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Die Universität St.Gallen kommt in die Stadt - das Stimmvolk genehmigt den neuen HSG-Campus in Zentrumsnähe - Rektor und Bildungschef atmen auf

Die Universität St. Gallen kann sich Luft verschaffen – mit einem neuen Campus nahe des Stadtzentrums. Der 160-Millionen-Kredit dafür ist überraschend schlank durchgekommen.
Regula Weik
Freuen sich über des Ergebnis der Campus-Abstimmung: die Regierungsräte Stefan Kölliker und Marc Märcher sowie HSG-Rektor Thomas Bieger, von links (Bild: Adriana Oritz Cardozo)

Freuen sich über des Ergebnis der Campus-Abstimmung: die Regierungsräte Stefan Kölliker und Marc Märcher sowie HSG-Rektor Thomas Bieger, von links (Bild: Adriana Oritz Cardozo)

Stefan Kölliker ist nicht übergewichtig. Dennoch sind gestern Mittag ein paar Kilos von ihm abgefallen. Der St. Galler Bildungschef ist auch kein Schwarzmaler. Kritiker werfen ihm vielmehr vor, ein Rosabrillenträger und Schönredner zu sein. In den vergangenen Wochen war seine Anspannung spürbar gewesen. Sie verflog, sobald das Endergebnis zum Campus Platztor der Universität St. Gallen feststand.

«Dieses Resultat ist keine Selbstverständlichkeit», sagt Kölliker. Erst recht nicht in dieser Deutlichkeit. 51280 Ja-Stimmen stehen 30236 Nein-Stimmen gegenüber, das entspricht einer Zustimmung von 62,9 Prozent. Einzig zwei Gemeinden, Flums und Quarten, lehnen das Campus-Vorhaben ab.

Bauvorlagen der HSG hatten es nie leicht

Bauvorlagen kommen in aller Regel im Kanton St. Gallen durch. Erst recht, wenn es sich um Bauten für die Bildung handelt – mit einer Ausnahme: Die Bauvorhaben der HSG haben es nie leicht an der Urne. Derart ungünstig wie aktuell waren die Voraussetzungen noch nie. «Der Vorlauf hätte nicht schlechter sein können», sagt Kölliker, der auch den Universitätsrat präsidiert. Die Universität hatte in den vergangenen Monaten wiederholt Schlagzeilen geschrieben, solche, die sie sich gerne erspart hätte. Spesenskandale, mangelnde interne Kontrolle, umstrittene Nebenjobs von Professoren – ausgerechnet in diesen Zeiten stand die Abstimmung für den neuen Campus am Rande der St. Galler Altstadt an.

«Ich werde diese Spesenbezüger nicht mit meinem Steuergeld unterstützen.» «Wer Führungskräfte ausbildet, muss über einen einwandfreien Charakter verfügen. Ob dies bei gewissen Professoren der Fall ist, bezweifle ich.» Solche und ähnliche Stimmen waren im Vorfeld zu hören gewesen. Eine organisierte Opposition gab es nicht. Einzig die Juso hatte sich gegen die Erweiterung der «Bonzen-Uni» ausgesprochen. Die übrigen Parteien standen in ungewohnter Eintracht hinter der Vorlage. So war es allerdings auch 1970 gewesen: Sämtliche Kantonalparteien hatten sich damals für die Erweiterung der Universität ausgesprochen; das Volk sah es damals anders und schickte den Ausbau bachab.

Das passierte diesmal nicht. Dass das Vorhaben derart schlank durchgeht, durfte allerdings nicht erwartet werden. Nach all den Vorkommnissen habe es «Mut gebraucht, die Abstimmung wie geplant durchzuziehen», sagt ein sichtlich erleichterter HSG-Rektor Thomas Bieger. Es ist die dritte Abstimmung innert Jahresfrist, von welcher die Universität profitiert. Vor einem Jahr war der Joint Medical Master, im Februar die IT-Bildungsoffensive an der Urne gutgeheissen worden; an beiden ist die HSG beteiligt und übernimmt wesentliche Aufgaben.

Die Raumnot bleibt noch acht Jahre bestehen

«Die Stimmung der Bevölkerung gegenüber der Universität ist nicht derart schlecht wie die vergangenen Monate vermuten liessen», freut sich Bildungschef Kölliker. Einen Plan B, wenn es mit dem Campus Platztor nicht geklappt hätte, hatte er nicht. Ein Nein habe einfach nicht sein dürfen. Auch so müssen sich die Studierenden noch einige Jahre gedulden. Der Baustart am Platztor ist für 2024 geplant, die Eröffnung für 2027. Solange bleibt die Raumnot auf dem Rosenberg bestehen. Der heutige Campus auf dem Stadthügel ist für 5000 Studierende ausgelegt; aktuell sind es über 8600. «Wir werden die bestehenden Provisorien verlängern und zusätzlich neue Übergangsmietlösungen in der Stadt unterzeichnen», sagt Rektor Bieger. Wie der Bau am Platztor dereinst im Detail aussehen wird, ist noch offen. Der Architekturwettbewerb wird jetzt ausgeschrieben – nach der Zustimmung der Bevölkerung zum Kredit.

Tiefe Stimmbeteiligung als stiller Protest?

Der Kanton übernimmt mit 160 Millionen den Löwenanteil der Kosten. Insgesamt kostet der Campus Platztor 207 Millionen. Der Bund steuert 25 Millionen bei, die Stadt St. Gallen 2 Millionen. Die HSG beteiligt sich mit 20 Millionen. So wie auch das neue Learning Center, das 50 bis 60 Millionen kostet, vollumfänglich von privaten Geldgebern, Gönnern und Donatoren finanziert ist. Einzig die gut 14 Millionen teure Sanierung des Bibliotheksgebäudes zahlt vollständig der Kanton.

Ist die tiefe Stimmbeteiligung von 26 Prozent ein stiller Protest breiter Kreise gegen die HSG? Für die Legitimation der Abstimmung sei dies «keine gute Basis», hält Köllikers Partei, die SVP, fest. Die tiefe Teilnahme sei bedenklich, sagt der Bildungschef. Daraus abzuleiten, um das Image der Universität stünde es doch nicht so gut, sei jedoch falsch. «Es ist heute deutlich besser als noch vor 10 oder 20 Jahren.» Dazu beigetragen hätten die zahlreichen öffentlichen Vorlesungen, die Kinderuni, die vermehrte Präsentation von Forschungsergebnissen – «alles das Verdienst des Rektorats und nicht des Bildungschefs».

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