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Im Dienste der Kinder

TROGEN. Das Pestalozzidorf in Trogen nimmt seit 30 Jahren keine Kriegswaisen mehr auf, sondern unterstützt Bildungsprojekte in den Entwicklungsländern. Davon profitieren 445 000 Kinder, Eltern, Lehrer und Behördenmitglieder rund um den Globus.
Christa Wüthrich
Das Kinderdorf Pestalozzi unterstützt Kriegswaisen seit 30 Jahren direkt in ihren Heimatländern. (Bild: Marcel Giger/Kinderdorf Pestalozzi)

Das Kinderdorf Pestalozzi unterstützt Kriegswaisen seit 30 Jahren direkt in ihren Heimatländern. (Bild: Marcel Giger/Kinderdorf Pestalozzi)

Erschüttert ein kriegerischer Konflikt die Welt, wenden sich die Menschen immer wieder mit der gleichen Frage an die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi: «Warum nimmt das Kinderdorf keine Kinder aus Kriegsgebieten mehr auf? So wie früher, als Waisen aus Vietnam, dem Libanon oder Kambodscha in Trogen eine neue Heimat fanden.» Wer heute im Kinderdorf nach Kriegswaisen sucht, wird nicht mehr fündig.

«Schon als das Dorf vor mehr als 60 Jahren gegründet wurde, war die Strategie, Kriegswaisen nach Trogen zu bringen, umstritten. Wäre es nicht besser, die Kinder vor Ort zu betreuen, fragte man sich schon damals», sagt Urs Karl Egger, Vorsitzender der Geschäftsleitung der Stiftung Kinderdorf Pestalozzi. «Später zeigte die Erfahrung, dass die Flüchtlingskinder sich an das Leben in der Schweiz gewöhnten und nicht mehr in ihre Heimat zurückkehrten.»

Qualität heisst keine Korruption

Die 1945 gegründete Stiftung hatte sich 1982 zu einem Kurswechsel entschieden: Kinder und Jugendliche werden nun durch Bildungsprojekte direkt in ihrer Heimat betreut und gefördert. Heute profitieren rund 445 000 Kinder, Jugendliche, Lehrpersonen, Eltern und Behörden rund um den Globus vom Engagement des Kinderdorfes. Für die Umsetzung vor Ort sind lokale Partnerorganisationen zuständig. Der rote Faden durch alle Projekte ist das Recht auf Bildung. Doch wie kann dieses Recht und der Erfolg der Projekte überprüft werden?

«Unser Ziel ist es, die Bildungssysteme in den Projektländern nachhaltig zu verändern – und das braucht Zeit», erläutert Urs Karl Egger. Erfolge seien aber sicht- und messbar. In Serbien wurde durch das Engagement der Partnerorganisationen der interkulturelle Unterricht in den offiziellen Lehrplan aufgenommen. In Äthiopien sind heute Schulen, welche durch die Stiftung aufgebaut wurden, Teil des öffentlichen Schulsystems und prägen dieses. Und in Mazedonien schliessen dank der Unterstützung aus Trogen mehr Roma-Jugendliche als jemals zuvor eine Sekundarschule ab. Weltweit unterstützt die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi zwölf Projekte und droht damit im Vergleich mit Organisationen wie World Vision zu verschwinden. Was zählt, sei nicht die Grösse der Organisation, sondern die Qualität, ist sich Egger sicher. Qualität, das bedeutet unter anderem keine Korruption, klare Kommunikation und die effektive Umsetzung der Projekte vor Ort. Die beiden letzten Punkte sind in Ländern wie Eritrea und Burma schwierig. «In Eritrea mussten wir unser Engagement beenden. Mitglieder der Partnerorganisationen wurden vor Ort bedroht und verhaftet. In Ländern wie Burma lässt das Regime Kinderrechtsprojekte nicht zu. Um trotzdem Projekte zu realisieren, verwenden wir andere Formulierungen wie zum Beispiel <schulische Förderung der Kinder> », sagt Egger.

Das Herz der Stiftung

Eine andere Bezeichnung hat die Geschäftsleitung auch für das Kinderdorf Pestalozzi in Betracht gezogen. Zwar sind heute immer noch Kinder und Jugendliche im Rahmen von interkulturellen Projekten im Dorf zu Gast. Doch so omnipräsent wie früher sind die Kinder nicht mehr.

Ist das Kinderdorf Pestalozzi zu einem leeren Versprechen, zu einer veralteten Beschreibung ohne Realitätsbezug geworden? «In keiner Weise», sagt Urs Karl Egger. «Das Kinderdorf ist das Herz der Stiftung. Als Institution ist es in der Schweiz bekannt und verwurzelt. Es ist eine Marke, die wir in den nächsten Jahren nicht verändern.»

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