Hunderte Personen weniger, keine Wildparkierer und nur einzelne Bussen: Parkplatzschliessungen am Bodensee zeigen Wirkung

Um Menschenansammlungen zu verhindern sperrten diverse Städte und Gemeinden über Ostern zahlreiche Parkplätze direkt am See. Die Erfahrungen sind durchwegs positiv. Ob es auch am kommenden Wochenende zu Schliessungen kommen wird, ist noch offen. 

Markus Schoch und Sheila Eggmann
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Von einem «vollen Erfolg» spricht der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi über die Schliessung der Parkplätze am See.

Von einem «vollen Erfolg» spricht der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi über die Schliessung der Parkplätze am See. 

Donato Caspari

Um Ausflügler fern zu halten, standen in Arbon, Romanshorn, Horn und Uttwil diverse grossen Parkplätze von Donnerstag- bis Montagabend nicht zur Verfügung. Die Massnahme habe sich bewährt, sagt Ronny Schwendener, Chef des Regionalen Führungsstabes Oberthurgau.

«Es ist grossmehrheitlich gut gelaufen. Ich habe nichts Negatives gehört.»

Die Situation auf den Anlagen am See habe sich im Vergleich zum vorangehenden Wochenende spürbar beruhigt. Damals war wegen des schönen Wetters viel beziehungsweise zu viel los auf den Quaianlagen in Arbon und andernorts am See im Oberthurgau. Aus der ganzen Ostschweiz und darüber hinaus zog es Sonnenhungrige ans Wasser. Über die Osterfeiertage waren die Einheimischen wieder mehrheitlich unter sich.

Keine Wildparkierer und nur eine Busse

Dominik Diezi, Stadtpräsident Arbon.

Dominik Diezi, Stadtpräsident Arbon.

Von einem «vollen Erfolg» spricht der Arboner Stadtpräsident Dominik Diezi. «Wir sind sehr zufrieden, wie es gelaufen ist.» Es habe keine Wildparkierer gegeben oder Suchverkehr in den Quartieren – nichts. «Wir hatten Hunderte Personen weniger am See und mussten in den vier Tagen nur eine einzige Person büssen.» Viele seien erst gar nicht an den See gefahren. Abgesehen von ein oder zwei Böötlern, die mässig begeistert gewesen seien, ihr Auto nicht am Hafen abstellen zu können, habe es nur positive Reaktionen gegeben, sagt Diezi. Arboner hätten den Mitarbeitern des Werkhofs beim Absperren ausdrücklich dafür gedankt, dass «Ihr endlich etwas macht».

In Romanshorn präsentierte sich die Situation etwas anders. «Wir hatten über die Feiertage einige auswärtige Gäste bei uns», sagt der Kommunikationsbeauftragte Rolf Müller. Mit ein Grund mag sein, dass es in der Hafenstadt in Gehdistanz zum See weiter genügend Parkplätze gab – in der blauen Zone an der Bankstrasse beispielsweise oder in der «Bodan»-Tiefgarage. Erfreulich aus Sicht von Müller: Fast alle hätten sich an die neuen Verhaltens-Spielregeln gehalten.

«Wir mussten nur einige wenige Bussen verteilen.»
Trotz der Sperrung von Parkplätzen am See waren in Romanshorn einige auswärtige Gäste anzutreffen.

Trotz der Sperrung von Parkplätzen am See waren in Romanshorn einige auswärtige Gäste anzutreffen. 

Ralph Ribi

Am Freitag und Samstag waren auf den Strasse in Romanshorn auch relativ viele Töff- und Velofahrer unterwegs. «Am Sonntag und Montag war es vergleichsweise ruhig», sagt Müller. Vor allem Auswärtige hätten nicht immer mit Verständnis auf die Parkplatzschliessung reagiert, sagt Müller. Vorbildlich hätten sich die Take-Away-Betriebe verhalten. «Sie schauten darauf, dass die Abstände eingehalten werden. Und sie stellten keine Sitzgelegenheiten zur Verfügung, so dass sich niemand zu nahe kam.» Erfreut zur Kenntnis genommen habe die Stadt, dass die Kantonspolizei über Ostern auch in Romanshorn präsent gewesen sei.

