Im Alter steigt die Zahl der Depressionen

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Seelische Erkrankungen bei Menschen ab 50 sind bisher kein Thema, das die Schlagzeilen füllt. Dabei steigt die Zahl von Depressionen im Alter markant an, wie Statistiken von Krankenkassen und Bundesamt belegen. «Bis zu 25 Prozent sind betroffen», sagt die Münchner Psychiaterin Christine Amrhein dazu. Aber nur ein kleiner Teil werde behandelt.

Auch die Zahl der Suizide erreicht zwischen 50 und 65 einen Höhepunkt – daran sterben mehr Menschen als an Verkehrsunfällen, Mord und Totschlag, Aids und illegalen Drogen zusammen. Als wichtige Auslöser für Suizide gelten Depressionen und Alkoholsucht, aber auch die oft schmerzhaften Veränderungen durch den natürlichen Alterungsprozess.

So sind Menschen ab 50 häufiger langzeitarbeitslos. «Sie machen rund 40 Prozent aus», weiss Martin Flügel, ehemaliger Präsident des Dachverbandes Travail Suisse. Weitere Risikofaktoren sind der Verlust des Partners und der Vitalität, das Gefühl der Nutzlosigkeit sowie Angst vor dem Alter. Doch nur ein Viertel der Betroffenen nehme professionelle Hilfe in Anspruch, ergänzt Amrhein.

Dabei arbeite man heute längst nicht mehr mit dem «Defizitmodell», das Altern als Niedergang betrachte. «Wir nehmen das Älterwerden als positiv wahr, als Lernprozess, der aktiv und selbstbestimmt mitgestaltet wird». In Deutschland mahnten denn auch 20 Chefärzte und 4000 Fachleute in einem Aufruf, bei aller Orientierung aufs Materielle die inneren Werte und die Sinnverbundenheit nicht zu unterschätzen. «Wir brauchen einen Diskurs über die Bedeutung des Subjektiven, des Seelischen, des Geistig-Spirituellen und des sozialen Miteinanders.» (rm)