«Ich werde es wieder und wieder versuchen»: Wie ein Deutscher an der Dreifaltigkeit die schwierigste Kletterroute im Alpstein schaffen will

«Ich werde es wieder und wieder versuchen»: Wie ein Deutscher an der Dreifaltigkeit die schwierigste Kletterroute im Alpstein schaffen will

Der deutsche Profikletterer Michael Wohlleben will die schwierigste Kletterroute im Alpstein erstellen. Dazu will er die Dreifaltigkeit mit ihrer über 150 Meter hohen Felswand bezwingen. Aktuell fehlen ihm noch acht Meter bis zum Gipfel.

Raphael Rohner
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«Ich hätte es fast geschafft», sagt der 30-jährige Profikletterer Michael Wohlleben aus Deutschland. Michi, wie man ihn nennt, arbeitete über 15 Tage an einer neuen Kletterroute an der rund 150 Meter hohen Felswand der Dreifaltigkeit im Alpstein. Sie soll die schwierigste Kletterroute der ganzen Region werden. «Die steile, ausgewaschene Felswand als erster in einer neuen Route zu versuchen, ist ein Traum von mir», sagt Wohlleben, der während der Corona-Zeit im Fels neue Haken installiert hat.

Es soll die schwierigste Kletterroute des Alpsteins werden

In der Wand existieren bereits zwei weitere Kletterrouten, eine wurde bei der Erstbesteigung der Dreifaltigkeit im Jahr 1959 von den Alpinisten Franz Grubenmann und Ruedi Solenthaler angelegt. Die zweite Route mit dem Namen «Parzival» gilt als die schwierigste Route im Alpstein. Seit der Erstbesteigung im Jahr 2008 von Markus Hutter und Fabio Lupo versuchten zahlreiche Kletterer die Route und konnten sie nie ohne Sturz klettern. Erst Michael Wohlleben schaffte die ganze Route im Mai 2017 auf Anhieb.

Michael Wohlleben versucht einen schwierigen Boulder zu meistern.

Michael Wohlleben versucht einen schwierigen Boulder zu meistern.

Bild: PD

Die neue Route ist für den Profi eine besondere Herausforderung: «Es ist anspruchsvoll, in dieser enorm schwierigen Wand eine kletterbare Route zu suchen und sie dann auch in diesem Stil, der mir vorschwebt, klettern zu können.» Man habe schliesslich keine Ahnung, wohin man müsse, wo die Griffe seien und wie man durch die Wand komme.

In der Wand werden Bohrlöcher für neue Sicherungen angebracht.

In der Wand werden Bohrlöcher für neue Sicherungen angebracht.

Bild: PD

Besonders schwierig sei auch das Anbringen der neuen Sicherungshaken im Fels. Dabei sichert sich Wohlleben lediglich mit einem kleinen sogenannten Cliffhanger, einer Art Haken an der Felswand und muss zeitgleich Löcher bohren. «Ich bin schon gesichert da oben, aber wenn ich dann noch an die Bohrmaschine muss, kann es schon mal sein, dass der Cliff rausspickt und ich einige Meter runter ins Seil falle - jedes Mal ein ziemlicher Adrenalinschub», sagt Wohlleben.

Ein Cliffhanger reisst aus der Wand:

Am Fels zeigt sich die Schwierigkeit der Route deutlich, wie Videoaufnahmen des Mannes zeigen: Nur ganz kleine, millimetergrosse Felsvorsprünge bieten den gekalkten Händen des Kletterers Halt und ermöglichen es ihm, Meter um Meter hochzuklettern. Wohlleben schnaubt und flucht. Versucht an einer Stelle einen Griff zu finden, verlagert sein Gewicht. Auf seinen Zehenspitzen steht er rund 100 Meter über dem Talboden. Mit den Fingerspitzen versucht er eine kleine schroffe Kante zu greifen und sich daran neuen Halt zu verschaffen – und rutscht aus. Wohlleben fällt rund vier Meter hinunter ins Seil und zappelt wild. Er flucht über den glatten Fels, boxt gegen die Wand und sammelt sich wieder:

«Geil, oder?»

Kaum runtergefallen, ist Michael Wohlleben wieder an der gleichen Stelle und versucht sie anders zu passieren. Immer und immer wieder fällt er hinunter. «Genau darum geht es am Ende des Tages: Man versucht kleine Probleme zu lösen, die am Ende das Erklimmen der ganzen Wand ermöglichen. Es ist eine Aufgabe, bei der man enormen Biss haben muss» sagt der gebürtige Deutsche.

Bild: PD

Noch fehlen Michael Wohlleben rund acht Meter bis zum Gipfel und zur endgültigen Bezwingung der Dreifaltigkeit über seine neue Route. Er könnte die letzten Meter eigentlich in einem leichteren Stil überwinden, will jedoch seiner Art treu bleiben: «Ich möchte nicht einfach Löcher in die Wand bohren und so schnell wie möglich rauf, ich möchte es auf die edle Art zurücklegen und so wenig Haken setzen, wie nötig.»

Der Profikletterer will im August einen neuen Anlauf nehmen und auch die letzten Meter überwinden: «Ich werde es wieder und wieder versuchen, bis ich es irgendwann geschafft habe. Das macht mich sehr glücklich.»

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