Im Sprint nach Bern

«Wir haben lange am Drehbuch gearbeitet, heute ist die Hauptprobe», sagt Andreas Meyer, CEO der SBB. Es ist Sonntagmorgen, sechs Uhr. In 25 Minuten wird der neue Schnellzug von St. Gallen Richtung Zürich und über Bern nach Genf abfahren. Es ist der Tag des Fahrplanwechsels.

Nina Rudnicki
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Vor der ersten Abfahrt des «St. Galler Sprinters»: SBB-Chef Andreas Meyer unterhält sich mit dem Lokomotivführer. (Bild: Beat Belser)

Vor der ersten Abfahrt des «St. Galler Sprinters»: SBB-Chef Andreas Meyer unterhält sich mit dem Lokomotivführer. (Bild: Beat Belser)

«Wir haben lange am Drehbuch gearbeitet, heute ist die Hauptprobe», sagt Andreas Meyer, CEO der SBB. Es ist Sonntagmorgen, sechs Uhr. In 25 Minuten wird der neue Schnellzug von St. Gallen Richtung Zürich und über Bern nach Genf abfahren. Es ist der Tag des Fahrplanwechsels. Für die erste Fahrt mit dem IC, der nach Zürich nur noch eine Stunde braucht, ist Meyer zusammen mit einer SBB-Delegation extra nach St. Gallen angereist. Auch der St. Galler Regierungspräsident Beni Würth ist vor Ort sowie Vertreter des Vereins Pro Bahn. Einige Nachtschwärmer, die mit dem Zug nach dem Ausgang nach Hause fahren wollen, bleiben erstaunt stehen. «Was läuft hier?», fragt einer. Andreas Meyer unterhält sich vor laufenden Kameras gerade mit dem Lokomotivführer durch das geöffnete Fenster. Alle sind zuversichtlich: Es wird ein reibungsloser Vormittag werden.

«Mit einem guten Gefühl»

Der neue Zug ist 18 Minuten schneller in Bern, weil er zwischen St. Gallen und Winterthur nicht mehr hält. Und statt in Zürich wie bislang in den Sackbahnhof einzufahren und dort vor der Weiterfahrt nach Bern wenden zu müssen, verkehrt er über die neue Durchmesserlinie für den Fernverkehr. Acht Jahre lang hat die Arbeit an dieser gedauert. Der Fahrplanwechsel ist auch darum der anspruchsvollste in den vergangenen zehn Jahren.

«Es ist ein gutes Gefühl, nach dieser langen Zeit endlich mit diesem Zug durchfahren zu können», sagt Meyer, als sich der Intercity in St. Gallen in Bewegung setzt. Und Beni Würth ergänzt, dass die Anwesenheit des SBB-Chefs zeige, wie wichtig die neue Verbindung sei. Der neue IC sei ein Zug, der rasch zwischen den Zentren verkehre. Dies werde jetzt auch endlich für St. Gallen Realität. Als sich der Zug Zürich nähert, kommt Aufregung auf, weil der IC in einen neuen Tunnel einfährt. Dieser geht direkt in die Durchmesserlinie über. Im neuen unterirdischen Bahnhof funktioniert alles wie geplant. Die Anschlusszüge sind pünktlich. SBB-Mitarbeiter weisen Fahrgästen, die sich noch etwas verloren umschauen, den Weg zu den richtigen Gleisen.

Drei kleine Zwischenfälle

Auch im SBB-Kommandoraum in Bern sind die Verantwortlichen mit dem Fahrplanwechsel zufrieden. Nach der Fahrt mit dem ersten «St. Galler Sprinter» gibt es eine Führung durch das Operation Center, von wo aus der Personenverkehr überwacht und die Kundeninformation gesteuert wird. Rund 20 Mitarbeiter sitzen in dem Grossraumbüro vor Bildschirmen, auf denen Echtzeitfahrpläne abgebildet sind. Rote Punkte zeigen, wo es Zwischenfälle oder Verspätungen gibt. «Wir sehen, dass der Fahrplanwechsel bis jetzt ohne systematische Probleme verlaufen ist», sagt Linus Looser, Leiter Verkehrsmanagement und zeigt auf einen der Bildschirme. «Hier gab es eine Türstörung, was zwei bis drei Minuten Verspätung zur Folge hatte. Dann gab es noch einen Polizeieinsatz sowie einen Vorfall mit einem überfahrenen Tier.»

Feuertaufe im Pendlerverkehr

Die Hauptprobe hat der neue Fahrplan bestanden. «Die Feuertaufe steht am Montag mit dem Pendlerverkehr an», sagt Meyer. In den Bahnhöfen liegen Flyer auf, die über die Änderungen informieren. Hinzu kommen Durchsagen in den Zügen. Und auf den Perrons stehen insgesamt 350 SBB-Mitarbeiter bereit, um über die neuen Verbindungen Auskunft zu geben.

Mehr Bilder: www.tagblatt.ch

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