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IHK-Vize Robert Stadler kündigt und verzichtet auf Nationalratskandidatur

Der stellvertretende Direktor der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell, Robert Stadler, wirft den Bettel hin und verzichtet auf die Nationalratskandidatur für die FDP. Der Abgang ist Ausdruck eines tiefergehenden Konflikts.
Andri Rostetter
Robert Stadler, stellvertretender Direktor der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell, gibt seinen Posten auf. Eine neue Stelle hat er noch nicht. (Bild: PD)

Robert Stadler, stellvertretender Direktor der Industrie- und Handelskammer (IHK) St.Gallen-Appenzell, gibt seinen Posten auf. Eine neue Stelle hat er noch nicht. (Bild: PD)

Er ist noch keine drei Monate im Amt, sieht sich aber bereits mit ersten Turbulenzen konfrontiert. Markus Bänziger, seit November 2018 Direktor der Industrie- und Handelskammer St.Gallen-Appenzell (IHK), muss sich einen neuen Stellvertreter suchen. Robert Stadler, die Nummer zwei am noblen IHK-Hauptsitz im St.Galler Klosterviertel, hat überraschend gekündigt. Stadler, seit 2014 stellvertretender Direktor, bleibt noch bis zum Ablauf der ordentlichen Kündigungsfrist Ende Mai im Amt. Eine neue Stelle hat der 40-Jährige noch nicht in Aussicht.

Stadler kehrt nicht nur der IHK den Rücken, der FDP-Mann verzichtet auch auf eine Nationalratskandidatur. An der Delegiertenversammlung am Donnerstag in Buchs zog er seine Bewerbung offiziell zurück. Die FDP-Regionalpartei St.Gallen-Gossau hatte ihn zusammen mit Mittelschulrektor Mathias Gabathuler und der Anwältin Susanne Vincenz-Stauffacher nominiert; Vincenz-Stauffacher ist auch Ständeratskandidatin der FDP.

Die FDP ist enttäuscht

«Wir sind natürlich enttäuscht über Robert Stadlers Entscheid», sagt FDP-Geschäftsführer Christoph Graf. «Als Vertreter eines Wirtschaftsverbandes wäre er eine ideale Besetzung gewesen.» Die Partei muss jetzt so rasch wie möglich einen Ersatz für Stadler suchen.

Die IHK hat Stadlers Kündigung bis jetzt nicht kommuniziert. Auch Stadler will seinen Abgang nicht kommentieren. Was den Verzicht auf die Nationalratskandidatur angehe, sei von Anfang an klar gewesen, dass diese im Zusammenhang mit seinem Posten bei der IHK stehe. Mit seiner Kündigung werde also auch die Kandidatur hinfällig.

Zwist mit dem neuen IHK-Direktor?

Markus Bänziger, Direktor IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Markus Bänziger, Direktor IHK St.Gallen-Appenzell. (Bild: Urs Bucher)

Was ist mit der verschiedentlich kolportierten Aussage, Stadler habe das Heu nicht auf der gleichen Bühne wie Bänziger und werfe deshalb den Bettel hin? «Das ist masslos übertrieben, es gibt keinen Hauskrach in der IHK», sagt Markus Bänziger auf Anfrage. Das Verhältnis zu Stadler sei «unbelastet». Das sei auch am Umstand abzulesen, dass Stalder noch bis Ende Mai bleibe. Bänziger sagt:

«Es ist klar, dass es bei einem Führungswechsel zu personellen Änderungen kommen kann.»

Und weiter:

«Ich arbeite anders als mein Vorgänger Kurt Weigelt, ich bin ein anderer Typ.»

Bänzigers Abgrenzungsrhetorik steht allerdings im Widerspruch zur aktuellen Personalsituation in der IHK. Weigelt ist nach wie vor im Hintergrund tätig, offiziell als «persönlicher Mitarbeiter» von Bänziger, inoffiziell als graue Eminenz im Hintergrund mit entsprechendem Einfluss. Bänziger geniesse sein «volles Vertrauen», sagt Weigelt auf Anfrage knapp.

Tatsächlich galten Weigelt und Stadler als eingespieltes Duo mit klarer Rollenverteilung. Weigelt war der Chef, Stalder der Vize.

Weigelt war für die grossen Würfe zuständig, für die Prestigeprojekte. IT-Offensive, ETH-Aussenstandort, Spitalpolitik. Stadler machte im Hintergrund die Knochenarbeit.

In der jüngeren Vergangenheit zeigte zwar auch der Vize immer häufiger sein Gesicht an der Öffentlichkeit, Weigelts Rückzug wurde spürbar. Damals hiess es, Stadler bringe sich in Stellung als Nachfolger für den Direktorenposten.

