«Ich kandidiere nicht aus egoistischen Motiven»: Der Innerrhoder CVP-Nationalratskandidat Thomas Rechsteiner trotzt der Kritik

Der ehemalige Säckelmeister hält auch ohne Nomination der Innerrhoder CVP an seiner Kandidatur für den Nationalrat fest. Dafür muss er Kritik einstecken.

Claudio Weder
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Thomas Rechsteiner beantwortet an der CVP-Nominationsversammlung die kritischen Fragen der Parteimitglieder. (Bild: Claudio Weder)

Thomas Rechsteiner beantwortet an der CVP-Nominationsversammlung die kritischen Fragen der Parteimitglieder. (Bild: Claudio Weder)

Thomas Rechsteiner bleibt unbeirrt: Der ehemalige Säckelmeister will trotz fehlender Nominierung durch die CVP weiterhin um den einzigen Innerrhoder Nationalratssitz kämpfen. Gestern bestätigte er, dass er in Anbetracht dessen, dass ihm der Gewerbeverband nun die Unterstützung zugesichert hat, nichts an seinem Entscheid ändern werde.

Am Mittwochabend hielten die CVP und der Gewerbeverband ihre Nominationsversammlung gleichzeitig ab. Gemäss Medienmitteilung fiel der Entscheid des Vorstands des Gewerbeverbandes klar für Rechsteiner aus. Ebenso deutlich fällte die CVP ihren Beschluss. 17 von 21 Parteimitglieder stimmten an der Nominationsversammlung dafür, Frau Statthalter Antonia Fässler ins Rennen um den Innerrhoder Nationalratssitz zu schicken.

«Partei profitiert von Doppelkandidatur»

Der unterlegene Thomas Rechsteiner hatte bereits vor der finalen Abstimmung angekündigt, dass er seine Kandidatur auch im Fall, dass er nicht nominiert werden sollte, aufrechterhalten würde. Für diesen Schritt erntete er Kritik von seinen Parteimitgliedern. Einer der Anwesenden warf dem alt Säckelmeister vor, er würde seine persönlichen Bedürfnisse über diejenigen der Partei stellen. Rechsteiner wies die Kritik zurück.

«Ich wähle diesen Weg nicht aus egoistischen Motiven.»

Er betonte, dass er weiterhin in der Partei bleiben werde und, sollte er in den Nationalrat gewählt werden, in Bern der CVP-Fraktion angehören werde. Er zeigte sich überzeugt, dass durch eine Doppelkandidatur letztlich auch die Partei profitieren könne. Er glaube nicht, dass sich die Wahlstimmen zwischen den zwei CVP-Kandidaten aufteilen würden. Er und Ruedi Eberle würden das gleiche Wählersegment ansprechen, weil sie ein ähnliches Profil hätten. «Antonia Fässlers Stimmen hingegen werden bei Martin Pfister weggehen.»

Am Donnerstag wiederholte der Versicherungsfachmann im Gespräch mit der «Appenzeller Zeitung» seine Argumente: «Die Wahrscheinlichkeit, dass am Schluss ein Mitglied der CVP das Rennen macht, ist nun grösser.» Rechsteiners Sololauf ist ein parteipolitisch aussergewöhnlicher Vorgang, allerdings hätte Antonia Fässler den gleichen Weg eingeschlagen. Sie musste sich an der Parteiversammlung ebenfalls kritischen Fragen stellen.

Auch sie hat schon im Vorfeld angekündigt, im Falle einer Nicht-Nomination ihre Kandidatur aufrechtzuerhalten. «Die Nationalratswahlen sind letztlich Kopfwahlen, keine Parteiwahlen», sagte sie. Ihrer Meinung nach würden die Wahlchancen der CVP nach wie vor intakt bleiben. «Weil der Gewerbeverband auch nominierte, musste ich diesen Entscheid bereits im Vorfeld treffen.»

Auch Antonia Fässler musste sich kritischen Fragen stellen. (Bild: Claudio Weder)

Auch Antonia Fässler musste sich kritischen Fragen stellen. (Bild: Claudio Weder)

Antrag auf Zweierticket deutlich abgelehnt

Die CVP-Mitglieder setzten sich an der Versammlung auch inhaltlich mit den Kandidaten auseinander, Vor- und Nachteile wurden gegeneinander abgewogen. Man war sich einig: «Beide Kandidaten bringen einen guten Leistungsausweis mit und sind absolut wählbar.» Nur einer der Anwesenden sprach sich klar für Rechsteiner aus: «Strategisch wäre es sinnvoll, wenn wir uns an unserer Konkurrenz orientieren, und diese kommt von rechts.» Gemeint war die Kandidatur von Säckelmeister Ruedi Eberle.

Für Fässler, obwohl rhetorisch weniger stark als Rechsteiner, sprach vor allem das Argument, sie sei eine «ruhige Schafferin» und hätte «ihre Dossiers absolut im Griff». Wohl ausschlaggebend für die Nomination war letztlich das Argument, dass die CVP nun seit langem wieder einmal eine Chance erhalte, eine Frau nach Bern zu schicken. Dies wurde mehrfach betont – nicht nur von den weiblichen Anwesenden.

Zu Diskussionen führte auch die Frage, ob die Partei nicht beide Kandidaten ins Rennen schicken solle. Ein Parteimitglied stellte einen entsprechenden Antrag. Dieser wurde aber mit 16 zu 4 Stimmen bachab geschickt. Ein Befürworter warnte erfolglos vor einem Gesichtsverlust der Partei: «Mit einem Einerticket gehen wir das Risiko ein, dass wenn nicht die offizielle nominierte Person gewählt wird, wir mit abgesägten Hosen dastehen», sagte er pointiert.