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Igel kommen unter die Räder – zu Besuch in der Igelstation Frauenfeld

Die Igelstationen in der Region päppeln verletzte und geschwächte Tiere auf. Bis zum
Winter müssen diese an Gewicht zulegen. Gefahr geht von Autos und Mährobotern aus.
Fiona Helg
Ein Igel auf Futtersuche in einem Garten. Im Herbst müssen die Tiere besonders viel fressen, um sich für den Winter zu stärken. (Bild: KEYSTONE/Steffen Schmidt)

Ein Igel auf Futtersuche in einem Garten. Im Herbst müssen die Tiere besonders viel fressen, um sich für den Winter zu stärken. (Bild: KEYSTONE/Steffen Schmidt)

«Uns wurden schon Igel gebracht, deren Füsschen abgetrennt waren oder deren Hälse tiefe Schnitte hatten», sagt Monika Montoli, Leiterin der Igelstation Frauenfeld. Verursacht haben diese schweren Verletzungen automatische Mähroboter. Mähgeräte sind jedoch lediglich eine von vielen menschgemachten Gefahren für Igel. Weiter sind Swimmingpools und Zäune tödliche Fallen für die Tiere, Pestizide führen zu Vergiftungen. «Es wird zu viel gemacht in den Gärten», sagt Montoli.

Sie arbeitet bereits seit fünf Jahren ehrenamtlich in der Igelstation. Momentan betreut sie zusammen mit acht weiteren ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen etwa zwölf Igel in Frauenfeld. Nebst Verletzten, hat es auch einige, welche zu spät im Jahr zur Welt gekommen sind und so keine Chance mehr haben, sich bis zum Wintereinbruch genügend Reserven anzufressen.

Biodiversität leidet unter Perfektionismus

Monika Montoli weiss, dass sterile Gärten ein Problem für Igel darstellen, weil die Tiere dort keinen Unterschlupf und kaum Nahrung finden. Nicht nur die Igel, sondern die gesamte Biodiversität leide unter den «gestylten Gärten mit drei Zentimeter Rasen und Mährobotern». Ursprünglich konnten Igel etwa acht Jahre alt werden, heute werden sie meist nur noch zwei Jahre alt. In den vergangenen Jahren hat Montoli viel über Igel gelernt. Sie ist im Umgang mit ihrem Garten und auch ganz allgemein mit der Natur aufmerksamer geworden.

«Mein Garten sieht jetzt anders aus als vor fünf Jahren.»

Beispielsweise lasse sie im Herbst für die Igel Laubhaufen zurück, welche die Tiere dann für das Nest zum Überwintern nutzen. Doch Igel bleiben nicht nur in einem Garten. «Sie haben Reviere von bis zu zwei Quadratkilometern», sagt Montoli. Beim Durchstreifen dieser Reviere müssen Igel häufig Strassen überqueren. Dabei laufen sie Gefahr, überfahren zu werden. Besonders häufig trifft es die Männchen, da sie in der Paarungszeit auf der Suche nach einer Partnerin grosse Strecken zurücklegen.

Auch der heisse Sommer und die anhaltende Trockenheit zwang die Igel vermehrt dazu, Strassen zu überqueren. «Die Igel mussten weite Wege zurücklegen um Wasser zu finden», sagt Montoli. Verdursten ist eine häufige Todesursache der Tiere. Deshalb sollte, wenn ein Igel im Garten entdeckt wird, ein flaches Wasserschälchen zur Verfügung gestellt werden. Und Autofahrer sollten stets konzentriert und angepasst fahren.

«Jeder Igel ist eine Persönlichkeit»

Für Monika Montoli sind die Wildtiere etwas ganz Besonderes: «Jeder Igel ist eine Persönlichkeit.» Sie beschreibt Igel als sehr geduldige Tiere, aber wie bei den Menschen gebe es auch solche, die bei der Pflege weniger geduldig sind. Momentan versuchen Igel möglichst viel zu fressen. Vor dem Winterschlaf ist dies unerlässlich für die Wildtiere, da sie während dem Überwintern 20 bis 30 Prozent ihres Körpergewichts verlieren. Ein gutes Gewicht zum Überwintern liegt bei ausgewachsenen Igeln zwischen 800 und 1500 Gramm, bei Jungtieren um die 600 Gramm. Wird ein Igel gefunden, dessen Gewicht unter dem angemessenen Rahmen liegt, kann er mit Katzennassfutter aufgefüttert werden. Besteht jedoch keine Chance für das Tier, das optimale Gewicht bis zum Beginn des Winterschlafes im November zu erreichen, sollte es in erfahrene Betreuung gegeben werden.

Auch verletzte, übermässig stark von Parasiten befallene Igel und solche, die am Tag unterwegs sind und apathisch wirken, sind ein Fall für die Igelstationen. In der Ostschweiz unterstützt der Ostschweizer Igelfreunde-Verein die Igelstationen in Frauenfeld und Mels. Ein weiterer Standort des Vereins ist Winterthur. In den Igelstationen kümmern sich Ehrenamtliche wie Monika Montoli rund um die Uhr um die kleinen Patienten.

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