"IM SPORT KEINE KANONE": Alt Bundesrat Merz: Sein Kollege von der Kanti Trogen ist jetzt Chemie-Nobelpreisträger

Als der frischgebackene Chemiepreisträger Jacques Dubochet für ein Jahr in Trogen zur Schule ging, hatte er einen anderen heute prominenten Mitschüler: Hans-Rudolf Merz. Der frühere Bundesrat kann sich gut an den schlaksigen Jungen erinnern.

Richard Clavadetscher
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Alte Kanti-Kollegen: Hans-Rudolf Merz (links) und Jacques Dubochet. (Bild: Archiv/Keystone)

Alte Kanti-Kollegen: Hans-Rudolf Merz (links) und Jacques Dubochet. (Bild: Archiv/Keystone)

Sie findet im Lebenslauf von Jacques Dubochet Erwähnung, die Kantonsschule Trogen. Seine Eltern schickten den Nobelpreisträger für ein Jahr in diese Schule, nachdem Dubochets Schulleistungen immer schlechter wurden. In Trogen fing sich der junge Mann dann aber wieder.
Das war so aussergewöhnlich auch nicht, denn die Kantonsschule Trogen hatte nicht nur den Ruf, eine vorbildliche Schule zu sein; abseits von allem städtischen Trubel gelegen, ermöglichte sie gerade auch Schülern, die aus dem Tritt gekommen waren, die ablenkungsfreie Fokussierung auf den Schulstoff, um so den Anschluss wieder zu finden.

Bis in die Sechzigerjahre des letzten Jahrhunderts kam nur rund ein Drittel der Schüler der Kanti Trogen aus dem Kanton selber. Die Mehrzahl war aus der übrigen Schweiz und aus dem Ausland, lebte im Konvikt – und Dubochet war einer davon.

«Im Sport keine Kanone»

«Er war ein schlaksiger Junge», sagt einer, der denselben Jahrgang hat wie Dubochet und die Kanti Trogen in jener Zeit besuchte: der frühere Bundesrat Hans-Rudolf Merz. Man sei zwar nicht in derselben Klasse gewesen, so Merz, aber gekannt habe man sich gleichwohl. «Dubochet war im Sport keine Kanone», so der frühere Bundesrat rückblickend, er habe sich eher etwas linkisch bewegt.

In Erinnerung geblieben ist Merz vom jetzigen Nobelpreisträger jedoch, dass er «ein sehr angenehmer Mensch» gewesen sei: «Ich erinnere mich nicht, dass Dubochet je einmal zornig oder hässig gewesen wäre. Er war ein sehr sympathischer Schulkollege.»

Wie es scheint, hat Trogen dem jungen Mann aus der Westschweiz gut getan. Er fasste schulisch wieder Tritt, und dies ganz offensichtlich sehr rasch: Dass Dubochet leistungsmässig abgefallen wäre, ist Hans-Rudolf Merz jedenfalls nicht aufgefallen damals. Hingegen scheint der nun mit dem Nobelpreis ausgezeichnete schon in jener Zeit eine Eigenschaft gehabt zu haben, die auch später und bis heute immer wieder bei seiner Charakterisierung Erwähnung findet: seine etwas kauzige Art. Daran kann sich Merz gut erinnern.

Ohne Kontakt über die Jahre

Nach dem Jahr in Trogen haben sich die Wege von Dubochet und Merz getrennt. «Ich habe lange Zeit nie mehr etwas von ihm gehört», sagt der frühere Bundesrat. Vor einigen Jahren aber habe er in einer welschen Unternehmerzeitschrift von einem Professor Jacques Dubochet von der Universität Lausanne gelesen, so Merz – «und ich war überzeugt, dass dies nur mein ehemaliger Mitschüler sein konnte». Ein Kontakt ist deswegen aber nicht entstanden. Dies wird sich vielleicht nun ändern. Hans-Rudolf Merz hat sich nämlich vorgenommen, dem ehemaligen Schulkollegen brieflich zu gratulieren – und ihn dabei auch an die gemeinsame Zeit an der Kantonsschule in Trogen zu erinnern.