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«Ich wollte die Frau nie wirklich töten»: Freispruch für St.Galler IV-Rentner nach Drohungen

Das Kreisgericht Mels hat ein Urteil gefällt, das zur Entstigmatisierung von Psychiatrie-Patienten beitragen könnte.
Reinhold Meier
Am Kreisgericht in Mels musste sich der Angeklagte wegen Todesdrohungen verantworten. (Bild: Patrick Gutenberg)

Am Kreisgericht in Mels musste sich der Angeklagte wegen Todesdrohungen verantworten. (Bild: Patrick Gutenberg)

Die Anklage hatte dem heute 42-Jährigen vorgeworfen, eine Mitarbeiterin der Sozialversicherungsanstalt SVA mehrfach mit dem Tod bedroht zu haben. Dies, nachdem man dem IV-Rentner eine kritische Überprüfung seines Rentenanspruchs in Aussicht gestellt hatte. Er habe daraufhin wiederholt angekündigt, er würde die Sachbearbeiterin töten. Mit seiner Drohung habe er die Mitarbeiterin von der Untersuchung abhalten wollen.

Dafür sollte eine Freiheitsstrafe von zwei Monaten fällig sein, forderte die Staatsanwaltschaft. Sie könne «gerade noch» bedingt ausgesprochen werden, bei einer extra hohen Probezeit von drei Jahren, wegen angeblich hoher Rückfallgefahr. Zudem solle eine Weisung ausgesprochen werden, die laufende psychiatrische Behandlung fortzusetzen und ferner noch eine spezielle Therapie zu starten, bei der er sich seiner Aggressionsthematik zu stellen habe.

Gewaltgedanken kommen von Trauma

Vor dem Kreisgericht Mels präsentierte sich der Beschuldigte aufgeräumt und kooperativ. Er hat sich zu allen Fragen ruhig erklärt und einen glaubwürdigen Eindruck hinterlassen. Er betonte, dass er zum fraglichen Zeitpunkt krank gewesen sei, dies auch selbst bemerkt hätte und darum um psychiatrische Hilfe nachgesucht habe. Nie habe er die besagte Frau wirklich töten wollen. Vielmehr hätten ihn die Fantasien gleichsam überfallen und geplagt. Das Gericht gelangte in der Würdigung der konkreten Umstände denn auch zu der Auffassung, dass der Mann freizusprechen sei.

Dies vor allem, weil die Gewaltfantasien tatsächlich krankheitsbedingt aufgetreten seien. Als Betroffener einer posttraumatischen Belastungsstörung seien die Gedanken, Vorstellungen und Fantasien ungewollt in ihm aufgestiegen. Er habe sie nicht willentlich steuern können. Dieses Phänomen ist namentlich bei Opfern von Gewalt oder Kriegshandlungen gut bekannt und dokumentiert. Ein vergleichsweise kleiner Auslöser kann dann das erlittene Trauma wieder wachrufen, als wäre es eben geschehen und den Betroffenen so intensiv überschwemmen, dass er ihm wehrlos gegenübersteht.

Drohungen nur in Therapie geäussert

Genau dies sei bei dem Angeklagten der Fall gewesen, erklärte das Gericht und stützte sich dabei auf ein Gutachten. Dieses hielt sinngemäss fest, es sei dem Mann unmöglich gewesen, die Gewaltbilder ohne Hilfe aus seinem inneren Erleben zu verbannen. Es komme hinzu, dass er die Drohungen nie gegenüber der Sachbearbeiterin persönlich ausgestossen habe, sondern nur während der Therapie. Er habe nur gegenüber Polizei und Ärzten erklärt, er habe solche Tötungsbilder im Kopf. Um von diesen loszukommen, habe er gerade unverzüglich Hilfe gesucht und sich in therapeutische Behandlung gegeben.

Daraus könne ihm kein Strick gedreht werden, befand das Gericht. Denn es sei kaum nachvollziehbar, jemanden dafür zu bestrafen, der sich Hilfe hole, um krankheitsbedingte Gedanken loszuwerden, hiess es.

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