In Weigelts Kielwasser

Der IHK-Vorstand entschied sich dann aber für Bänziger – und damit für einen Kurswechsel. «Der Vorstand wollte keine Kurt-Weigelt-Kopie», sagte Bänziger im Interview mit unserer Zeitung im November. Nicht, weil Weigelt einen schlechten Job gemacht hätte. «Aber es kommt nicht gut, wenn man jemanden mit dem gleichen Profil sucht.»

In der Rückschau liest sich diese Aussage wie ein Wink an Stadler, der sich in Weigelts Kielwasser bewegte. Bänziger, selber mehrere Jahre Exekutivpolitiker in Teufen, schwebt ein Kurs vor, der weniger mit regierungskritischen Parolen Furore macht als mit «konstruktiven Vorschlägen».

Er sehe sich als «Impulsgeber und Brückenbauer», sagte er im November. «Wenn Initianten den Exekutivpolitikern zuerst einmal eins an die Ohren geben, wenn sie etwas wollen, dann führt das nicht zum Ziel.»

Die IHK empfiehlt den CVP-ler als Ständerat - ein Affront?

Bänziger ist jetzt zwar die Nummer eins im Wirtschaftsverband. Sein Stellvertreter hat aber die deutlich besseren Kontakte zur FDP-Parteizentrale. HSG-Absolvent Stadler war von 2006 bis 2010 Geschäftsführer der Partei, er kennt den St.Galler Freisinn von innen.

Bänziger ist zwar ebenfalls FDP-Mitglied, aber als Ausserrhoder in der St.Galler Kantonalpartei nur beschränkt vernetzt. Diese ohnehin kaum vertiefte Freundschaft zwischen Bänziger und der St.Galler FDP hat diese Woche zusätzlichen gelitten. Die IHK empfahl CVP-Regierungsrat Benedikt Würth für den freien St.Galler Ständeratssitz – und nicht die FDP-Kandidatin Susanne Vincenz-Stauffacher.

FDP-Geschäftsführer macht seinem Ärger Luft

FDP-Geschäftsführer Christoph Graf machte daraufhin seinem Ärger via Facebook Luft. «Hängt das vielleicht damit zusammen, dass besagter Regierungsvertreter im Verwaltungsrat der St.Galler Kantonalbank AG sitzt, deren CEO die IHK St.Gallen-Appenzell präsidiert? Böse Zungen könnten das behaupten», schrieb er.

Graf spielt damit auf die Verbandelung zwischen Roland Ledergerber und Benedikt Würth an. Als Regierungsrat sitzt Würth von Amtes wegen im Verwaltungsrat der St.Galler Kantonalbank und ist damit ein Vorgesetzter von Kantonalbank-CEO Ledergerber, der wiederum den IHK-Vorstand präsidiert.

Man sei zwar von Vincenz-Stauffacher wie von Würth gleichermassen überzeugt gewesen, teilte die IHK nach der Anhörung der Kandidaten mit. Den Ausschlag für die Wahlempfehlung zugunsten von Würth habe schliesslich dessen Gewicht in Bundesbern gegeben. «Als äusserst erfahrener Politiker traut ihm der IHK-Vorstand eher zu, Blockaden lösen zu können und eine starke Stimme im Bundesparlament zu werden.»

«Der Kantonalbank-Chef hätte in den Ausstand treten sollen»

Die FDP stört sich nicht in erster Linie an der Wahlempfehlung für Würth; dass die selbständige Anwältin und Neo-Kantonsrätin Vincenz-Stauffacher weniger politisches Gewicht in die Waagschale werfen kann als Profipolitiker Würth, weiss man auch im Freisinn. Weniger Freude herrscht dagegen über die Rolle des Kantonalbank-Chefs. «Roland Ledergerber hätte in den Ausstand treten sollen», sagt FDP-Geschäftsführer Graf.

Es ist nicht das erste Mal, dass die IHK die FDP in einer Personalfrage übergangen hatte. 2016 installierte der Wirtschaftsverband SVP-Kantonsrat Michael Götte als «Leiter kantonale Politik» - ein Posten, den es bis dato gar nicht gegeben hatte.

Obwohl Götte ein gemässigter Vertreter seiner Partei ist, öffnete sich schon damals ein Graben zwischen dem Freisinn und dem Wirtschaftsverband, zumal die SVP auf nationaler Ebene nicht unbedingt mit wirtschaftsfreundlichen Positionen glänzte. Mit dem Abgang von Stadler könnte sich dieser Graben noch vertiefen.

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