"Ich wollte das nicht hinnehmen"

Betrüger erleichtern Facebook-Nutzer um Hunderte von Franken. Die Thurgauerin Desirée Müller hat sich gewehrt – und ihr Geld zurückerhalten.

Daniel Walt
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Desirée Müller. (Bild: pd)

Desirée Müller. (Bild: pd)

Desirée Müller hatte ihre Kollegin schon lange nicht mehr gesehen. Deshalb freute sie sich, als sie über das soziale Netzwerk Facebook eine Freundschaftsanfrage von ihr erhielt. Müller akzeptierte sie. "Hoi Desirée, wie gohts?", schrieb ihr die Kollegin in der Folge und fragte sie nach ihrer Handynummer. Die 30-Jährige aus Bottighofen teilte ihr diese gerne mit. Und bereitete damit den Boden für eine perfide Betrügerei. "Rückblickend muss ich sagen, dass ich naiv war", bekennt Müller freimütig.

Desirée Müller. (Bild: pd)

Desirée Müller. (Bild: pd)

Codes weitergeleitet
Kaum hatte die Kollegin Desirée Müllers Natelnummer erhalten, nahm die Sache ihren Lauf. Als nächstes behauptete sie, sie stehe mit einem Kollegen in einem Wettstreit. Es gehe darum, möglichst viele Codes zu sammeln. Sie forderte Müller in der Folge auf, ihr Codes weiterzuleiten, welche die Thurgauerin auf ihr Natel bekam. Die 30-Jährige tat, wie ihr geheissen – insgesamt vier Mal. Bis plötzlich ein Bestätigungs-SMS einer Firma namens Boku einging. Das Unternehmen ist auf Zahlungen per Natel spezialisiert. Mit dem Weiterleiten der Codes hatte Desirée Müller jener unbekannten Person, die sich auf Facebook als ihre Kollegin ausgab, Chips für Facebook-Spiele finanziert – für insgesamt 400 Franken.

In jüngster Vergangenheit wurden immer wieder Betrügereien dieser Art bekannt - bereits eine junge Toggenburgerin berichtete Anfang Woche öffentlich darüber, dass sie so um 700 Franken gebracht worden sei.

Anzeige erstattet
Als Desirée Müller den ersten Schrecken verdaut hatte, machte sie Printscreens der gesamten Kommunikation mit der unbekannten Person, der sie auf den Leim gegangen war. "Für mich stand fest, dass ich mich wehren wollte", sagt sie. Wäre es nur um 50 Franken gegangen, hätte sie sich möglicherweise anders entschieden. "Aber 400 Franken? Das wollte ich nicht einfach so hinnehmen. Zudem ging es mir auch ums Prinzip", sagt die Thurgauerin.

Sowohl die Swisscom als auch Facebook teilten ihr auf Anfrage mit, dass sie nichts für Müller tun könnten. In der Folge rief sie die Firma Boku an, welche die Zahlungen abgewickelt hatte – und erfuhr, dass das Unternehmen immer wieder mit Missbräuchen zu kämpfen hat. Als nächsten Schritt reichte Müller bei der Polizei eine Anzeige gegen Unbekannt ein. Dies nahm die Firma Boku schliesslich zum Anlass, um Müller die 400 Franken zurückzuerstatten – "aus Kulanz", wie Müller betont. Aufgrund der Anzeige sowie der Printscreens nahm das Unternehmen der 30-Jährigen offenbar ab, dass sie Opfer eines Betrugs geworden war.

Nicht aus Schamgefühl schweigen
Mit einem blauen Auge davongekommen, hat Desirée Müller ihre Lehren aus der Angelegenheit gezogen. "Man kann nicht genug vorsichtig sein im Internet", sagt sie. Die 30-Jährige rät dazu, bei merkwürdigen Facebook-Anfragen selbst von angeblichen Freunden bereits zu einem frühen Zeitpunkt eine Sicherheitsfrage zu stellen, damit Betrüger rasch auffliegen. Wird jemand trotzdem zum Opfer eines Betrugs, rät Müller dazu, sich nicht von allfälligen Schamgefühlen abhalten zu lassen und auf jeden Fall Anzeige zu erstatten. "Mein Fall zeigt, dass das durchaus etwas bringen kann", hält sie abschliessend fest.

Auch Polizei rät zur Anzeige

"Wer Opfer von Betrügereien wird, soll Anzeige erstatten", sagt Matthias Graf, Sprecher der Kantonspolizei Thurgau. So könne die Polizei die Hintergründe der Tat ermitteln. Gleichzeitig erhalte sie Einblick in neue Maschen von Betrügern. "So können wir auch präventiv wirken und die Öffentlichkeit bei Bedarf via Medien oder auch Facebook vor Tricks warnen", sagt Graf. Dieser Einschätzung schliesst sich Gian Andrea Rezzoli von der St.Galler Kantonspolizei an. Im Online-Bereich seien Ermittlungen zwar schwierig, weil Täter oftmals vom Ausland aus operierten. "Aber Chancen auf Erfolg bestehen immer", so Rezzoli. (dwa)

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