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HUNDEGESETZ: Wenn Hunde zubeissen

Ein Pitbull und eine Deutsche Dogge haben im Kanton St.Gallen jüngst mit Beiss-Attacken Aufsehen erregt. In anderen Kantonen werden diese Rassen als gefährlich eingestuft. Wird ein Hundebiss gemeldet, setzt sich eine Maschinerie in Gang.
Johannes Wey
Ein Pitbull (mit Maulkorb) und ein Pitbull-Rottweiler-Mischling: Beide dürften im Thurgau nur mit Bewilligung gehalten werden. In St.Gallen und beiden Appenzell gibt es keine solchen Einschränkungen. (Bild: ALESSANDRO DELLA BELLA (KEYSTONE))

Ein Pitbull (mit Maulkorb) und ein Pitbull-Rottweiler-Mischling: Beide dürften im Thurgau nur mit Bewilligung gehalten werden. In St.Gallen und beiden Appenzell gibt es keine solchen Einschränkungen. (Bild: ALESSANDRO DELLA BELLA (KEYSTONE))

Der Fall bewegt die Gemüter: In Brunnadern ist ein Husky von einer Deutschen Dogge angegriffen und verletzt worden. Über die Schwere der Verletzung und darüber, ob auch der Halter des Huskys angegriffen wurden, gehen die Angaben diametral auseinander. Fest steht, dass der Besitzer des Huskys ein Messer zückte und die Dogge tötete.

Wenige Tage zuvor hatte sich in St.Gallen ein Pitbull-Terrier auf einen Beagle gestürzt. Die Halter versuchten die Tiere zu trennen. Das Resultat: Drei Personen und der Beagle wurden verletzt. Die Hundehalter konnten das Spital aber am gleichen Abend wieder verlassen, der Hund die Tierklinik am nächsten Morgen.

In einigen Kantonen gelten Hunde wie Pitbull und Deutsche Dogge als potenziell gefährlich. Im Thurgau beispielsweise muss für Pitbulls eine Bewilligung eingeholt werden (siehe unten). Ganz verboten ist die Rasse in Zürich, Freiburg, Genf und dem Wallis. Eine Bewilligungspflicht für Deutsche Doggen besteht ihn Zürich und dem Tessin.

Welche Hunde als "potenziell gefährlich" eingestuft werden, obliegt den Kantonen. Das hat dazu geführt, dass bestimmte Hunderassen in einigen Kantonen ohne Weiteres, in anderen Kantonen aber nur mit Bewilligung oder gar nicht gehalten werden dürfen. Diese Listenregelungen gehen zurück auf Vorfälle mit Hunden Anfang der 2000er-Jahre. Als Auslöser für die Verschärfung wird heute meist ein tragischer Fall Ende 2005 genannt, als ein sechsjähriger Bub im zürcherischen Oberglatt von drei Pitbulls zu Tode gebissen wurde. Die Listen wurden allerdings von Beginn weg kontrovers diskutiert. Kritiker argumentieren, dass die Rasse alleine kaum Einfluss auf die Aggressivität eines Hundes habe. In diesem Zusammenhang wurde auch schon von "Hunde-Rassismus" gesprochen. Der Kanton St.Gallen gehört wie Ausser- und Innerrhoden zu den Kantonen ohne sogenannte "Listenhunde", wie "potenziell gefährliche" Hunde auch genant werden.

Hundebisse müssen gemeldet werden

In St.Gallen schalten sich die Behörden ein, wenn ein Hundebiss gemeldet wird. "Für Polizei, Ärzte und Veterinäre besteht eine Meldepflicht für Hundebisse", sagt Thomas Christen, Leiter der Abteilung Tierschutz beim kantonalen Amt für Verbraucherschutz und Veterinärwesen (AVSV) und damit zuständig für das Hundewesen. Er würde sich wünschen, dass Betroffene auch in Bagatellfällen eine Meldung erstatten. "Es geht dabei nicht darum, dem Hundehalter zu schaden. Aber oft wissen die zuständigen Stellen gar nicht, dass ein Hund schon mehrmals aufgefallen ist."

