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«Ich liebe meine Kinder über alles»

Vor drei Jahren fand die Polizei in einem Wohnhaus in Staad ein totes Kind. Der dreitägige Prozess gegen die beschuldigten Eltern ist gestern zu Ende gegangen. Das Urteil steht noch aus.
Regula Weik
Das Haus der beiden Angeklagten. (Bild: Keystone)

Das Haus der beiden Angeklagten. (Bild: Keystone)

Schluchzend sitzt die beschuldigte Mutter vor den Richterinnen und Richtern. Sie ringt um Worte. «Ich würde meine Tochter gerne wieder lebendig machen», sagt sie in ihrem Schlussvotum. Sie liebe ihre Kinder über alles – «egal welches». Die heute 35-Jährige hat vier Kinder. Der älteste Sohn lebt in Deutschland; zwei Kinder sind fremdplatziert. Ihre jüngste, knapp zweijährige Tochter war im Sommer 2015 tot im Keller ihres Elternhauses in Staad aufgefunden worden. Die Mutter hatte den Leichnam in ­einen Koffer gepackt und diesen im Keller versteckt. Sie würde ihre Kinder gerne aufwachsen sehen und mit ihnen etwas unternehmen, sagt die Beschuldigte. «Das kann ich nicht, wenn ich in Haft sitze.»

Die Staatsanwaltschaft beantragt für die Mutter wegen vorsätzlicher Tötung, Verletzung der Fürsorge- und Erziehungspflichten und mehrfacher Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz eine Freiheitsstrafe von 10,5 Jahren. (Ausgaben vom 28. und 29. November).

Ihre Verteidigerin fordert ­einen Freispruch. Die Mutter habe ihre Fürsorge- und Erziehungspflicht nicht vernachlässigt – und: «Es stehen weder der Todeszeitpunkt noch die Todesursache des Kindes fest.» Diese seien auch nicht mehr feststellbar. Daher könne der Mutter «kein strafrechtlich relevanter Vorwurf» gemacht werden.

«Kalkulierend, eiskalt und ohne jegliche Rührung»

«Es ist so: Wir wissen heute nicht, woran das Kind gestorben ist. Da hat die Verteidigung recht», pflichtet ihr die Staatsanwaltschaft bei. «Aber wir müssen uns fragen: Weshalb konnte die Todesursache des Kindes nicht festgestellt werden?» Die Staatsanwaltschaft gibt die Antwort gleich selber: «Weil die Mutter die Leiche versteckte.» Die Mutter habe, nachdem sie die Tochter tot im Kinderbett im Dachzimmer gefunden hatte, «ein ­Lügengebäude aufgebaut – kalkulierend, eiskalt und ohne jegliche Rührung». Das passe nicht zur Schock- und Panikreaktion, welche die Verteidigung weismachen wolle. Auch ihre Erklärung, die Mutter habe die Tochter bei sich behalten wollen, sei fragwürdig. «Wenn die Mutter die Tochter nahe bei sich behalten wollte, weshalb packt sie das tote Kind dann in den Keller, der nicht direkt durch das Haus zugänglich ist?»

Die Staatsanwaltschaft hält auch am Vorwurf fest, der beschuldigte Vater habe «mehrmals pro Woche» Kokain gekauft, innert drei Jahren nahezu drei Kilogramm. Zwei Kilo habe er selber konsumiert, ein Kilo der Mutter weitergegeben – «ohne sich Gedanken über die Konsequenzen zu machen» für die schwangere Frau, die stillende Mutter, die gemeinsame Tochter.

Die Staatsanwaltschaft hält auch daran fest, die Eltern hätten ihre kleine Tochter immer wieder und über längere Zeit allein im Kinderzimmer und im Haus zurückgelassen. Die beiden Beschuldigten hätten wiederholt widersprüchliche Angaben zu Terminen mit Behörden und Ärzten gemacht und diese Angaben auch immer wieder geändert – «sie sind daher nicht glaubwürdig», so die Staatsanwaltschaft. Der «Detailreichtum», mit welchem sich die Mutter nun plötzlich an einzelne Termine erinnere, wirke «unglaubwürdig».

Der Verteidiger des Vaters hält daran fest: Die Vernachlässigungen der Tochter seien nicht bewiesen. Ebenso wenig seien dies die konsumierten und die weitergegebenen Drogenmengen. Er spricht denn auch von «Zufallsfunden». Die Verteidigung hatte bereits am zweiten Prozesstag konsequent alle Aussagen von Nachbarn, Ärzten, Behörden in Abrede gestellt. Am gestrigen, letzten Prozesstag betonte der Verteidiger noch einmal: «Zahlreiche Beweise sind nicht verwertbar.»

«Sie war mein Ein und Alles»

«Ich habe für meine Familie alles gemacht, was in meiner Macht stand», sagt der Vater in seinem Schlusswort. «Ich habe nie etwas getan, was meiner Tochter hätte schaden können. Um Himmelsgottwillen nein.» Mit leiser Stimme fügt er an: «Sie fehlt uns. Und sie kommt nicht mehr zurück.» Die Tochter sei sein Ein und Alles gewesen.

Die beschuldigten Eltern leben bis heute zusammen im Haus in Staad – «eine Art Wohngemeinschaft», hatte der Vater am ersten Prozesstag erklärt. Er könne jetzt «nicht einfach alles wegwerfen». Er wolle zur Ruhe kommen. Das Urteil des Kreisgerichts Rorschach wird in den nächsten Wochen erwartet.

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