Im Schnee

Zehn Geheimtips Wo steht die urchigste Skihütte der Ostschweiz? Wo wandert man bei Vollmond am besten? Welches Bergrestaurant serviert die saftigsten Burger?

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(1) Henau

Reiten im Schnee

Das Hufgeklapper aus dem Stallgang wird draussen ganz leise. Lautlos schweben mein Pferd und ich durch die Winterlandschaft. Jetzt ist endlich möglich, was im Sommer verboten ist: quer über die Wiesen von Henau zu galoppieren. Denn wenn genügend Schnee liegt, klaffen keine Löcher im Boden und es jagt einem auch kein Bauer deswegen mit der Mistgabel hinterher. Bei der romantischen Vorstellung vom Reiten durch den Schnee ist aber auch Vorsicht geboten.

Der Untergrund kann eisig sein und in den Hufeisen bilden sich «Stögeli». Deshalb werden an den Eisen Stollen montiert und Platten eingeklemmt. Auch beim Reiten im Schnee macht es also die richtige Ausrüstung. Vom Ryterland in Henau unternehmen wir so in alle Himmelsrichtungen herrliche Ausritte und galoppieren lautlos durch den Schnee. (rab)

(2) Köbelisberg

Zu Tale stieben

Eine Schlittelpartie für die ganze Familie gefällig? Rauf auf den Köbelisberg! Zwischen Lichtensteig und der Wasserfluh biegt man ein auf den Parkplatz am Ende der Piste. Dann geht's zwei Kilometer durch den verschneiten Wald den Weg hinauf. Die zwei Kilometer beanspruchen je nach Gangart, von flott bis gemütlich, eine halbe bis eine Stunde.

Oben angekommen, kann man im Bergrestaurant bei prachtvoller Aussicht eine Verschnauf- und Zvieripause einlegen, bevor man zu Tale stiebt. Wer keinen Schlitten mitgebracht hat, kann im Restaurant einen ausleihen und am Ende der Piste beim Holzschopf deponieren. Tip: Auskunft über Schnee und Piste erteilt die Wirtefamilie Moser-Steiner unter Telefon 071 988 15 01. (T.G.)

(3) Trückli

Unter Flutlicht

Natürlich sehen auch Langläufer gerne die Sonne im Pulverschnee glitzern. Wenn die Tage im Dezember aber nur mehr einige Stunden lang sind, wird's für Arbeitstätige schwierig, noch bei Tageslicht auf die Loipe zu kommen. «Flutlicht» heisst da die Alternative, die sich um einiges schlechter anhört, als sie sich anfühlt. Besonders im «Trückli» zwischen Waldstatt und Schönengrund.

Hier wähnt man sich im verwunschenen Märchenwald: tiefverschneite Tannen, sprudelnde und dampfende Bächlein und kleine Brücklein, alles von drei Scheinwerfern in unwirkliches, phantastisches Licht getaucht. Dazu ein sportlich drehender Kurs mit Aufstiegen und schnellen Abfahrten. Ein Feierabend im «Trückli» - fast so schön wie ein blauer Himmel-Pulverschnee-Tag! (rst)

(4) Gonten

Alles für alle

Die Anreise im Zug ist optimal, die Loipe beginnt neben dem Gleis. Zwei, drei Runden oben rum oder die lange Schlaufe hinunter bis Gontenbad, zurück zum Wachshüttli, wo der beste aller Punsche serviert wird und bei Hochform gleich nochmals ins Bad. Dann fallen die Arme fast ab. Und allzu viel Zeit ist dennoch nicht vergangen.

Also zurück an die Arbeit - oder die ganz besondere Qualität von Gonten nutzen: zurück zum Skilift, Rollentausch, Boarden mit den Kids, den Kinderwagen der Sonne entlang stossen, der Dreijährigen am Übungslift die ersten Stemmbogen beibringen - dazu können die Langlaufskier gleich angeschnallt bleiben. (ubs)

(5) Gäbris

Unterwegs wie Yeti

Signalisierte Routen gäbe es auch, ebenso geführte Trails. Aber das Schöne am Schneeschuhwandern ist gerade, dass es weder Weg noch Steg noch besondere Kunstfertigkeit braucht. Schneeschuh unter den Schuh geschnallt, solide Stulpen drüber, Stock in die Hand, falls gewünscht, und los geht es, von irgendwo nach irgendwo, am liebsten gleich von der Haustüre weg. Dort liegt in meinem Fall der Gäbris - Hügel der 1001 Schneeschuhwege. (Su.)

(6) Diedamskopf

Über dem Bodensee

Der Diedamskopf ist der höchstgelegene Skiberg (2020 Meter über Meer) im Bregenzerwald. Er ist so hoch, dass man bis weit über den Bodensee nach Deutschland sieht. Schönes Wetter vorausgesetzt, sollte man das herrliche Panorama auf jeden Fall geniessen, am besten bei einer Portion Marillenknödel im Bergrestaurant.

