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Spesenskandal: HSG überprüft die Regeln für Nebenjobs ihrer Professoren

Die Universität St. Gallen zieht erste Konsequenzen aus dem Fall Rüegg-Stürm und der Spesenaffäre: Sie nimmt das Reglement für Nebentätigkeiten ihrer Professoren unter die Lupe. Und sie verspricht mehr Transparenz bei den Sponsorengeldern.
Regula Weik
Unliebsame Vorkommnisse an der Universität St.Gallen: Es laufen derzeit mehrere Abklärungen und Untersuchungen. (Bild: Ralph Ribi)

Unliebsame Vorkommnisse an der Universität St.Gallen: Es laufen derzeit mehrere Abklärungen und Untersuchungen. (Bild: Ralph Ribi)

Die Universität St. Gallen hat einen heissen und unruhigen Sommer hinter sich. Sie schrieb Schlagzeilen – wiederholt und ungewollt. Schlagzeilen, die einer renommierten Bildungsinstitution gestohlen bleiben könnten. Da war der Fall Rüegg-Stürm. Der HSG-Professor war als Verwaltungsratspräsident von Raiffeisen Schweiz in die Kritik geraten und musste das Mandat abgeben. Johannes Rüegg-Stürm bezieht im Moment ein Freisemester; seine Vorlesung in Betriebswirtschaftslehre hat er nach 18 Jahren abgegeben. Kaum hatte sich der Rüegg-Stürm-Sturm etwas verzogen, rollte die nächste ungemütliche Geschichte an. An einem Institut waren Unregelmässigkeiten bei Spesenbezügen festgestellt worden. Es wurden Untersuchungen gegen das Institut und drei Mitarbeitende eingeleitet. Die Universitätsleitung informierte Ende Juni über die Spesen-Affäre. Recherchen unserer Zeitung zeigten: Die Untersuchungen richten sich gegen das Institut für Finanzwissenschaft, Finanzrecht und Law and Economics (IFF) und dessen ehemaligen Direktor Peter Sester. Die Universität hat sich dazu nicht geäussert; Resultate der Untersuchungen liegen noch keine vor. Es gilt die Unschuldsvermutung.

«Es ist unangenehm», antwortet HSG-Rektor Thomas Bieger am gestrigen Jahresmediengespräch auf die Frage nach einem allfälligen Reputationsschaden für die Universität St. Gallen. Kurzfristig hätten derartige Vorfälle sicher einen Reputationsverlust zur Folge. Und längerfristig? Bieger mag sich nicht festlegen. Er lässt aber durchblicken, dass er keine schwerwiegende und dauerhafte Beschädigung des Rufes der HSG befürchtet. Trotz der zögerlichen Antwort ist klar: Der Universität ist unwohl mit den aktuellen Fällen. Sie hat denn auch bereits erste Konsequenzen gezogen: Sie überprüft das Reglement für Nebentätigkeiten ihrer Professorinnen und Professoren.

Stefan Kölliker, St. Galler Bildungschef und Präsident des Universitätsrats, spricht von einer «ausserordentlichen Überprüfung». Es soll geklärt werden, «ob es Bereiche gibt, in denen Anpassungen nötig sind». Wie diese konkret aussehen könnten, lassen Kölliker und Bieger offen. Als Wirtschaftsuniversität, die auf eine aktuelle und praxisorientierte Lehre Wert lege, sei die HSG auf Erfahrungen und Kontakte ihrer Professorinnen und Professoren mit der Praxis angewiesen. Rektor Bieger sagt:

«Deshalb sind Nebenaktivitäten nicht nur erlaubt, sondern auch erwünscht.»

Auf das Raiffeisen-Mandat von Rüegg-Stürm angesprochen sagt er: «Es war von der Universität bewilligt gewesen.»

«Ein gewisses Restrisiko bleibt immer»

Die HSG kennt seit gut zehn Jahren «Richtlinien für Nebenaktivitäten und den Nebenerwerb von Dozierenden»; zuvor waren allfällige Mandate «fallweise» entschieden und geregelt worden. Seit drei Jahren müssen auch Interessenbindungen publiziert werden. Bieger und Kölliker sind sich einig: Die Vernetzung von Lehre und Praxis sei «Chance wie auch Risiko». Die Frage, ob Professoren mit Nebentätigkeiten nun an die kürzere Leine genommen werden, verneint Kölliker: «Wir müssen realistisch bleiben.» Ein gewisses Restrisiko bleibe immer. Und sei es auch nur, dass Regelungen falsch verstanden und angewendet würden; dies müsse längst nicht in jedem Fall gezielt missbräuchlich passieren.