Die Meldungen werden beim Kanton gesammelt und dann an die Gemeinden weitergeleitet: In St.Gallen sind sie zuständig für den Vollzug des Hundegesetzes. "Angriffe auf Menschen werden natürlich prioritär behandelt", sagt Christen. Sie machten rund einen Drittel aller Bisse aus. Beim überwiegenden Rest handle es sich um Bisse gegen andere Hunde. Vorfälle mit anderen Tieren, beispielsweise Katzen, seien selten. In gravierenden Fällen schaltet die Polizei direkt die Staatsanwaltschaft ein, die das Verfahren dann leitet. Wenn Gefahr besteht, kann ein Hund auch vorübergehend beschlagnahmt werden. Bislang habe es 2017 im Kanton zwei solcher Fälle gegeben.

In den Gemeinden werden die Meldungen gesammelt. Bei Bedarf, also schwereren oder wiederholten Ereignissen, werden die Meldungen geprüft, je nach Gemeinde vom Gemeinderat oder einer Kommission. "Die wichtigste Frage dabei ist, wie es zum Biss gekommen ist", sagt Christen. Vielfach führe ein "Missgeschick" dazu, dass ein Hund zubeisse: Wenn ein Kind beim Spielen zu weit geht, oder jemand dem Tier auf den Schwanz tritt. Die Gemeinden müssen auch feststellen, ob der Hundehalter seine Aufsichtspflichten verletzt hat.

Massnahmen reichen von Hundeschule bis Tötung

Braucht die Gemeinde bei der Prüfung und Beurteilung eines Falls Hilfe von Fachleuten, wendet sie sich wieder an das AVSV. "Das ist etwa der Fall, wenn eine Wesensprüfung durchgeführt werden muss", sagt Christen. Dabei werden Hund und Halter aufgeboten und fallbezogen verschiedenen Situationen ausgesetzt. "Beispielsweise schauen sich die Fachleute an, wie Hund und Halter reagieren, wenn ein Velofahrer vorbeifährt", sagt Christen. "Die meisten Hunde beissen dann zu, wenn sie einer Situation nicht gewachsen sind. Dagegen hilft Training." Lektionen in einer Hundeschule sind denn auch eine der Massnahmen, die von den Gemeinden angeordnet werden können.

Weitergehende Massnahmen aus dem Hundegesetz sind etwa eine Leinen- oder Maulkorbtragpflicht, Vorschriften, welche Personen den Hund betreuen dürfen, oder bauliche Massnahmen, welche Dritte vor einem Hund schützen sollen. In schweren Fällen kann einer Person das Halten von Hunden oder bestimmter Rassen auf dem Kantonsgebiet auch ganz verboten werden. Und als letzte Massnahme kann der Hund "beseitigt" werden, wie es im Hundegesetz heisst - Halteverbot und Tötung des Hundes werden allerdings nur angeordnet, wenn der Halter mildere Massnahmen missachtet oder der Hund Mensch oder Tier ernstlich gefährdet. Beim Kanton gibt es keine Statistik darüber, welche Massnahme wie oft angewandt wird. "Weil die Gemeinden für den Vollzug zuständig sind, haben wir dazu keine Zahlen", sagt Christen.

Im Kanton St.Gallen wird seit Jahren an einem neuen Hundegesetz gearbeitet. Unter anderem soll damit die Zuständigkeit von Gemeinde- auf Kantonsebene gehoben werden. Rassenlisten soll es weiterhin keine geben. Das neue Gesetz wurde allerdings zurückgestellt, weil die Finanzierung zwischen Kanton und Gemeinden noch geregelt werden müsse, ist beim zuständigen Gesundheitsdepartement zu erfahren. Das Gesetz soll bis Ende Jahr von der Regierung verabschiedet werden.

Keine Dobermänner für Zuhälter, Drogenhändler und Gewalttäter

Im Unterschied zu St.Gallen und beiden Appenzell gibt es im Kanton Thurgau eine Liste von Hunden, die nur mit Bewilligung gehalten werden dürfen. Zu den 14 Rassen zählen unter anderem American Staffordshire Terrier, Bullterrier, Pitbull, Dobermann, Rottweiler und Mastiff. Die Kriterien für eine Bewilligung umfassen etwa Volljährigkeit, einen festen Wohnsitz sowie einen ungetrübten Leumund ohne Vorstrafen wegen Gewaltdelikten, schwerer Drogendelikte oder Förderung der Prostitution. Ausserdem muss der Halter den Nachweis erbringen, dass er ausreichende Kenntnisse über den Umgang mit Hunden hat. (jw)

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