Rechtsakt und gilt als ältestes schriftliches Zeugnis des Bergbaus. Damals griff man das Erz durch einen langen Schlitz von der Oberfläche aus an, die sogenannte Tagbaukerbe. Der Abbau brachte später auch Schmelzen, Schmieden und Köhlereien in die Region – und mit ihnen einen Raubbau des Waldes. Ab 1483 erkannten die Eidgenossen den materiellen Wert des Gonzens und setzten eigene Vögte ein.

Versuche, den Bergbau im 17. und 18. Jahrhundert wirtschaftlich zu führen, scheiterten mehrfach, bis eben 1917 das Gonzensyndikat den industriellen Abbau plante und zwei Jahre später konsequent umsetzte, die ­Geburtsstunde der Egag. Das Grundproblem bestand darin, dass der Erzhorizont durch die prähistorischen Druckkräfte schräg in der Landschaft stand und zudem an zahlreichen Stellen versetzt worden war, um bis zu 150 Meter. Die Bergleute hatten darum immer wieder aufs Neue die Fortsetzung der Erzschicht zu suchen, oft erfolglos.

Stollenbahn fungiert als Rückgrat

So entstand im Gonzen jenes ­insgesamt 90 Kilometer umfassende, dreidimensionale Labyrinth, das über gut 1500 Höhenmeter von Tiefen unterhalb der Talsohle bis weit in die Höhe hinauf reicht und eine zweitägige Wanderung bedingt, wenn man ihm auch nur ansatzweise nachgehen will. In den 20er-Jahren des letzten Jahrhunderts arbei­teten sich die Mineure vom ­Werkplatz Naus ins Erzlager vor. Von dort, auf 1000 Metern Seehöhe, trug eine Seilbahn den Ausbruch ins berühmte Schotterwerk ­Malerva hinunter, das noch heute als inoffizielles Wahrzeichen des Grafenstädtchens gilt.

So richtig effektiv wurde es aber erst 1951, als ein Basisstollen eröffnet werden konnte, der ebenerdig in den Berg führt und die Arbeit massiv vereinfachte. Dieser Zugang wird seit 1983 für Besichtigungen genutzt. Die Fahrt dauert zehn Minuten, und die historische Stollenbahn bildet denn auch das logistische Rückgrat bei den Feierlichkeiten am Wochenende.

Berglichtwerk-Mystik

(rem) Das dreitägige Jubiläumsfest vom 28. bis 30. Juni veranstaltet der gut mit der Eisenbergwerk Gonzen AG verbundene Verein Pro Gonzenbergwerk. Er bringt jährlich rund 10000 Personen vom Stollenbahnhof beim Restaurant zu Führungen ins Berginnere. Zum Jubiläum darf’s dann aber etwas ganz Besonderes sein, ­betont Festchef Urs Becker. Als erster Höhepunkt gilt dabei die Tavolata heute Freitagabend inmitten der Gonzen-Rebberge, bei der auch Regierungsrat Marc Mächler angemeldet ist.

Eine Uraufführung bilden zudem Spezialfahrten unter dem Motto «Berglichtwerk». Dabei tauchen über 100 Lampen die Untertage-Landschaft in farbiges Licht, um Konturen und Tiefe des Bergwerks auszuloten. Die Festführungen finden am Samstag und Sonntag statt, im 40-Minuten-Takt per Stollenbahn, die gleiche Zeit bleibt im Berginnern zum Staunen. Vor einer Woche wurde die tonnenschwere Installation aufgebaut. «Die Idee war: Alles ist dunkel, wir machen Licht», erklärt Bergwerksführer Roland Vils. Auch im Juli können die Lichterfahrten noch besucht werden.

Becker schwärmt aber auch von musikalischen Highlights des Festes. Sie finden im Rebberg, im Restaurant und im Bergwerk selbst statt. Dabei erklingen Partymusik, Rock-Pop und Ländlerklänge, je nach Gusto. Mit dabei sind die Pykniker, das Bodenseequintett, Michael Sele, die Sarganserländer Musikanten, Klus-Brothers und Gonzenörgeler. Zudem stehen eine Jazz­matinee, offene Weinkeller und Degustationen auf dem Programm, dazu Filme sowie der Bar- und Restaurantbetrieb, einzelne Anlässe sind reservierungspflichtig. Beim Eingang zum Bergwerk steht eine begrenzte Anzahl Parkplätze zur Verfügung. Der Fussweg vom Bahnhof Sargans beträgt etwa 20 Minuten, mit der Buslinie 400 bis Vild sind es fünf Minuten.

Hinweis
Details unter www.bergwerk-gonzen.ch

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.