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Im Kanton St.Gallen gibt es weniger Feiertage als anderswo – dieser Kantonsrat will der Bevölkerung einen zusätzlichen Tag schenken

Eine Motion fordert einen neuen Feiertag für den Kanton St.Gallen. Wo steht er im Schweizer Vergleich?
David Grob

Nur wenige St.Gallerinnen und St.Galler werden wissen, was am 19.März 1803 passiert ist. Das Datum ist nichts weniger als die Geburtsstunde des Kantons St.Gallens in seiner heutigen Form. Napoleon Bonaparte verschmolz in seiner Mediationsakte Teile der Kantone Linth und Säntis der helvetischen Republik zum heutigen Kanton St.Gallen.

CVP-Kantonsrat Sandro Hess will den St.Gallern zu einem neuen Feiertag verhelfen. (Bild: Regina Kühne)

CVP-Kantonsrat Sandro Hess will den St.Gallern zu einem neuen Feiertag verhelfen. (Bild: Regina Kühne)

Ein geschichtsträchtiges Datum also, das Sandro Hess mit einem Feiertag würdigen möchte. Der CVP-Kantonsrat hat Mitte September eine Motion eingereicht, in der er einen neuen Feiertag für den Kanton St.Gallen fordert. Kommt sein Vorschlag durch und durchläuft alle politischen Stationen auf dem langen Weg zur Umsetzung, so hätte die Bevölkerung des Kantons St.Gallen plötzlich einen weiteren Feiertag: zehn statt deren neun.

St.Gallen feiert weniger als andere Kantone

Vergleicht man den Kanton St.Gallen mit anderen Schweizer Kantonen, so zeigt sich: Im Ostschweizer Kanton gibt es weniger gesetzliche Feiertage als anderswo. Mit deren neun teilt die arbeitende Bevölkerung das Schicksal mit anderen Einwohnern von Deutschschweizer Kantonen. Und doch: Ein Arbeitnehmer im Kanton St.Gallen hat rund 1,4 Feiertage weniger frei als der durchschnittliche Schweizer Berufstätige. Oder 33,6 Stunden. Oder 2016 Minuten. Zeit, die man verbringen könnte, Napoleon und seiner Taten zu gedenken.

Unter den Spitzenreitern der Kantone ist das Tessin, in dem gewisse Gemeinden auf bis zu 14 Feiertage pro Jahr kommen. In einigen Tessiner Gemeinden werden auch noch spezielle katholische Feiertage wie der Dreikönigstag, der St.-Josefs-Tag Fronleichnam, der St.-Peter-und-Paul-Tag, Mariä Himmelfahrt, Mariä Empfängnis gefeiert.

Dass der Kanton St.Gallen unter dem schweizweiten Durchschnitt an Feiertagen liegt, weiss auch Sandro Hess. Aus diesem Grund sei es vertretbar, einen zusätzlichen Feiertag zu installieren, schreibt der Kantonsrat in seiner Motion. Ausschlaggebend für seinen Vorstoss ist für ihn aber die geschichtliche Bedeutung des Datums:

«Die St.Galler Bevölkerung wurde erst mit der Kantonsgründung im Jahr 1803 frei.»

Viele waren zuvor in zugewandten Orten oder gemeinen Herrschaften der alten Eidgenossenschaft unterstellt und keine eigenständige Gebiete. Aus diesem Grund möchte der Kantonsrat seinen neuen Feiertag auch «Tag der Freiheit» taufen. Ein pathetischer Name, wie er unumwunden zugibt. Klar könne man auch die Kantonsgründung betonen und in die Namensgebung aufnehmen. «Für mich ist aber die Freiheit der Menschen zentral.»

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Hess ist als ehemaliger Geschichtslehrer und jetziger Schulleiter der Oberstufe Feld in Altstätten historisch interessiert. Nachdem er verschiedene Medienberichte zum Hintergrund des Ersten Augusts gelesen hatte, begann er zu den Ursprüngen des Kantons St.Gallens zu recherchieren. Und stiess dabei auf Napoleon Bonaparte und seine berühmte Mediationsakte. «Mir wurde dadurch die geschichtliche Bedeutung des 19.März bewusst», sagt Hess. Er möchte deshalb dieser Bedeutung mit dem neuen Feiertag Rechnung tragen.

Es könnte zu einem Referendum kommen

Die Motion ist nun beim Regierungsrat hängig, der den Vorstoss dem Parlament in einer kommenden Session zur Annahme oder Ablehnung empfiehlt. Nehmen die Kantonsparlamentarier die Motion an, so werden die Regierungsräte beauftragt, eine Gesetzesvorlage auszuarbeiten. Die Feiertage sind im Gesetz über Ruhetag und Ladenöffnung geregelt. Entsprechend müsste die Regierung bei einer Annahme diesen Gesetzesartikel ändern. «Eine Änderung würde dem fakultativen Referendum unterstehen», sagt Gabriela Brack vom kantonalen Volkswirtschaftsdepartement. Zu einer Volksabstimmung käme es also nur, wenn ein Drittel aller Kantonsparlamentarier oder 4000 Stimmberechtigte eine Abstimmung verlangen.

Doch bis dahin ist es noch ein langer Weg. Dessen ist sich auch Sandro Hess bewusst:

«Vermutlich wird die Regierung in ihrer Antwort den wirtschaftlichen Ausfall eines neuen Feiertages betonen.»

Es gelte abzuwägen, wie gross die volkswirtschaftlichen Auswirkungen wären. Und auch wenn der Kanton St.Gallen, sobald die Motion die Mühlen der Politik durchlaufen hat, keinen neuen Feiertag erhalten sollte, wäre Hess trotzdem zufrieden. «Die Debatte ist wichtig.» Und die Tatsache, dass vielleicht einige St.Gallerinnen und St.Galler mehr die historische Bedeutung des 19.März 1803 kennen.

Auch der Kanton Neuenburg feiert seine Gründung

Kantonsrat Sandro Hess möchte der Kantonsgründung mit einem eigenen Feiertag gedenken. Diese Idee wäre kein Novum. Auch der Kanton Neuenburg erinnert mit einem eigenen Feiertag an stürmische historische Zeiten, in denen der Kanton entstand. Jeweils am 1. März feiern die Neuenburger den Jahrestag der Ausrufung der Republik. Neuenburg nahm im 19. Jahrhundert in der Eidgenossenschaft eine Sonderrolle ein. 1814 wurde Neuenburg als Kanton in die Eidgenossenschaft aufgenommen, war aber gleichzeitig preussisches Fürstentum. Es drängte sich die sogenannte Neuenburger Frage auf, die sich am 1. März in einer offenen Rebellion gegen den preussischen Monarchen entlud. 1400 bewaffnete Bürger nahmen das Schloss ein, und eine provisorische Regierung erarbeitete eine neue Verfassung. (dar)

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