Ob die Parkplätze am kommenden Wochenende wieder gesperrt werden, müssen die Städte und Gemeinden im Oberthurgau jetzt diskutieren. Die Antwort hängt auch davon ab, wie sich Rorschach, Goldach und Rorschacherberg entscheiden, sagt Diezi.

Sperrungen fürs kommenden Wochenende werden diskutiert

Marcel Aeple, Stadtschreiber Rorschach.

Marcel Aeple, Stadtschreiber Rorschach.

Ein positives Fazit ziehen auch Rorschach, Goldach, Steinach und Rorschacherberg. Menschenansammlungen wollte man wegen des Coronavirus auch hier über Ostern vermeiden und hat ebenfalls diverse Parkplätze gesperrt. In Rorschach waren die Parkplätze in Ufernähe bereits am Wochenende vor Ostern gesperrt worden. Dass andere Gemeinden anschliessend nachgezogen sind, sei erfreulich, sagt Stadtschreiber Marcel Aeple. Am Osterwochenende sei das Ufer in der Hafenstadt nach wie vor beliebt gewesen.

«Die Schliessung der Parkplätze ist daher eine gute und geeignete Massnahme.»

Er betont, dass Rorschach zwar sehr gerne Ausflügler zu Gast habe, «aber nur nicht jetzt zur Coronazeit.» Aeple geht davon aus, dass die Parkplätze am See auch an den kommenden Wochenenden gesperrt werden, sofern das Wetter schön bleibt. Ein definitiver Entscheid dazu wird aber erst am Mittwoch gefällt.

Goldachs Gemeindepräsident Dominik Gemperli zieht ebenfalls eine positive Bilanz. «Da darf ich auch ein Kompliment an die Bevölkerung aussprechen.» Die vom BAG kommunizierten Vorschriften seien grösstenteils eingehalten worden. Das habe ihm die Polizei und der Sicherheitsdienst mitgeteilt. Ob die Parkplätze am See am kommenden Wochenende wieder geschlossen werden, sei noch nicht entschieden. Man werde die Nachbargemeinden beobachten und sich mit ihnen absprechen. «Die Zusammenarbeit mit den anderen Seegemeinden ist wichtig.»

Die vom BAG kommunizierten Vorschriften sind auch in Goldach und Umgebung grösstenteils eingehalten worden.

Die vom BAG kommunizierten Vorschriften sind auch in Goldach und Umgebung grösstenteils eingehalten worden.

Parkplätze in Steinach wieder offen

Michael Aebisegger, Gemeindepräsident Steinach.

Michael Aebisegger, Gemeindepräsident Steinach. 

Ralph Ribi

Indes sind die Parkplätze beim Seebad und Hafen in Steinach seit Dienstag wieder offen. Das soll in den nächsten Tagen auch so bleiben. «Unter der Woche ist eine Schliessung kein Thema», sagt Gemeindepräsident Michael Aebisegger. Wie es an den Wochenenden sein wird, werde man situativ beurteilen. Ausserdem werde sich Steinach, wie bereits am Osterwochenende, an den Nachbargemeinden orientieren.

Ähnlich handhabt es Beat Hirs, Gemeindepräsident in Rorschacherberg. «Wir schauen Wochenende für Wochenende.» Heikel werde es nur bei schönem Wetter. Beim Osterwochenende habe es keine grossen Probleme gegeben.

Beat Hirs, Gemeindepräsident Rorschacherberg.

Beat Hirs, Gemeindepräsident Rorschacherberg.

Benjamin Manser
«Es tut den Leuten gut, ab und zu an die frische Luft zu gehen.»

Es seien zwar Leute am Ufer gewesen, diese hätten aber die Abstandsregeln eingehalten. 

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Rudolf Hirtl/Jolanda Riedener