Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Im Rheintal gibt es wegen des Hitzesommers so viele Jungstörche wie noch nie

Der Storch-Bestand hat nach dem Hitzesommer in diesem Jahr besonders zugenommen. Allein im St.Galler Rheintal gab es fast dreimal so viele Jungstörche wie zwei Jahre zuvor.
Valentina Thurnherr
In der Kolonie im Saxerriet haben zwei Storchenpaare ihre Nester im gleichen Baum gebaut. (Bild: PD)

In der Kolonie im Saxerriet haben zwei Storchenpaare ihre Nester im gleichen Baum gebaut. (Bild: PD)

Vor rund 27 Jahren gab es im St.Galler Rheintal keine Weissstörche mehr. Das hat sich drastisch geändert. Das Rheintal verzeichnet dieses Jahr das beste Brutergebnis der Schweiz: 118 Jungvögel von 46 Brutpaaren. 2017 waren es bei gleich vielen Brutpaaren 90 und im Jahr davor bei 45 Paaren lediglich 35 Jungvögel gewesen. Dass sich der Nachwuchs in den letzten drei Jahren praktisch verdreifacht hat, führt Reto Zingg, Geschäftsführer des Vereins Rheintaler Storch, darauf zurück, dass 2016 ein sogenanntes Störjahr war. «Wenn die Schafskälte im Juni besonders heftig ausfällt, sterben viele Jungvögel.» Der Storch sei eine wärmeliebende Art und ein Feuchtwiesen-Bewohner. «Daher ist das St.Galler Rheintal für die Tiere einer der besten Lebensräume der Schweiz», sagt Zingg. Der Hitzesommer in diesem Jahr sei perfekt gewesen für die Vögel. In der Zeit, als sie die Jungen aufzogen seien noch vermehrt Gewitter aufgetreten.

«Als es dann richtig trocken wurde, waren die Jungen bereits gross oder sogar ausgeflogen.»

Nicht nur im Rheintal waren die Bedingungen dieses Jahr ideal. «Schweizweit hatten wir rund 1000 Jungstörche, so viele wie noch nie zuvor», sagt Margrith Enggist, Mitglied der Geschäftsleitung der Gesellschaft Storch Schweiz.

Die besten Regionen für die Tiere seien schon immer die entlang des Rheins gewesen, vor allem im Raum Basel bis Aargau. «In den letzten Jahren hatte der Storch aber allgemein einen Aufschwung in der Schweiz, da viele Tiere nicht mehr bis nach Afrika ziehen, sondern nur bis Spanien. Viele Vögel blieben sogar hier. «An Orten, wo es grosse Kolonien hat, gibt es sogar Leute, die der Meinung sind, es habe zu viele Störche.»

Wiederansiedlung dank unermüdlichem Einsatz

Das letzte wilde Storchenpaar brütete 1949 in Neunkirch im Kanton Schaffhausen. «Der Jungvogel ist damals verunglückt, und danach gab es in der Schweiz ­keine Weissstörche mehr», sagt Enggist. Erst in den 1970er-Jahren konnte sich der Vogel langsam wieder etablieren.

Der Verein Rheintaler Storch wurde 1991 gegründet. Damals wurden den Mitgliedern Störche zur Verfügung gestellt, die in der Schweiz gezüchtet worden waren. «Mit diesen Tieren wollten wir wilde Störche anlocken», sagt Zingg. Das Rheintal sei schon immer ein Durchzugsgebiet gewesen, somit dauerte es nicht lange, bis sich die ersten wilden Exemplare dank der gezüchteten Tiere auf dem Storchenhof bei Kriessern niederliessen. Auf dem heutigen Reithof nisten noch immer regelmässig Storchenpaare. Zu Beginn der Wiederansiedlung und in den Jahren danach errichtete der Verein noch künstliche Nistunterlagen, auf denen die Vögel ihren Horst bauen konnten.

«In den letzten Jahren fingen die Störche aber immer mehr an selber Horste auf Bäumen anzulegen», sagt Zingg.

Im Saxerriet bei Salez und im Naturschutzgebiet um die Schollenmühle in Altstätten hätten sich so ganze Storchen-Kolonien gebildet. Beliebte Nistplätze seien seit jeher auch Kamine. Einerseits bestehe hier zwar die Gefahr, dass Nester wegen des Heizens in Flammen aufgehen. «Andererseits kann gerade diese Wärme auch helfen, dass Jungvögel eine Kälteperiode überstehen.» Manchmal würden sich die Tiere allerdings ungeeignete Plätze suchen oder die Nester würden durch Stürme zerstört. «Dann stellen wir ab und an doch wieder Nistunterlagen zur Verfügung», sagt Zingg.

Der Storch als Glücksbringer

In vielen Kulturen ist der Weissstorch nach wie vor sehr präsent als «Kindlibringer». Für diese Überlieferung gibt es laut Reto Zingg zwei mögliche Erklärungen. «Wenn der Storch zu viele Mäuse im Kropf hatte und zusätzlich noch einen Frosch fing, hing dieser dann meist noch halb aus dem Schnabel.» Das habe dann ausgesehen wie ein Baby.

Eine weitere Geschichte stammt aus den Karpaten in der Ukraine, wo die Leute früher hungerten. «Die Empfängnis der Frauen war jeweils im Sommer am besten, wenn es Früchte gab, und neun Monate später, also im Frühling, kamen jeweils die Störche zurück.» So sei der Glaube entstanden, dass die Kinder mit den Störchen kämen.

Als Glücksbringer gelte der Storch, weil die Leute früher davon überzeugt waren, er halte den Blitz davon ab, in ihre Häuser einzuschlagen, deren Schilf- oder Strohdächer dadurch leicht in Brand geraten konnten. «Der Storch kann angeblich nämlich Spannungen und Magnetfelder spüren.»

Storchen-Massaker auf Malta

Im August dieses Jahres wurden auf Malta 18 rastende Weissstörche illegal abgeschossen. In dem EU-Land werden angeblich schon seit Jahren geschützte Vögel gefangen oder abgeschossen. Da es in diesem Jahr besonders viele Jungstörche im Rheintal gab, gehen Experten davon aus, dass einige der geschossenen Exemplare auch von dort stammen könnten. «Es ist ein Skandal, dass geschützte Vögel, die hier betreut werden, abgeschossen werden», sagt Reto Zingg. Aus diesem Grund hat der Verein Rheintaler Storch den österreichischen Bundeskanzler mittels eines Briefes auf dieses Storchenmassaker aufmerksam gemacht und ihn ­darin gebeten, sich der Sache anzunehmen. Österreich hat im zweiten Halbjahr 2018 das Präsidium der EU inne. (vat)

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.