«Ich habe gehofft und gebetet»: Wie Soulsänger Malcolm Green die US-Wahlen miterlebt

Die ganze Nacht hat der St. Galler Soulsänger Malcolm Green vor dem Fernseher mitgefiebert. Der gebürtige Amerikaner kann den amtierenden Präsidenten nicht ausstehen. «Er muss raus.»

Elias Hostettler
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Malcolm Green wünscht sich einen neuen Präsidenten für sein Geburtsland.

Malcolm Green wünscht sich einen neuen Präsidenten für sein Geburtsland.

Bild: Michel Canonica

Malcolm Green ist einer von rund 19'000 Amerikanern in der Schweiz. In Virginia geboren, lebt der Saxofonist, Gospelsänger und Kantilehrer seit 41 Jahren in St. Gallen. Trotzdem verfolgt der 64-Jährige die Präsidentschaftswahlen in seinem Geburtsland genauestens: Alle Debatten schaute er live am Fernseher, auch diejenige der beiden Vizepräsidentschaftskandidaten – auch wenn es in der Schweiz dann jeweils tiefste Nacht war. Die Zeitverschiebung hat ihn auch am Wahltag nicht abgeschreckt. Am Dienstag lief ab zehn Uhr abends CNN in der Stube.

Als am nächsten Morgen seine Frau um sechs zur Arbeit ging, flimmerte der Bildschirm nach wie vor. «Viel Kaffee habe ich getrunken», sagt Green, der sich nicht lange überlegen musste, wen er bei der Wahl unterstützt. Seit dem Tod seines Vaters vor fünf Jahren hat der Vollblut-Demokrat in den Vereinigten Staaten keinen gültigen Wohnsitz mehr und durfte darum dieses Jahr nicht mitstimmen. Joe Biden ist nicht Greens Traumkandidat, vor allem dessen Vizepräsidentschaftskandidatin Kamala Harris hat es ihm angetan. «Sie wäre die deutlich bessere Präsidentin.» Trotzdem hofft er inbrünstig auf einen Sieg von Biden. Vom amtierenden Präsidenten hält er nicht viel.

«Wenn Trump gewinnt, dann haben wir's. Dann schaue ich gar nichts mehr.»

Andere Umgangsform gefragt

Den Umfragen, die teilweise einen Erdrutschsieg für Biden voraussagten, traute er von Anfang an nicht. Es freue ihn, dass es so spannend ist. Nicht wie 2016, als Trump gewann. In seinem Heimatstaat Virginia, der damals für Hillary Clinton gestimmt hatte und für gewöhnlich eher demokratisch wählt, war es dieses Jahr lange Zeit knapp. «Ich habe gehofft und gebetet, nur um die Entscheidung in Virginia zu verpassen.» In der ganzen Nacht sei er nur einmal kurz eingenickt, und als er nach einer halben Stunde wieder aufwachte, war sein Heimatstaat demokratisch blau eingefärbt. Green konnte durchatmen.

«Wenn mein Staat an Trump gegangen wäre, dann hätte ich mich unglaublich geärgert. Was denken diese Leute?»

Die vier Jahre seien schrecklich gewesen. Trump habe nicht die Art eines Präsidenten. Die aggressive Rhetorik, das Machogehabe, die Beleidigungen an Frauen und die Lügereien – das alles passt Malcolm Green nicht.

«Ich möchte Change.»

Weitere vier Jahren mit Präsident Trump bedeuteten den gleichen Blödsinn wie bisher, befürchtet Green. «Du sagst deinem Kind, es soll nicht lügen, und der Präsident sagt in jedem zweiten Satz etwas Falsches.» Er wünscht sich einen neuen «Tone» im Weissen Haus. Der würde sich mit Biden verändern, ist sich Green sicher. Dieser achte mehr auf seine Umgangsformen.

«Es braucht mehr Demut, mehr Empathie.»

Auf Prognosen wagt sich Malcolm Green auch am Mittwochabend nicht hinaus: «Es ist haarscharf. Ich hoffe einfach, dass Biden am Ende doch noch gewinnt.»

«Der Champagner steht im Kühlschrank bereit.»

Sei es zur Feier der Wahl Bidens oder bei einer Wiederwahl des Präsidenten gegen den Frust – der Korken des Champagners soll noch knallen.

Im TVO-Beitrag: So erlebten zwei weitere Ostschweizer die Wahlnacht