HSG will Informatiker ausbilden

Die Universität St. Gallen könnte ab 2019 einen Informatik-Studiengang anbieten: Dies zeigt eine Analyse. Als Starthilfe bräuchte die HSG rund 30 Millionen Franken. Nun liegt der Ball beim Kanton.

Adrian Vögele
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Blick in die HSG-Bibliothek: Die Uni hofft, dass die Politik grünes Licht für einen Studiengang in Informatik gibt. (Bild: Urs Jaudas)

Blick in die HSG-Bibliothek: Die Uni hofft, dass die Politik grünes Licht für einen Studiengang in Informatik gibt. (Bild: Urs Jaudas)

Adrian Vögele

adrian.voegele

@tagblatt.ch

Machbar und sinnvoll: Das ist das Fazit einer Studie zur Einführung eines Informatik-Schwerpunkts an der Universität St. Gallen. Die HSG hat die Abklärungen selber getroffen – im Auftrag der Industrie- und Handelskammer (IHK) St. Gallen-Appenzell. Die IHK hatte im Jahr 2015 eine Informatikbildungsoffensive angeregt, als Massnahme gegen den Fachkräftemangel. «Heute müssen Ostschweizer, die Informatik auf Universitätsstufe studieren wollen, die Region verlassen», sagt Robert Stadler, stellvertretender Direktor der IHK. «Sie gehen beispielsweise an die ETH und bleiben nach dem Studium in Zürich. Die Ostschweiz verliert damit fähige Leute.» Mit Informatikstudienplätzen an der HSG könnte sich das ändern.

Die Vorschläge in der aktuellen Studie sind bereits konkret: Sowohl ein Bachelor- als auch ein Masterprogramm in Informatik sollen lanciert werden, wie es im Communiqué heisst. Um Zeit zu gewinnen, könnte die HSG zunächst den Masterstudiengang starten – er stünde für Bachelor-Absolventen anderer Universitäten offen. Kurz danach soll auch die eigene Bachelor-Ausbildung beginnen.

«Zügig die nächsten Schritte unternehmen»

Im vollen Ausbau des Informatik-Schwerpunkts rechnet die HSG mit 100 Bachelor- und 50 Masterstudenten. Auch zum Zeitplan hat die Universität bereits präzise Vorstellungen: Wenn der Master im Herbst 2019 starten könnte, kämen die ersten Master-Absolventen im Jahr 2022, die ersten Bachelor-Absolventen im Jahr 2024 auf den Arbeitsmarkt.

Empfohlen wird ein Wirtschaftsinformatik-Studiengang mit technischer Ausrichtung. Nötig sind dafür rund acht Professuren. Im ersten Drittel des Studiums geht es um Grundlagen der Informatik – etwa Programmieren und Arbeiten mit Datenbanken. Im zweiten Drittel kommt die Wirtschaftsinformatik ins Spiel, etwa mit Konstruktionslehre und Produktentwicklung. Im letzten Drittel sind Inhalte aus Betriebs- und Volkswirtschaft, Mathematik und Recht angedacht. Gerade deshalb würde das Angebot gut zur HSG passen, wie Rektor Thomas Bieger sagt: Es ergebe «klare Synergien mit dem Profil der HSG als Wirtschaftsuniversität». Man werde gerne an der konkreten Konzeption des Studiengangs arbeiten. Doch dafür brauche es einen Auftrag der Politik – und die nötigen finanziellen Mittel. Auch IHK-Direktor Kurt Weigelt sagt: «Wir wünschen uns, dass die Politik jetzt zügig die nächsten Schritte unternimmt, damit die HSG mit dem Aufbau beginnen kann.»

Kreditvorlage soll 2018 ins Parlament kommen

Bis der Studiengang selbsttragend ist – etwa durch Studiengebühren und Beiträge anderer Kantone –, dürften rund acht Jahre vergehen. Für diese Startphase wäre laut der Universität eine Anschubfinanzierung im Umfang von maximal 30 Millionen Franken nötig.

Im Kantonsparlament ist die Informatikoffensive, die sämtliche Schulstufen umfassen soll, unbestritten. Wie die Umsetzung aussieht und welche Schulen wie viel Geld dafür erhalten, ist allerdings noch nicht klar. Der Kanton arbeitet derzeit eine Kreditvorlage aus. Im vergangenen November sprach Bildungsdirektor Stefan Kölliker von insgesamt 50 Millionen Franken, verteilt auf zehn Jahre. Die bürgerlichen Fraktionen haben allerdings bereits signalisiert, dass die Offensive nicht aus dem normalen Staatshaushalt finanziert werden könne; dafür fehle der Spielraum. Sie wollen stattdessen das besondere Eigenkapital anzapfen, das für Gemeindefusionen und Steuersenkungen vorgesehen ist. Doch auch eine Beteiligung der Wirtschaft sei zu prüfen.

Laut Bernhard Thöny, Leiter Finanzen und Informatik im Bildungsdepartement, wird die Regierung das Geschäft voraussichtlich Ende dieses Jahres verabschieden, die beiden Lesungen im Kantonsparlament würden dann 2018 stattfinden. Segnet der Rat die Kreditvorlage ab, folgt danach eine Volksabstimmung.