HUNDESPORT: Ein Frage der Nervenstärke

Seit Freitag finden bei Muolen die Qualifikationsläufe für die Schweizer Meisterschaft der Hütehunde statt. 16 von 50 Teams schaffen es in den Final, der heute Sonntag stattfindet.

Text und Bild: Daniela Ebinger
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Barbara Venzin mit Border Collie Roy, der als Hütehund im Umgang mit nicht immer gehorsamen Schafen die Ruhe bewahren muss.

Barbara Venzin mit Border Collie Roy, der als Hütehund im Umgang mit nicht immer gehorsamen Schafen die Ruhe bewahren muss.

Text und Bild: Daniela Ebinger

nachrichten@ostschweiz-am-sonntag.ch

Oberegg bei Muolen/Bischofszell: Ganz konzentriert steht Barbara Venzin mit ihrem Hund Roy am Start. Den Blick in die Ferne gerichtet. Dort steht eine kleine Herde Schafe, rund 400 Meter entfernt. Der Border Collie scheint schon zu wissen, worum es geht. Erwartungsvoll schaut er sein Frauchen immer wieder an und wartet auf seinen Einsatz. Die Zürcherin gibt ihm ein Zeichen. Blitzschnell schiesst der Hund los. Mit verschiedenen Pfeifzeichen signalisiert sie ihm, was er zu tun hat.

Seit Freitag findet die jährliche Schweizer Meisterschaft der Hütehunde auf den Wiesen bei Muolen statt. Von den 50 teilnehmenden Teams qualifizieren sich 16, die heute Sonntag für den Titel des Schweizer Meisters ihr Bestes geben. Der Final findet von 8 bis 16.30 Uhr statt.

Je ruhiger, desto erfolgreicher

Leider hat es bei Barbara Venzin nicht ganz für die Schlussrunde gereicht. Ein Schaf aus der Herde provozierte ihren Hund stark und wollte nicht so weichen, wie es sollte. «Das war für Roy eine grosse Herausforderung, aber er war in der Situation extrem nervenstark», sagt die Besitzerin. Mit der geleisteten Arbeit ist sie trotzdem zufrieden. Denn diese verlangt zwischen Schäfer, Hund und Schafherde einiges an perfektionierter Kommunikation. An der Meisterschaft weisen die Schäferinnen oder Schäfer die Hunde an, die Schafherde durch einen vorgegebenen Parcours zu treiben. Auch müssen die Hunde einige markierte Schafe voneinander abtrennen können und die Tiere in einen sogenannten Pferch treiben. Je genauer und ruhiger die Arbeit ausgeführt wird, desto mehr Punkte erhält das Team. Die Zeitlimite beträgt 15 Minuten.

Am Freitag hatte es Corinne Nyffenegger mit Hündin Ianna an die Spitze der Tagesrangliste geschafft. Die Frau aus dem Aargau holte sich letztes Jahr ganz unerwartet die Goldmedaille an der Schweizer Meisterschaft. «Die Freude war gross», sagt sie. Ob sie ihren Titel verteidigen kann? «Es braucht eine gewisse Portion Glück, dass alles rundherum stimmt», sagt Nyffenegger, die seit elf Jahren mit Hunden und Schafen arbeitet. Für sie sind ihre drei Hunde wichtige Familienmitglieder, die sie fast überallhin begleiten.

Neben dem sportlichen Teil und der Festwirtschaft bietet der Anlass einen kleinen Markt mit Produkten von Schafen und für Schafe sowie mit regionalen Spezialitäten.

Zudem umrahmt eine eindrückliche Schafrassenausstellung die Meisterschaft: Zum ersten Mal in der Schweiz sind über 30 Schafrassen auf einem Platz zu bestaunen. Darunter auch seltene Rassen wie das Ungarische Zackelschaf oder das Jakobsschaf, die einzeln vorgestellt und präsentiert werden.