Im Bann des grossen Regens

Schwül-heisse Tage, dazwischen heftige Gewitter: Es ist Sommer – instabile Tiefdrucklagen sind jetzt nichts Aussergewöhnliches. Die Folgen für die, die das Gewitter aber trifft, sehr wohl.

Markus Wehrli
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Über zu knappen Regen kann in der Ostschweiz kaum jemand klagen. Nach den verheerenden Niederschlägen am Sonntag im Appenzellerland hat es in der Nacht auf Mittwoch zwischen Säntis und Bodensee abermals wie aus Kübeln gegossen. Stellenweise fielen bis zu 30 Liter pro Quadratmeter – die Schäden blieben aber gering. Spielt das Wetter eigentlich verrückt? Alles schon dagewesen, heisst es dazu bei MeteoSchweiz. Und doch: «In der gegenwärtigen Wetterlage ist eine Häufung der Gewitter auszumachen. Alltäglich ist das nicht», sagt Heinz Maurer, Meteorologe bei MeteoSchweiz.

Typisches Sommerphänomen

Unwetter wie am Wochenende im Appenzellischen brennen sich ins Gedächtnis. Im August 2009 etwa gingen heftige Niederschläge im Gebiet Eichberg-Altstätten-Oberriet nieder, die schweren Überschwemmungen richteten katastrophale Schäden an. Und im Juli des vergangenen Jahres tobte ein Gewitter mit Hagelschlag im Schilstal bei Flums. 45 Personen mussten evakuiert werden – die hochgehende Schils hatte Brücken und Strassen mitgerissen.

Die neusten Unwetter kommen für den Meteorologen nicht überraschend. Im Sommer seien die Niederschlagsmengen grundsätzlich höher als im übrigen Jahr, sagt Maurer. Und bei der derzeitigen Tiefdrucklage – begleitet von instabiler Witterung mit wechselndem Zustrom von heisser und kalter Luft – müsse mit ergiebigen Regenfällen und starken Gewittern gerechnet werden. «Das passt durchaus zum Bild des Sommers», sagt Maurer. Besserung steht nicht unmittelbar bevor: Die Tiefdrucklage werde bis nächste Woche anhalten.

Schaden für Bauern mässig

Einen Trend zu häufigeren Unwettern kann der Meteorologe indes nicht ausmachen. Die Temperaturen stiegen im Durchschnitt zwar, und damit sei das Potenzial für heftige Unwetterereignisse gegeben. «Ihre Zunahme dürfte sich letztlich aber in Nuancen halten», sagt Maurer – was nicht heisse, dass es nicht doch schlimm für diejenigen sei, die es treffe.

Betroffen ist unter anderem – mit lokal grossen Unterschieden – auch die Landwirtschaft. Nach dem trockenen Winter und Frühling habe es in der Ostschweiz seit Juni ausreichend geregnet, sagt Andreas Schwarz, Fachstelle Pflanzenschutz des Landwirtschaftlichen Zentrums in Salez. Die negativen Folgen der jüngst ergiebigen Regenfälle schätzt er übers Ganze gesehen als eher mässig ein.

Hoffen auf trockenere Zeiten

«Wechselhaftes Wetter mit höheren Temperaturen und grosser Feuchtigkeit kann aber bei Kartoffeln oder Erdbeeren zu Kraut- oder Fruchtfäule führen», sagt Schwarz. Wo lokal sehr starker Regen niedergehe, bestehe zudem die Gefahr, dass die Äcker verschlammten oder erodierten und Kartoffeln oder etwa Rüebli freigeschwemmt würden. Auch im Hinblick auf das Getreide wünscht sich Schwarz weniger Regen. Die Niederschläge verzögerten die Ernte – wenn es nicht bald trocken werde, könne es sein, dass die Getreidekörner noch am Halm zu keimen begännen.

Heftige Sommergewitter sind nichts Aussergewöhnliches, können, wie 2009 in Eichberg, aber verheerende Folgen haben. Sollte es weiterhin nass bleiben, fürchten die Bauern um die Getreideernte. (Bilder: Hanspeter Schiess/Reto Martin)

Heftige Sommergewitter sind nichts Aussergewöhnliches, können, wie 2009 in Eichberg, aber verheerende Folgen haben. Sollte es weiterhin nass bleiben, fürchten die Bauern um die Getreideernte. (Bilder: Hanspeter Schiess/Reto Martin)