Im Internet nach Täter gefahndet

Ein Unbekannter ist in das Tonstudio Störsender in Sirnach eingebrochen. Studioinhaber Frank Acklin fahndete gleich selbst nach dem Täter und stellte das Überwachungsvideo auf Facebook. Gemäss Polizei ein durchaus heikles Vorgehen.

Ives Bruggmann
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Frank Acklin hat unter anderem dieses Bild vom Einbrecher auf Facebook veröffentlicht. (Bild: pd)

Frank Acklin hat unter anderem dieses Bild vom Einbrecher auf Facebook veröffentlicht. (Bild: pd)

SIRNACH. «Fahndungsaufrufe durch Privatpersonen sind nicht unproblematisch», sagt Daniel Metzler, Mediensprecher der Kantonspolizei Thurgau. Die Vorgeschichte: Am Dienstag hat Frank Acklin, Inhaber des Tonstudios Störsender in Sirnach entschieden, in Eigeninitiative im Internet zu fahnden. Er hat zwei Bilder eines Überwachungsvideos sowie den Link dazu auf Facebook gepostet. Zuvor war ein Unbekannter in der Nacht auf Montag in sein Studio eingebrochen. Dieser hat die Kasse und das Telefonkässeli entwendet. «Es ist eine Frechheit», sagt Frank Acklin. Er ärgert sich einerseits über den Einbrecher und fühlt sich andererseits machtlos wegen des Einbruchs.

Er habe mittlerweile vier neue Schlösser angebracht. Mehr könne er nicht tun. «Es nervt halt einfach», fügt er hinzu. Durch die Veröffentlichung der Bilder und des Links auf der öffentlichen Seite seines Tonstudios auf Facebook hofft er nun auf Reaktionen, die der Polizei bei der Fahndung helfen könnten. «Die Leute helfen mir, indem sie meinen Aufruf auf Facebook teilen», sagt Acklin. Und weiter: «Es wäre natürlich schön, wenn man den Räuber finden würde.»

«Genetischer Sondermüll»

Acklin hat zusätzlich zu den Bildern und zum Video noch eine Beschreibung des Täters hinzugefügt. Darin schreibt er etwa: «Vermutlich ist es derselbe genetische Sondermüll, der schon in Räume von anderen Bands in der Liegenschaft eingebrochen ist.» Es soll bereits der dritte Einbruch dieser Art in dieser Liegenschaft gewesen sein, der erste aber in sein Tonstudio.

«Wenigstens hat der Täter <nur> Bargeld erbeutet.» Die Überwachungskamera habe er damals eher wegen der teuren Technik angeschafft, sagt Acklin. Auch bei der Beschreibung auf Facebook nimmt er es genau: «Der Täter ist circa 1,70 Meter, hat Bierbrüste und ein Räntzli, dunkler Haaransatz, keine sichtbaren Tätowierungen, trug abgeschnittene Jeans, Sturmmaske und eine Tasche im Freitag-Stil.»

Er habe natürlich als erstes die Polizei informiert und auch ihr das Video zugespielt. Die Polizei habe daraufhin – auch anhand des Videos – Spuren gesichert. Der Fall ist bei der Thurgauer Kantonspolizei derzeit in Bearbeitung. Ob sich der Aufruf per Facebook in Bezug auf Reaktionen ausgewirkt hat, ist zurzeit nicht bekannt.

Vorsicht ist geboten

Mediensprecher Daniel Metzler sagt: «Wichtig ist aus Sicht der Kantonspolizei Thurgau, dass Private bei einem Aufruf nicht das Strafrecht (beispielsweise Beschimpfung, Verleumdung) und auch keine Persönlichkeitsrechte wie das Recht am eigenen Bild verletzen.» So gesehen ist der öffentliche Fahndungsaufruf durchaus heikel. «In diesem konkreten Fall könnten die Kommentare problematisch sein», sagt Metzler. Tatsächlich sind einige Kommentare unter dem Post von Acklin ziemlich vulgär. Metzler sagt dazu: «Die strafrechtliche Wertung bei einer allfälligen Anzeige ist Sache der Staatsanwaltschaft.» Aus dieser Aussage lässt sich schliessen, dass zuerst eine Anzeige eingehen muss, ehe etwas geschieht. In diesem Fall ist damit aber kaum zu rechnen. Der Einbrecher selber wird sich kaum gegen Beleidigungen wehren.

Anzeige ausgeschlossen

Dass Frank Acklin etwas zu befürchten hat, ist ebenso unwahrscheinlich. Durch das Hochladen des Videos hat er allenfalls gegen das Recht am eigenen Bild verstossen oder Verleumdung betrieben. Wenn in diesem Fall der Betroffene Anzeige einreichen würde, dann hätte die Kantonspolizei Thurgau gleichzeitig den Täter ermittelt. Dieses Risiko nimmt Frank Acklin vermutlich gerne in Kauf.