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Interview

«Ich bin alle zwei Stunden aufgestanden»: Wie ein Ostschweizer Aprikosen-Bauer die Frostnacht erlebt hat

In der Nacht auf Dienstag gab es in weiten Teilen der Ostschweiz Bodenfrost. Für die Obsternte kann die tiefe Temperatur verheerend sein. Michael Zurbuchen, Obstbauer aus dem Thurgau, erzählt, wie er die Nacht erlebt hat und weshalb er zuvor Gras gemäht hat.
Tim Naef
Für Zwetschgen, Chriesi und Aprikosen kann Frost verheerende Folgen haben. (Symbolbild: Keystone)

Für Zwetschgen, Chriesi und Aprikosen kann Frost verheerende Folgen haben. (Symbolbild: Keystone)

Wie war Ihre Nacht? Haben Sie überhaupt geschlafen?

Unruhig. Ich bin alle zwei Stunden aufgestanden, um die Temperatur zu kontrollieren. Glücklicherweise war diese bis um 5 Uhr noch im Plusbereich. Erst danach fiel das Quecksilber des Thermometers unter null Grad.

Kann man bereits ein Fazit ziehen?

Michael Zurbuchen, Obstbauer aus Opfershofen im Thurgau. (Bild: ZVG)

Michael Zurbuchen, Obstbauer aus Opfershofen im Thurgau. (Bild: ZVG)

Nach der ersten Betrachtung kann ich wohl sagen, dass ich nochmals Glück gehabt habe. Zwar war es am Morgen -1 bis -1,5 Grad kalt, dies aber nur für eine oder zwei Stunden. Mit den getroffenen Massnahmen sollten meine Aprikosen überlebt haben.

Wie sahen diese Massnahmen aus?

Ich habe beispielsweise die Hagelnetze gespannt. Das sollte ein wenig isoliert haben. Gleichzeitig habe ich das Gras gemäht. Und mein Nachbar hat nebenan Frostkerzen angezündet.

Sie haben das Gras gemäht?

Genau. Das hat mit der Erdwärme zu tun. Je kürzer das Gras, desto besser. Wie fest die einzelnen Massnahmen aber nützen, kann ich nicht genau sagen.

Man tut einfach, was man kann.

Kann man einen Vergleich zu den Vorjahren ziehen?

Im vergangenen Jahr hatten wir gar keine Probleme mit Frost. Das Jahr zuvor war dafür eine Katastrophe.

Inwiefern?

2017 wurde es im Mai bis zu -6 Grad kalt. Da haben alle Massnahmen nichts mehr genützt. Wir konnten damals zuschauen, wie in wenigen Stunden die Aprikosen verschrumpelten und zu Boden fielen.

Und dieses Jahr?

Es sollte gereicht haben. Ein abschliessendes Urteil ist aber erst in ein, zwei Tagen möglich. Dann sehe ich, wie viele Aprikosen überlebt haben und wie viele Erntehelfer ich aufbieten muss.

Besser als befürchtet

In der Nacht auf Dienstag hatte Väterchen Frost praktisch die ganze Ostschweiz im Griff. «Auf meinem Hof am Untersee habe ich heute Morgen -2 Grad gemessen», sagt Ralph Gilg, Präsident des Thurgauer Obstverbands. Diese Temperatur sei vor allem für Chriesi, Zwetschgen und Aprikosen kritisch. «Da es aber nur wenige Stunden so kalt war, dürften die Auswirkungen auf die Ernte nicht so schlimm sein.» Ein abschliessendes Urteil sei jedoch erst in ein, zwei Tagen möglich. Es sei aber sicher nicht so schlimm wie 2017, als sich der Frost über mehrere Tage hinzog, so Gilg.

Dem pflichtet auch Richard Hollenstein, Leiter der Fachstelle Obstbau in St.Gallen, bei. Zwar sei es in grössten Teilen des Kantons St.Gallen zu Bodenfrost gekommen; da der Himmel aber erst in den Morgenstunden aufklarte, habe sich dieser rasch wieder aufgelöst. «Ich gehe davon aus, dass es keine nennenswerte Auswirkungen auf die Ernten geben wird», so Hollenstein. (tn)

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