Rektor Bieger ergänzt:

«Eine Institution darf nicht Angst vor Fehlern oder Fehlleistungen haben. Sie ist sonst auf Dauer nicht mehr handlungsfähig.»

Und weiter: «Wenn wir künftig intern noch genauer hinschauen, kann es durchaus sein, dass es mehr Fälle geben wird.»

Auf die Frage, ob die Kontrolle zu wenig gut funktioniere, antwortet Kölliker: «Wenn Fehlverhalten festgestellt wird, greift sie.» Dies zeige der Spesenfall exemplarisch. Der Geschäftsleitende Ausschuss des betroffenen Instituts habe auf das mögliche Fehlverhalten hingewiesen; dem Gremium gehören unter anderem alt Ständerat Eugen David, der St. Galler Stadtpräsident Thomas Scheitlin sowie Regierungsrat Beni Würth an.

Wer zahlt wie viel an welchen Lehrstuhl?

Weitere Ausführungen zur Spesenaffäre macht Kölliker nicht: «Laufende Verfahren.» Er rechnet damit, dass der Schlussbericht zur Administrativuntersuchung im Oktober vorliegen wird; die Untersuchung leitet der St. Galler Rechtsanwalt Walter Locher. Dannzumal werde wieder informiert. Das finanzielle Ausmass der Verfehlungen bleibt somit weiter offen. Brisant ist: Sesters Lehrstuhl ist gesponsort. Das wirft Fragen nach Kontrolle und Transparenz bei der Beschaffung von Drittmitteln auf. Es bestehe eine Deklarationspflicht, sagt Bieger. Dass diese nicht allzu weitreichend ist, macht seine nächste Aussage deutlich: Er habe nicht von allen Instituten Auskünfte darüber. Der Rektor kündigt denn auch an: Die Übersicht über die Fremdfinanzierungen soll leichter zugänglich gemacht werden; heute müssen Drittmittel und Sponsoren der einzelnen Lehrstühle mühsam auf den Homepages der Institute zusammengesucht werden. Den Nachholbedarf in Sachen Transparenz scheint die HSG erkannt zu haben.

Uni treibt Digitalisierung voran IT-Offensive

Die rund 1500 Studenten, die in diesen Tagen ihr Studium an der Universität St. Gallen beginnen, müssen sich vermehrt mit dem Thema Digitalisierung auseinandersetzen. Thomas Bieger, Rektor der HSG, kündigt eine Reform beim Bachelor-Studiengang der Betriebswirtschaftslehre an. «Die Studierenden sollen fit gemacht werden für eine globale digitale Arbeitswelt, ohne aber die traditionellen Werte der HSG zu vernachlässigen», so Bieger.

In einem Jahr, ab dem Herbstsemester 2019, werden «Unternehmerische Informatik» und «Methoden der Informatik» als Pflichtfächer zum Stoff der Wirtschaftswissenschafter gehören. Bieger betont die Auswirkungen, die der digitale Wandel für die universitäre Lehre bedeute. Man müsse heutzutage mehr bieten, als was im Internet und über Maschinen schon verfügbar sei. «Universitäten müssen Mehrwert gegenüber Netz und Maschine schaffen, was nur durch persönliche Interaktion erreicht werden kann.» Eine kritische Auseinandersetzung mit neuen Ideen und das kreative Denken in Gruppen würde an Bedeutung gewinnen.

Neue Lehrstühle werden geschaffen

Dem Trend zur zunehmenden Digitalisierung trug die HSG mit einem eigenen IT-Departement Rechnung. Zum Start des Herbstsemesters wurden drei Lehrstühle zu «Data Science, Artificial Intelligence und Interaction- and Communication-Based Systems» geschaffen. Anfang 2019 kommt zudem ein Lehrstuhl für «Software Systems Programming and Development» dazu. Mit diesen Ressourcen sei die Grundlage geschaffen für eine eigentliche «School of Information and Computing Science», an der Informatikfachkräfte ausgebildet werden, so Bieger.

«Region und Wirtschaft werden von diesem neuen Angebot stark profitieren», sagt der St. Galler Bildungsdirektor Stefan Kölliker. Stimme auch die Bevölkerung der kantonalen IT-Offensive im Februar 2019 zu, könnten im Herbst 2020 die ersten Studierenden mit dem neuen IT-Lehrgang beginnen. Neue Forschungsschwerpunkte und gut ausgebildete Fachkräfte seien Motor für Innovationen und Firmenneugründungen, so Kölliker. «Dies stärkt die Bekanntheit St. Gallens als IT-Standort.»

Sandro Büchler

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