Im Kanton St.Gallen gab es mehr Tote – dafür aber weniger Unfälle

Im Kanton St.Gallen sind im vergangenen Jahr 2650 Unfälle passiert. Dabei kamen 15 Menschen ums Leben.

Ines Biedenkapp
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Bei einem Unfall auf dem Pannenstreifen bei Oberbüren kamen zwei Menschen zu Tode.

Bei einem Unfall auf dem Pannenstreifen bei Oberbüren kamen zwei Menschen zu Tode.

Bild: BRK News

Ein 52-jähriger Mann hatte mit seinem ehemaligen Militärfahrzeug Motorprobleme und fuhr auf den Pannenstreifen beim Bürerstich der A1 Richtung St.Gallen. Das Auto eines 22-Jährigen kam allerdings von der Fahrbahn ab und prallte in das Pannenfahrzeug. Durch die Wucht der Kollision wurde das ehemalige Militärfahrzeug aufs Dach geschleudert und der 52-Jährige unbestimmt verletzt. Auch der 22-jährige Autofahrer und eine 21-jährige Mitfahrerin verletzten sich schwer. Ein 61-jähriger Mann erlitt diverse Knochenverletzungen. Für zwei Frauen im Alter von 58 und 88 Jahren kam jedoch jede Hilfe zu spät.

Der schwere Unfall im August vergangenen Jahres war bereits der dritte tödliche Unfall auf dem Pannenstreifen in der Region innert weniger Monate; und der zweite Vorfall im Bürerstich. Ein Blick in die Verkehrsunfallstatistik der Kantonspolizei St.Gallen zeigt, dass es 2019 zu 15 Verkehrstoten auf den Strassen des Kantons kam. Das ist ein leichter Anstieg im Vergleich zum Vorjahr. Auffällig ist, dass vor allem der Langsamverkehr betroffen war. Vier tödlich verunfallte Fussgänger und vier Todesopfer unter den Velofahrer heisst die traurige Bilanz.

Ein Hauptproblem ist die Geschwindigkeit

«Der Mensch bleibt Hauptverursacher von Unfällen», sagt Hanspeter Krüsi, Mediensprecher der Kantonspolizei St.Gallen bei der Vorstellung der Zahlen. So sei die Hauptursache für Unfälle vor allem im Verhalten der Lenker zu finden. Die Fahrt unter Alkohol nahm zwar mit 219 Vorfällen (Vorjahr 253) leicht ab, doch die Fahrt unter Betäubungsmittel nahm dafür zu (von 13 auf 20). Hauptsächlich passierten die Unfälle jedoch aufgrund von nicht angepasster Geschwindigkeit – insgesamt 429 Fälle. Das ist eine deutliche Zunahme zum Vorjahr (375 Unfälle). Fest steht auch: Die Unfallverursacher sind überwiegend männlich.

«Die Unfallzahlen selbst sind aber leicht gesunken», sagt Philipp Sennhauser, Leiter der Verkehrspolizei. So kam es im vergangenen Jahr zu 2650 Unfällen. Das sind 154 Vorfälle weniger, als noch 2018. Meist kam es auf Haupt- und Nebenstrassen bei einer erlaubten Geschwindigkeit von 50 Kilometer pro Stunde zu Kollisionen. Daher will die Kantonspolizei St.Gallen bei Geschwindigkeitskontrollen den Fokus weiter auf Innerorts legen.

Mehr Unfälle mit E-Bikes

Statistisch gesehen geschahen die meisten Unfälle im Januar und an Freitagen. «Im Januar kann das vor allem am Wetter liegen. An den Freitagen verlagert sich die Rushhour nach vorne. Viele wollen da einfach nur nach Hause», sagt Philipp Sennhauser. In diese Unfälle waren vor allem Personen im Alter zwischen 20 und 29 Jahren verwickelt, wobei es sich meist um Schleuder- oder Selbstunfälle handelte.

