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Adrian Gerber neutralisiert Brand-Gerüche im alten Rathaus in Steckborn. (Bilder: Andrea Stalder)

Adrian Gerber neutralisiert Brand-Gerüche im alten Rathaus in Steckborn.
(Bilder: Andrea Stalder)

«Ich sehe viel Schlimmes»: Ein Geruchs-Killer vertreibt den Rauchgestank aus dem Steckborner alten Rathaus

Im alten Rathaus in Steckborn riecht es noch immer nach Rauch, obwohl der Brand schon ein halbes Jahr her ist. Jetzt ist Adrian Gerber am Zug. Mit Spritzpistole und Dampfgerät vertreibt er den Gestank.
Ida Sandl

Nichts ist so penetrant wie Katzenurin. In einem verlassenen Schulhaus im Zürcher Oberland hatten jahrelang wilde Katzen gehaust. Irgendwann fingen die Besitzer an, das Haus zu renovieren. Den Gestank wurden sie aber nicht los. Sie holten Adrian Gerber. Der tüftelte zwölf Tage herum. «Eine echte Herausforderung». Dann war fertig mit Katzenklo.

Gerber, 47 Jahre alt, gebürtiger Berner, gelernter Zimmermann, ist Experte für schlechte Gerüche. Seine Firma heisst Air-Hygiene und ist in Hergiswil (NW) daheim, doch Gerber düst durch die ganze Schweiz. Man ruft ihn, um Zigarettendunst aus Raucherwohnungen oder den fauligen Geruch aus Kehrichtfahrzeugen zu vertreiben. Auch um die verrauchten Postautos aus dem ausgebrannten Churer Depot kümmert er sich.

Diese Woche arbeitet Gerber in Steckborn. Im Juli hat es im alten Rathaus gebrannt. Das Feuer war schnell unter Kontrolle, doch der Geruch von Rauch und angesengtem Holz ist geblieben. Er hat sich in den Ritzen der wertvollen Holzdecke festgekrallt, hockt im Wandtäfer und im Lüftungsgitter. Kein Schwamm und keine Bürste kommen da ran.

Er hat ein Rezept für jeden Gestank

Adrian Gerber hält eine Spritzpistole in der Hand, er sprüht eine wasserlösliche Flüssigkeit auf Wände und Decken. Der Behälter mit der Lösung surrt und pfeift. Vier- bis fünfmal wird Gerber die Prozedur wiederholen müssen. Dann folgt die Lüftungsphase. Wenn er fertig ist, ahnt auch ein sensibles Näschen nicht mehr, dass hier vor wenigen Monaten ein Feuer war.

Es gibt keinen Gestank, den Gerber nicht neutralisieren könnte. Zumindest verspricht er das. Die Frage sei nicht, ob seine Methode funktioniert, sondern: «Wie lange müssen wir sie anwenden?» Happige Fälle kennt er aber schon. Er sagt:

«Ich sehe viel Schlimmes».

Manches geht ihm nahe, obwohl er eher der handfeste Typ ist. Wohnungen, in denen Menschen sterben zum Beispiel, die erst Wochen später entdeckt werden. Das bringt ihn ins Grübeln, weil es so traurig ist und viel zu oft vorkommt.

Die Gründerin der Firma ist «ein Chemiker-Hirn»

Gerber arbeitet nicht mit Ozon oder Ionen, wie die meisten seiner Konkurrenten. Er hat zehn verschiedene Mischungen beim Bundesamt für Gesundheit registrieren lassen. Ein Teil ist wasserlöslich, die anderen bestehen aus ätherischen Ölen, die mit chemischen Substanzen, wie Aldehyden, versetzt sind. Treffen sie auf eine Kette aus Geruchsmolekülen, kommt es zu einer chemischen Reaktion, die Geruchsmoleküle werden deaktiviert. Es stinkt nicht mehr.

Seine Methode greife weder Metall, Holz noch Kunststoffe oder Gummi an, versichert Gerber. Die Verfahren ausgetüftelt hat die Firmen-Gründerin, «ein Chemiker-Hirn». Vor einem Jahr hat er Air-Hygiene gekauft, voraus gegangen sei eine intensive Einarbeitungsphase. Seitdem arbeitet er noch mehr als früher. «Geht nicht», gebe es bei ihm nicht. Wenn der Kunde einen Termin um 4 Uhr morgens wolle, dann stehe er eben um 3 Uhr auf. Manchmal hat er vier Termine an einem Tag, verteilt zwischen Inner- und Ostschweiz.

Etwa 1000 Franken für eine Raucherwohnung

Gerüche sind für Gerber aneinandergereihte Moleküle, die er knacken muss. Wie ein Detektiv erforscht er zuerst die Ursache des üblen Geruchs. Dann stellt er eine Diagnose auf und entwirft die passende Lösung dafür. Im alten Rathaus in Steckborn kommt die Spritzpistole nur im sogenannten Blauen Zimmer zum Einsatz, weil hier der Brandgeruch am stärksten ist.

Im Bürgersaal ist der Geruch weniger Intensiv, hier reicht ein Dampfgerät.

Im Bürgersaal ist der Geruch weniger Intensiv, hier reicht ein Dampfgerät.

Einen Stock höher, im Bürgersaal, riecht es weniger intensiv nach abgestandenem Rauch. Gerber hat einen Apparat aufgestellt, der Dampf, angereichert mit ätherischen Ölen, verströmt. Es duftet ein bisschen wie in einer Wellness-Oase. Zwei bis vier Tage wird der Raum eingedampft. Dann kommt frische Luft hinzu. Insgesamt etwa zehn Tage braucht Gerber für das altehrwürdige Rathaus. Aufgeboten hat ihn die Bürgergemeinde, der das Rathaus gehört. Es sei ein Tipp von Gebäudeversicherung und Denkmalpflege gewesen, sagt Markus Kuhn, der Aktuar.

Wie teuer ist eine Geruchsreinigung? Das hänge vom Aufwand ab, antwortet Gerber. Um eine Raucherwohnung wieder frisch zu machen, müsse man mit etwa 1000 Franken rechnen, je nach Länge der Anfahrt. Für das Dampfgerät berechnet er 150 Franken pro Tag und eine Arbeitsstunde kostet ebenfalls 150 Franken, dazu kämen die Kosten für den Weg. Gerber findet: «Ich bin eigentlich sehr preiswert.»

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