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«Im Schulzimmer bin ich die Chefin»: Junge Lehrerin steht am Montag zum ersten Mal vor ihrer Klasse

Nicht nur für Erstklässler ist der Schulstart am Montag etwas Aufregendes, sondern auch für angehende Lehrpersonen wie Michaela Schlegel. Die 23-Jährige übernimmt in Wattwil vier Klassen auf einmal.
Natascha Arsic
Die Junglehrerin Michaela Schlegel startet am Montag mit vier Klassen auf einmal. (Bild: Ralph Ribi)

Die Junglehrerin Michaela Schlegel startet am Montag mit vier Klassen auf einmal. (Bild: Ralph Ribi)

Noch ist es ruhig im rustikal eingerich­teten Schulzimmer der Junglehrerin. ­Lediglich die Kuhglocken von draussen sind zu hören. Doch ab Montag ist das Zimmer mit 23 Kindern der 3.–6. Klasse gefüllt. Nicht nur für die Schülerinnen und Schüler beginnt ein neues Abenteuer, sondern auch für Michaela Schlegel. Die 23-Jährige hat diesen Sommer ihre Ausbildung mit 177 anderen Studierenden an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen abgeschlossen und startet nun ins Berufsleben.

Ihr künftiger Arbeitsort ist die Schule Schönenberg in Wattwil. Das Schulhaus liegt abgelegen, inmitten von ein paar wenigen Bauernhöfen. Lediglich durch die türkisgrünen Fensterläden fällt das Gebäude auf. Schlegel ist selber auf dem Land aufgewachsen und war in einer Mehrjahrgangsklasse. Heute wohnt sie auf einem Bauernhof auf dem Flumserberg mit ihren Eltern und zwei jüngeren Geschwistern. Die Kinder ­waren mit ihrem Vater oft in der Natur und im Stall. Für die Junglehrerin war deshalb von Anfang an klar, dass sie nicht in der Stadt unterrichten möchte. Zu fremd wären ihr die Stadtkinder und auch sie ihnen, um dort Schule zu geben.

Mit vereinten Kräften für vier Klassen

Nach wochenlanger Vorbereitung ist die angehende Lehrerin voller Elan und freut sich auf den Schulstart. Dennoch werde ihr die Ungewissheit – und nicht der Ausgang – wohl am Wochenende den Schlaf rauben. Schlegel macht sich ­Gedanken darüber, ob die Kinder und Eltern sie als neue Lehrperson akzeptieren werden. Hans Fluri, ihr Vorgänger, hat immerhin viele Jahre an der Schule unterrichtet. Von der langjährigen Erfahrung des Pensionierten kann die 23-Jährige dennoch profitieren. Er ist ihr Mentor und wird ihr im ersten Jahr Tipps geben. Hilfe mit den vier Klassen erhält sie ausserdem von Brigitte Fluri, ihrer Stellenpartnerin. Es ist eine 150-Prozent-Stelle, bei der die zwei Frauen im Teamteaching arbeiten. Wenn Schlegel mit den Fünft- und Sechstklässlern Fran­zösischunterricht hat, kann ihre Stellenpartnerin den Schülern der 3. und 4. Klasse im oberen Stock des kleinen Schulhauses Englisch beibringen. Schon beim Vorstellungsgespräch stimmte für die angehende Lehrerin die Atmosphäre. «Ich habe gleich gemerkt, dass ich da gut reinpassen würde.» Das dachte auch Schulratspräsident Norbert Stieger, denn zwei Tage nach dem Gespräch hatte die 23-Jährige bereits die Zusage.

«Die Beziehung zu den Kindern ist das A und O»

Wenn die Junglehrerin von ihren künftigen Schülern spricht, strahlen ihre blauen Augen. Erst zwei Mal hat Schlegel sie gesehen. Ansonsten weiss sie noch nicht viel über ihre neue Klasse – und das wollte sie auch nicht. Völlig unvoreingenommen möchte sie den Kindern gegenübertreten. Diese Grundhaltung vertritt die Junglehrerin auch sonst: «Was gestern war, war gestern, und heute ist wieder ein neuer Tag.» Die Arbeit mit vier Klassen bringt diverse Herausforderungen mit sich. Schlegel ist der Meinung, dass man sich als Lehrperson aber die Zeit nehmen muss, um seine Schüler kennen zu lernen. «Die Beziehung zu den Kindern ist das A und O, sonst funktioniert es nicht», so Schlegel. Lehrerarbeiten sollten für nach dem Unterricht eingeplant werden, auch wenn das weniger Freizeit bedeute.

Die Junglehrerin legt grossen Wert darauf, ihren Unterricht abwechslungsreich zu gestalten. Er solle nämlich keine Beschäftigungstherapie sein. Für den ersten Tag hat sie ein Arbeitsblatt für ­einen Steckbrief ausgearbeitet. Die Kinder sollen zuerst einen kurzen Text über ihre Ferien schreiben sowie ein Bild dazu malen. Danach gibt es eine Ausstellung, bei der sie die anderen Steckbriefe lesen können. Sie wollte die Schüler nicht einfach nur erzählen lassen. Die Blätter ­werden anschliessend im Treppenhaus aufgehängt. Das dreistöckige Gebäude haben die zwei Lehrerinnen fast für sich alleine. Im Erdgeschoss wohnt noch ­jemand, wie es früher auf dem Land für die Lehrperson üblich war. Schlegel nutzt die Freiheit, die man ihr gibt. «Wenn die Kinder mal zehn Minuten früher Pause benötigen, dann machen wir das.» Es gibt sowieso keine Schulglocke – nur eine alte Kuckucksuhr, die sie aufziehen muss. Dennoch weiss die 23-Jährige, wann sie als Autoritätsperson auftreten muss. «Letztlich bin ich die Chefin und sage, wie es läuft.»

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