Im Kindergarten Mathe büffeln

Ein guter Schulabschluss ist wichtiger denn je. Deshalb werden die mathematischen Fähigkeiten bereits im Kindergarten gefördert. An der Pädagogischen Hochschule St. Gallen hat ein Team untersucht, welche Methoden sich dafür eignen.

Nina Rudnicki
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Spielend Mathematik lernen: Die Kindergärtlerinnen lassen sich auch von Projektleiter Bernhard Hauser nicht ablenken. (Bild: Ralph Ribi)

Spielend Mathematik lernen: Die Kindergärtlerinnen lassen sich auch von Projektleiter Bernhard Hauser nicht ablenken. (Bild: Ralph Ribi)

St. Gallen. Wenn Kinder in die Primarschule eintreten, sollten sie bereits ein Grundverständnis für Mengen und Zahlen mitbringen. Das zählt heutzutage zu den Voraussetzungen für eine erfolgreiche Schullaufbahn. Deshalb trainieren die Vier- bis Siebenjährigen bereits im Kindergarten das Zählen, die Zahlen mit Mengen in Verbindung zu setzen und die Zahlenmengen miteinander zu addieren.

Aus Zahlen Treppen bauen

«Mit dieser Frühförderung soll vor allem den bildungsfernen Kindern ein möglichst guter Schulstart ermöglicht werden», sagt Bernhard Hauser, der an der Pädagogischen Hochschule St. Gallen (PHSG) den «Master Early Childhood Studies» leitet. Im Rahmen eines Forschungsprojektes zur mathematischen Frühförderung hat er mit seinem Team zwei unterschiedliche Förderwege untersucht: die Trainingsprogramme und die spielintegrierte Förderung.

«Vor rund zehn Jahren sind Trainingsprogramme wie <Mengen, zählen, Zahlen> (MzZ) auf den Markt gekommen. Unter Anleitung der Kindergärtnerin werden hierbei die frühen mathematischen Fähigkeiten der Kinder gefördert», sagt Bernhard Hauser, während er einige Unterrichtsmaterialien auspackt. Zum Vorschein kommen Karten, auf denen die Kinder die darauf abgebildeten Finger zählen können.

«Diese Methode erinnert sehr an Schulunterricht. Bei unserem Forschungsprojekt wollten wir deshalb herausfinden, ob eine spielintegrierte Förderung nicht genauso wirksam ist», sagt der 52-Jährige. Hauser und sein Team haben dafür ein eigenes Spielset zusammengestellt. Es besteht aus bekannten Spielen, wie dem Leiterlispiel, aber auch aus selbstentwickelten Spielen, wie dem Zahl-Mengen-Quartett, bei dem die Kinder zum Beispiel fünf Katzen den fünf Punkten auf einem Würfel zuordnen müssen.

Spielend rechnen lernen

«Wir waren selber überrascht, wie schnell die Kinder die Spiele begriffen haben. Sie waren immer sehr motiviert und während der Spiele konzentriert», erzählt Hauser, der die Wirkung der Fördermethoden bei 324 Kinder in 35 Kindergärten aus dem Kanton St. Gallen getestet hat.

Um möglichst aussagekräftige Ergebnisse zu erzielen, hat Hausers Team die Kindergärtner in drei Gruppen eingeteilt. Das Trainingsprogramm MzZ wurde der ersten Gruppe zugeordnet, die spielintegrierte Förderung der zweiten Gruppe. Während acht Wochen haben die zwei Gruppen dann dreimal 30 Minuten pro Woche mit den jeweiligen Methoden ihre mathematischen Fähigkeiten trainiert. «Die dritte Gruppe hat als Kontrolle an keiner der beiden Methoden teilgenommen, sondern ihren Unterricht wie bisher fortgesetzt», sagt die Projektmitarbeiterin Karin Rechsteiner.

Höhere Leistungserwartungen

Die Resultate der Tests zeigen, dass die Kinder in der Gruppe mit der spielintegrierten Förderung deutlich bessere Ergebnisse erzielt haben als die Kontrollgruppe. Die Gruppe mit dem Trainingsprogramm MzZ habe hingegen nur mit leicht besseren Resultaten als die Kontrollgruppe abgeschnitten. «Diese Resultate bestätigen unsere Annahme, dass sich die spielorientierte Förderung ebenso gut eignet wie Trainingsprogramme», sagt Hauser. Deshalb sei es sinnvoll, der spielintegrierten Förderung mehr Gewicht zu geben.

«Nicht schon wieder Mathe»

Viele Kinder, die in den Kindergarten kommen, haben laut Hauser bereits zu Hause zählen gelernt und ein mathematisches Grundverständnis entwickelt. Das betrifft vor allem die bildungsnahen Kinder. «Ohne Frühförderung holen Kinder aus bildungsfernen Familien diesen Vorsprung während der ganzen Schulzeit nicht mehr auf.»

Ob die Kinder nach acht Wochen noch Spass an den Förderungsprogrammen gehabt haben, weiss Hauser nicht mit Sicherheit: «Einige Kinder haben zwar gegen Ende des Projekts <Nicht schon wieder Mathe> gerufen, wenn eine neue Trainingseinheit bevorstand. Doch während der Spiele waren sie sofort konzentriert.»

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