Auch kam es zu mehr Unfällen mit E-Bikes. Von 92 Unfällen wurden 58 durch den Lenker des E-Bikes verursacht. Über die Hälfte trug dabei keinen Helm. Hauptverursacher ist die Altersgruppe der 45 bis 64-Jährigen. Auch verzeichnete die Kantonspolizei einen Anstieg bei Unfällen auf dem Schulweg (von 32 auf 46). «Das Warum können wir nicht restlos klären», sagt Sennhauser. «Dort sind besonders Autofahrer gefordert, denn Kinder bleiben unberechenbar.»

Tierunfälle haben leicht abgenommen

Das vergangene Jahr startete mit einer grossen Menge Schnee. Das hatte auch Auswirkungen auf die Tiere. Vor allem Hirsche sammelten sich zu Rudeln und suchten im Tal nach Futter. Im Januar machte etwa ein Video auf Whatsapp die Runde, dass rund 80 Hirsche bei der Überquerung der Strasse zwischen Grabs und Gams zeigte.

Doch nicht immer ging eine solche Überquerung für die Tiere gut aus. So kam es zu 43 Unfällen mit Rehen. «Und dabei gehen wir nur von den Unfällen aus, die uns auch gemeldet wurden», sagt Werner Lendenmann, Leiter Verkehrstechnik.

«Wir gehen von einer weitaus höheren Dunkelziffer aus.»

Um Kollisionen zu vermeiden, wurden die Geschwindigkeit angepasst und vermehrt Kontrollen durchgeführt. Das führte zu 1413 Ordnungsbussen und 21 Verzeigungen. Weiter kam es zu 33 Unfällen mit Füchsen oder 29 Kollisionen mit Dachsen. Statistisch gesehen hat die Zahl der Wildunfälle aber abgenommen.

Zweithöchste Frequenz im Veloverkehr seit Messbeginn

Ob zu Lande oder auf See: Die Polizei hat mit 2019 ein ereignisreiches Jahr hinter sich. Die Anzahl des motorisierten Verkehrs auf den Kantonsstrassen stagnierte. Doch die Auswertung der jährlichen Verkehrszählung ergab die zweithöchste Anzahl an Velos seit Messbeginn vor sechs Jahren.

Insgesamt erfasste das Tiefbauamt an 141 Messstellen den Verkehr. Über eine Million motorisierte und 4000 Velos passierten täglich die Messstellen. Die meisten Fahrzeuge auf einer Kantonsstrasse waren in der Region Rheintal unterwegs. Auf der Rheinbrücke in Diepoldsau registrierte das Tiefbauamt 24823 Fahrzeuge pro Tag.

Laut einer Medienmitteilung des Baudepartements sind die überdurchschnittlich hohen Zu- oder Abnahmen an vereinzelten Zählstellen auf Bautätigkeiten und dem damit verbundenen Ausweichverkehr zu erklären. Die grösste Veränderung wurde auf der Passhöhe Schwägalp ermittelt – dies ist vermutlich auf den Ausfall der Luftseilbahn zurückzuführen. Das Amt unterscheidet bei der Erfassung der Verkehrszahlen auch zwischen den Fahrzeugtypen. Dadurch registrierte man den höchsten Anteil an Schwerverkehr in den Regionen Toggenburg und Wil sowie nahe dem Grenzübergang im Rheintal.

Mit Booten, Fähren, Segelschiffen oder auch Pedalos: Im vergangenen Jahr vergnügten sich wieder Unzählige im Bodensee. Auf dem gesamten See und dem Hochrheinabschnitt bis Schaffhausen ereigneten sich jedoch mehr Unfälle als zuvor. Insgesamt 198 Unfälle forderten 38 Verletzte und 17 Tote. Zudem rettete die Seepolizei 432 Personen aus Seenot. Im Total beläuft sich die Schadenssumme aller Unfälle auf rund 573450 Franken. Dies entspricht gegenüber dem Vorjahr etwa einer Halbierung der Kosten. (lek)