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Amphibienexperte verlässt Naturmuseum - «Naturinfo» wird eingestellt

Jonas Barandun setzt sich schon sein ganzes Leben für Amphibien und die Artenvielfalt ein. Ende Monat verlässt er das Naturmuseum – um sein Wissen fortan wirksamer einzusetzen.
Marlen Hämmerli
«Die Biodiversität ist mein Lebensthema»: Jonas Barandun vor dem Naturmuseum. (Bild: Ralph Ribi - 15. April 2019)

«Die Biodiversität ist mein Lebensthema»: Jonas Barandun vor dem Naturmuseum. (Bild: Ralph Ribi - 15. April 2019)

Frösche, Kröten und Molche haben es Jonas Barandun angetan. Über zehn Jahre setzte er sich im Naturmuseum bei «Naturinfo» für Amphibien ein. Führte Hunderte Beratungen per Mail und Telefon durch, reiste in alle Ecken des Kantons St.Gallen, prüfte Amphibienlaichgebiete und wie sie aufgewertet werden können. Doch nun wird Naturinfo Ende Jahr eingestellt. Was darauf folgt, ist offen: Der Kanton St.Gallen optimiert die Leistungen zum Erhalt der Biodiversität und weitet sie aus. In diesem Zusammenhang wird ab 2020 Naturinfo reorganisiert. Barandun verlässt das Naturmuseum bereits Ende April.

Ein regionales Kompetenzzentrum für Fauna und Artenschutz

Naturinfo, das regionale Kompetenzzentrum für Fauna und Artenschutz, wurde 2008 gegründet als das kantonale Amt für Natur, Jagd und Fischerei Dienstleistungen langfristig ans Naturmuseum auslagerte. Von Anfang an beteiligten sich auch Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden sowie der Bund daran. Das regionale Kompetenzzentrum bietet Auskünfte und Beratungen zu Fragen um heimische Amphibien, Reptilien und Fledermäuse an und organisiert die Kontrolle von bedeutenden Amphibienlaichgebieten und Fledermausquartieren.

Bis Anfang April war hier zudem der Beratungsdienst des Naturmuseums für Haushaltsschädlinge angegliedert. Dieser wurde als Konsequenz aus Baranduns Weggang bereits eingestellt. Die Nachfolge wird abgeklärt.

Seine Arbeit will Barandun künftig mit seinem Beratungsbüro Ökonzept und dem Nachfolgeprojekt von Naturinfo fortführen. So wird er ein grösseres Projekt abschliessen. Seit 2016 wurden im Rahmen von Naturinfo über 400 Amphibienlaichgebiete in den Kantonen St.Gallen, Appenzell Ausserrhoden und Innerrhoden geprüft. «Bei einem grossen Teil sind Massnahmen nötig, weil sie zugewachsen oder belastet sind», sagt Barandun. «Da ist viel Koordinationsarbeit nötig. Hier kann ich meine Fachkompetenz wirksamer einsetzen als im Naturmuseum.»

70 Prozent der Arten sind gefährdet

Amphibien faszinierten den 58-Jährigen schon als Kind. «Die Frösche im Gartenteich haben mich geprägt», sagt der Biologe und schmunzelt. Schon während des Studiums arbeitete er in Projekten mit und würde sich heute gerne für die Biodiversität im weiteren Sinn einsetzten. Doch alleine schon der Schutz der Amphibien gibt genug zu tun. 70 Prozent der heimischen Amphibienarten stehen auf der Roten Liste.

«Das hat mir ihrer speziellen Lebensweise zu tun.» In den vergangenen 100 Jahren gingen viele Laichgewässer verloren. «Wo früher Landschaften trockengelegt wurden, haben wir heute Probleme», sagt Barandun, der sich in seiner Freizeit damit beschäftigt, wie sich die Landschaft verändert hat.

Die Überprüfung der Laichgebiete hat auch Positives ans Licht gebracht: «Wir haben neue Vorkommen von seltenen Amphibien entdeckt», sagt Barandun. Etwa Fadenmolche in der Linthebene. Gleichzeitig zeigte sich, dass in allen Gebieten von nationaler Bedeutung zumindest eine Art verloren gegangen ist – obwohl der Bund deren Erhalt vorschreibt. Damit sie zurückkehren, müssten die Feuchtgebiete wiederhergestellt werden.

«Es bleibt immer weniger Zeit»

Die Biodiversität ist sein Lebensthema, sagt Barandun. Denn: «Wir können nicht weiter so mit der Natur umgehen, wie in den vergangenen 80 Jahren.» Es bleibe immer weniger Zeit, Lösungen zu finden.

«Dazu möchte ich beitragen, was ich kann. Auch meinen Kindern zuliebe.»

Auf Stadtgebiet wurden ebenfalls Laichgebiete geprüft. Darunter auf Dreiweieren, wo die Lebensbedingungen für Amphibien verbessert wurden. Oder am Bildweiher, wo schon seit Jahren ein Amphibienleitwerk diskutiert wird. «Das ist mit hohen Kosten verbunden und hat auch Nachteile. Deshalb wäre es vielleicht besser, entlang der Sitter bessere Lebensbedingungen zu schaffen.» Auch diesem Thema wird sich Barandun nun mit seinem Beratungsbüro widmen.

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