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HSK-UNTERRICHT: Kurse müssen politisch und konfessionell neutral sein

Im Rahmen des Unterrichts "Heimatliche Sprache und Kultur" haben an einem Anlass in Uttwil schweizerisch-türkische Schüler ein türkisches Kriegstheater mit fragwürdigen Kriegsszenen aufgeführt. Das polarisiert. Was will der HSK-Unterricht und wer steckt dahinter? Fünf Fragen und Antworten.
Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Martialische Inszenierung: Türkischstämmige Schüler spielen in der Mehrzweckhalle Uttwil die Schlacht von Gallipoli nach. (Bild: "Sonntags-Blick")

Die Schüler aus Flawil stellten am 25. März auf der Bühne des Mehrzweckgebäudes Uttwil blutige Schlachten dar, figurierten als Leichen, zugedeckt mit türkischen Fahnen. Jetzt wurden Videobilder der Aufführung öffentlich - und werfen Fragen auf. Zum Beispiel jene, ob bei dieser Darstellung der Schlacht von Gallipoli Kinder wirklich gezielt für nationalistische Propaganda von Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan instrumentalisisert werden. Früher bekannt als "Italienerschule", ist der Unterricht "Heimatliche Sprache und Kultur" heute breit abgestützt und die Förderung der mehrsprachigen und interkulturellen Kompetenzen wird als wesentliche Aufgabe der Volksschulen angesehen.


1. Wer besucht die Kurse in "Heimatlicher Sprache und Kultur" (HSK)?

Die Schweizer Erziehungsdirektorenkonferenz fördert den HSK-Unterricht, weil damit mehrsprachige und interkulturelle Kompetenzen gefördert werden. Der Unterricht steht Kindern und Jugendlichen offen, welche in ihrer Familie eine fremde Muttersprache sprechen und/oder das Staatsbürgerrecht des Herkunftsstaates besitzen. Im Thurgau werden die Leistungen ab der 3. Klasse mit Noten beurteilt. Der HSK-Unterricht gilt als Freifach und es kann dementsprechend statt einer Bewertung der Besuch einfach bestätigt werden. Albanisch, italienisch, kroatisch, kurdisch, polnisch, portugiesisch, russisch, serbisch, slowenisch, spanisch, tamilisch, türkisch und ungarisch sind die Sprachen, die im Thurgau angeboten werden. Im Kanton St.Gallen gibt es den HSK-Unterricht in denselben Sprachen und zusätzlich noch in arabisch, chinesisch und griechisch.

2. Was ist in den HSK erlaubt?

Die Vorgabe, für einenpolitisch und konfessionell neutralen HSK-Unterricht zu sorgen, wird im Kanton Thurgau schriftlich vereinbart. In dieser Vereinbarung heisst es, dass die Trägerschaft über ein pädagogisches Konzept verfügt und im Unterricht die Integration in die schweizerische Gesellschaft und die Förderung eines friedlichen Zusammenlebens zwischen Menschen verschiedener Herkunft einen hohen Stellenwert hat. Die Trägerschaft der HSK-Kurse ist auch im Kanton St.Gallen politisch und konfessionell neutral. Der Kanton St.Gallen orientiert sich am Rahmenlehrplan HSK des Kantons Zürich. Dieser beschreibt Ziele und Inhalte des Unterrichts. Das Ziel dieses Rahmenlehrplans ist es, eine inhaltliche Annäherung zwischen dem HSK-Unterricht und der Volksschule zu erreichen.

3. Wer ist für die Organisation verantwortlich?

Der HSK-Unterricht wird im Thurgau durch staatliche oder nichtstaatliche Trägerschaften der Botschaften und Konsulate oder Vereine angeboten, finanziert und beaufsichtigt. Auch im Kanton St.Gallen wird der HSK-Unterricht von den Konsulaten oder Botschaften der Herkunftsländer oder von Vereinen angeboten. Er ist gemäss Informationsschreiben des Bildungsdepartements ein fakultatives Angebot, welches den Unterricht der Volksschule ergänzen soll.

4. Seit wann gibt es diese Kurse in der Ostschweiz und wer arbeitet für sie?

Eingeführt wurde der HSK-Unterricht in der Schweiz in den 1960er-Jahren - im Kanton Zürich schon in den 30er-Jahren - für die Kinder der Arbeitsmigranten aus Italien. Damals noch umgangssprachlich als "Italienerschule" bekannt. Durchschnittlich arbeiten beispielsweise im Kanton Thurgau 55 HSK-Lehrpersonen, welche 1200 Schülerinnen und Schüler in 100 Kursen unterrichten. Damit eine Trägerschaft anerkannt wird, muss sie gewährleisten, dass sie politisch und konfessionell neutral ist, qualifizierte Lehrpersonen mit Deutschkenntnissen auf Niveau B1/2 beschäftigt, nicht gewinnorientiert ist und mit dem Amt für Volksschule zusammenarbeitet. Jede Sprachgruppe bestimmt eine Koordinationsperson, welche die Ansprechperson für die Behörden ist.

5. Was sind die Ziele der HSK-Unterrichts?

Wie die Schulverwaltung des Kantons St.Gallen informiert, können im Unterricht in heimatlicher Sprache und Kultur mehrsprachige Schülerinnen und Schüler "die Kompetenzen in ihrer Erstsprache und ihre Kenntnisse über die Herkunftskultur" erweitern. Der HSK-Unterricht ergänzt den Sprachunterricht in der Regelklasse, die sich wechselseitig positiv beeinflussen sollen. Auch für das Thurgauer Amt für Volksschule liegen die Ziele des Unterrichts in Heimatlicher Sprache und Kultur in der Förderung der Herkunftssprache, der Entwicklung und Festigung der Zwei- und Mehrsprachigkeit sowie dem Aufbau von Wissen über die Herkunftskultur und das Herkunftsland. Wie das Amt für Volksschule im Thurgau festhält, fördert dies den Integrationsprozess und die interkulturellen Kompetenzen. (chs)

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