Der ideale Weg aus der Schweiz zum Fuss des Diedamskopfs führt über die Grenze nach Dornbirn, über das «Bödele» (einem idealen Skigebiet für Kinder) und endet bei der Ortschaft Au-Schoppernau. Die Fahrt ab St. Gallen sollte nicht länger als eine Stunde dauern. Der Diedamskopf hat nicht die allergünstigsten Tageskarten im ganzen Bregenzerwald, dafür sind die Wartezeiten auch nicht unanständig lang. (phr)

(7) Tanzboden

Vollmondgänge

Wanderungen bei Vollmond sind schon im Sommer von besonderem Reiz. Im Hochwinter, wenn Stein und Bein gefroren sind, können sie zum phantastischen Naturerlebnis werden. Erst recht, wenn am Wendepunkt nach knapp drei Stunden eine Beiz steht, die sicher offen hat. Auf dem Tanzboden, einem Speer-Ausläufer zwischen Ebnat-Kappel und Rieden, ist das so.

Balzende Auerhähne, die dem Ort seinen Namen gegeben haben sollen, wird man als Schneeschuh-Geher oder Skitüreler zwar kaum finden. Dafür einen auch bei heikler Lawinenlage ungefährlichen Aufstieg, freien Blick in alle Himmelsrichtungen und als Krönung eine Abfahrt, die auch wacklige Tiefschneefahrer heil überstehen. Wer oben bleiben will, tut gut daran, frühzeitig ein Bett zu reservieren. (lü)

(8) Gamserrugg

Salsiz mit Wind

Die urchigste Skihütte der Ostschweiz steht auf dem flachen Gamserrugg, 2070 Meter über Meer. Eigentlich wäre der Ort ideal, um den Café Güx draussen zu trinken. Die Aussicht auf Glarner, Bündner, St. Galler Alpen und natürlich den Säntis ist phänomenal. Wenn nur dieser bissige Wind nicht wäre. Schon auf dem Skilift friert einem alles ab. Aber die Mühe lohnt. Im Sommer dürfen die Schafhirten in der kleinen Hütte nächtigen - mit Schlafsack auf dem Boden.

Im Winter aber herrscht hier oben ein Kommen und Gehen. Die 30 Sitzplätze sind oft belegt. Für den kleinen Hunger gibt's die Toggenburger Hauswurst oder einen Salsiz mit Senf. Und ein Café Baileys hat vor der Schussfahrt ins Tal noch nie geschadet. Übrigens: Die Hüttenluft ist oft rauchgeschwängert. Nicht, weil man näher am Himmel noch paffen dürfte. Aber der ewige Wind treibt Neuschnee in den Kamin. (ssd)

(9) Gargellen

Kinder und Jugendstil

Gargellen im Montafon ist der perfekte Skiort für alle, die etwas übrig haben für österreichische Gastfreundschaft in überschaubarem und stilvollem Rahmen. Almgedudel, Kommerz und Pistenparties gibt es kaum, dafür viele Familien und Paare. Engländer, Holländer und Deutsche hat es auch, aber sie johlen nicht so laut wie anderswo. Die Berghotellerie der Jahrhundertwende lässt grüssen, am schönsten im Jugendstiltrakt des Hotels Madrisa.

Gargellen liegt am Talabschluss eines schneesicheren vorarlbergischen Hochtals und ist der höchstgelegene Skiort im Montafon. Kinder sind sehr willkommen, aber es wird kein grenzenloser Tanz um ihre Gunst vollführt. In der mittelgrossen Skischule warten neben Pinguin Bobo 42 ausgebildete Skilehrer auf Kinder und Erwachsene ab zwei Jahren. (oh)

(10) Arosa

Burger mit Vollkorn

Diese Hütte wird von vielen Arosa-Touristen zu Unrecht übergangen. Dabei lohnt sich ein Besuch der Sit-Hütte oberhalb der Halfpipe, und man ist dort auch als Skifahrer willkommen. Das Sit-Team hat braune Backen, weisse Ränder um die Augen, duzt jeden Gast und macht die wahrscheinlich besten Burger in ganz Graubünden. Mit Vollkornbrot und viel Salat drin. Auch der Salatteller, ein grosser Topf voll Grünes, macht jeden satt und fit für weitere Abfahrten.

Aus den Boxen pumpt kein Ballermann, sondern plätschert relaxte Gitarren-Surf-Musik oder entspannter Soul und Hip-Hop. Genau das richtige, um draussen auf der Terrasse in die Sonne und über die Pisten zu blicken und den Snowboardern beim Halfpipe-Training zuzuschauen. Manchmal unterbricht die Musik, und der eigene Name erklingt: «Roger!» Hoppla, mein Burger ist fertig. (rbe)

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